Netzwelt-Ticker: Verisign will Web-Wächter werden - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Verisign will Web-Wächter werden

Das Online-Unternehmen Verisign will sich zur Internet-Polizei machen lassen, Websites abschalten dürfen, wenn darauf Schadprogramme gefunden werden. Außerdem: Spotify brummt aber bleibt in den Miesen und ein französischer Minister findet Polizistenüberwachung im Web mies.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein interessantes Schreiben erreichte am Montag die Internet-Verwaltung ICANN. In dem Schriftstück schlägt Verisign einen neuen Service vor, der Web-Seiten auf das Vorhandensein von Schadprogrammen überprüfen soll. Praktischerweise soll dieser Dienst nach Verisigns Anti-Missbrauch-Richtlinien gestaltet und vom vorschlagenden Unternehmen auch gleich selbst übernommen werden. Schließlich müsse der Verteilung von Schadsoftware im Internet entschlossener als bisher entgegengetreten werden.

Daher möchte Verisign mit allen Rechten ausgestattet werde , um Web-Seiten unverzüglich vom Netz zu nehmen zu können, sobald sie als Quelle von Viren, Trojanern oder Phishing-Attacken identifiziert worden sind. Die Betreiber von Websites könnten sich per Opt-In zur Teilnahme an diesem Verfahren . Zunächst sollen allerdings nur Internet-Adressen die zu den Top-Level-Domains .com und .net gehören auf Schadprogramme überprüft werden.

Doch damit nicht genug: Verisign fordert die ICANN auf, dem Unternehmen auch in anderen Fallen die Lizenz zum Abschalten von Domains zu erteilen. Und die gehen weit über den Schutz vor Cyber-Attacken hinaus. So soll die Abschaltung von Websites auch auf gerichtliche Anordnung hin vorgenommen werden. Seien es Verfügungen strafrechtlicher Art oder solche zum Schutz zivilrechtlicher Ansprüche.

Womit auch der Bereich des Urheberrechts und dessen möglicher Verletzung, zum Beispiel durch Tauschbörsenseiten, ins Visier geraten. Verisign plant, für betroffene Domains ein Einspruchsverfahren einzuführen. Ein Aspekt, der die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU nicht beruhigt. Ihr Chef-Justitiar Aden Fine erklärte gegenüber Ars Technica , diese Art des Einspruchsverfahren sei besorgniserregend. "Der Standard sollte nicht 'zuerst abschalten' lauten", so der Jurist.

Französischer Innenminister gegen Copwatch

"Wer kontrolliert die Kontrolleure?", diese alte Frage des römischen Dichters Juvenal beantwortet die französische Website "Copwatch Nord IDF" . Ihre Betreiber wollen der französischen Polizei, vor allem im Bereich Paris-Lille-Calais, auf die Finger sehen, Übergriffe und Rechtsverstöße durch Polizisten dokumentieren. Beim französischen Innenminister Claude Guéant sorgt das Projekt für Aufregung. Der Minister erregt sich vor allem über eine Datenbank mit Namen, Fotos und manchmal auch Angaben zu politischen Verbindungen von 450 Polizisten.

Deren Veröffentlichung beeinträchtige das Personal des Innenministeriums und gefährde die Sicherheit der Beamten und ihrer Familien . Daher müsse die Seite vom Netz. Tatsächlich zeigen einige der Fotos Beamte, die bei ihrer Arbeit durchaus drastische Mittel anwenden. Was für Copwatch Aufklärung bedeutet, ist in den Augen des Ministers "extrem gefährlich" . Liebend gern würde Guéant die Seite komplett vom Netz nehmen, was sich aber aus verfassungsrechtlichen Gründen verbiete, so "Telepolis" .

Also sollen einzelne Unterseiten gezielt ausgesucht und entfernt werden. Natürlich jene mit inkriminierenden und für die Polizei wenig schmeichelhaften Inhalten. Dies soll mit Hilfe eines speziellen Internet-Filters vonstatten gehen. Copwatch hatte bereits wenige Tage nach seinem Start im September eine Klage des Innenministers kassiert, weitere Verleumdungsklagen folgten.

Spotify in den roten Zahlen

Da hatten sich die Macher wohl mehr erhofft. Der Musik-Streaming-Dienst Spotify schreibt nach 2009 auch 2010 rote Zahlen. Trotz des immensen Nutzerzuspruchs erhöhte sich der Verlust  von umgerechnet 19 Millionen Euro auf gut 30 Millionen Euro. Dabei konnte das in Schweden beheimatete Unternehmen seinen Umsatz im gleichen Zeitraum von 12,9 Millionen Euro auf 72,2 Millionen Euro steigern.

Als Grund für das negative Ergebnis werden die Lizenzgebühren genannt, die Spotify an die Musikindustrie abführen muss, um überhaupt Musiktitel online anbieten zu können. Die einzige Chance sehen die Verantwortlichen in einem möglichst schnellen Wachstum in bestehenden und noch zu erschließenden Märkten. Dabei soll vor allem das Geschäft mit zahlenden Kunden ausgeweitet werden. Davon gibt es bereits über zwei Millionen. Die Expansion auf den amerikanischen Markt (mehr benötigt denn gewollt, so Paidcontent ) könnte die Musikplattform auf dem richtigen Weg bringen.

Vater wird wegen Fotos seiner Tochter verhört

Das Recht auf Privatsphäre und aufs eigene Bild wird von manchen ziemlich streng aufgefasst. Wie vom Betreiber eines Einkaufzentrums im schottischen Braehead. Dort hatte ein Vater mit dem Handy seine kleine Tochter beim Eisschlecken fotografiert. Sofort eilten Sicherheitsleute hinzu und herrschten den Mann an, Fotografieren sei dort illegal, er habe die Bilder umgehend zu löschen. Dies diene Schutz der Privatsphäre der in der Shopping Mall arbeitenden Angestellten. Da half dem Vater auch der Hinweis nicht, auf den Bildern sei einzig seine Tochter zu sehen. Eilig herbeigerufene Polizeibeamte teilten dem verdutzten Vater dann noch mit, sie könnten das Handy unter Berufung auf das Terrorismusabwehrgesetz auch gleich beschlagnahmen.

Mittlerweile ist den Betreibern des Einkaufzentrums die Angelegenheit ziemlich peinlich. "Wir haben zwar eine 'Fotografieren verboten'-Regel, um den Schutz der Privatsphäre von Angestellten und Besuchern des Ladenzentrums zu gewährleisten", erklärte laut BBC ein Sprecher . "Aber wir sind nicht daran interessiert - und tun das auch nicht - harmlose Familien am Fotografieren zu hindern." Milde Töne, die aber trotzdem nicht verhinderten, dass sich umgehend eine Facebook-Gruppe bildete, in der erboste Zeitgenossen zum Boykott des Einkaufszentrums aufrufen. Am Mittwoch Vormittag hatten schon knapp 25.000 Menschen ihre Zustimmung bekundet .

Auch das noch:

  • Microsoft bietet Sicherheitsüberprüfung für verschiedene Browser an.  Einfach auf die Seite gehen und schwups! kennt jeder Surfer seinen Sicherheitswert. Wen wundert es, dass der Internet Explorer stets ziemlich gut abschneidet?
  • Zynga mit eigener Spieleplattform.  Der Anbieter populärer Online-Spiele bei Facebook bringt eine Reihe neuer Games heraus und dazu noch eine eigene Website, auf der man unabhängig vom sozialen Netzwerk daddeln kann.
  • Erneuter Blackberry-Ausfall macht Kunden sauer.  Schon wieder stotterten diverse Blackberry-Dienste. Nicht nur der Blackberry Messenger funktionierte zwischenzeitlich nicht, auch das Surfen im Web holperte. Via Twitter ließ Research in Motion mitteilen, es habe in Europa, im Nahen Osten und in Afrika einige Ausfälle gegeben, aber das Problem sei inzwischen gelöst.
  • Nokias Klingeltonsieger steht fest.  Der finnische Handyhersteller hat den Gewinner seines Wettbewerbs um den Klingelton benannt, dessen Schöpfung demnächst auf Millionen neuer Handys vorinstalliert sein wird. Wer ihn sich anhört , kehrt freiwillig zum alten zurück.

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