Netzwelt-Ticker Vorfahrt für Open Source
Warner triezt Last.fm mit Musikentzug
Die Major-Plattenfirma Warner Music Group zieht sich teilweise vom Musikdienst Last.fm zurück. Hunderttausende Songs von Warner-Künstlern, darunter Phil Collins, Missy Elliot und James Blunt, gibt's zukünftig nicht mehr auf Knopfdruck, sondern nur noch im Last.fm-Online-Radio. Grund dafür sind gescheiterte Neuverhandlungen zwischen Warner und dem Medienkonzern CBS.
Der kaufte im vergangenen Jahr den Musikdienst Last.fm für rund 180 Millionen Euro auf. Nun will Warner mehr Geld. Zumal man doch bei anderen Online-Diensten wie MySpace Music oder Imeem bereits jetzt schon besser verdienen kann, wie ein Warner-Boss gegenüber der "New York Times" beteuerte .
Last.fm zahlt kooperierenden Labels einen Betrag für jeden von den Usern angeforderten und abgespielten Song (Audio on Demand). Lieder, die im Rahmen des nur indirekt steuerbaren Onlineradios abgespielt werden, sind davon ausgenommen. Warner setzte darauf, dass Last.fm ein für die Nutzer kostenpflichtiges Musikabo einführt und die kooperierenden Plattenfirmen an den Einnahmen beteiligt. Bis jetzt finanziert sich Last.fm nur aus Werbung und den Investitionen von CBS.
Warner Music war die erste Major-Plattenfirma, die mit dem Online-Musikdienst Last.fm einen Vertrag schloss und ist jetzt auch die erste, die sich wieder vom Angebot entfernt. Vielleicht nur vorübergehend: CBS teilte mit, dass man "gerade mit der Warner Music Group einen neuen Vertrag" aushandele. Der Ausgang dieser Verhandlung könnte wichtig für Last.fm sein. Die Verträge mit den übrigen Plattenlabels laufen im nächsten Jahr aus. Die werden sich über Warners Pionierarbeit am Geldbrunnen freuen.
( Last.fm ist ein Kooperationspartner von SPIEGEL ONLINE)
Unicef fordert Maßnahmen gegen Kinderporno-Szene
Das Kinderhilfswerk Unicef hat zu einem entschiedenen Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern aufgerufen. "Kinderpornografie und Kinderhandel haben sich zu riesigen Märkten mit enormen Gewinnspannen entwickelt", sagte Hilde Johnson, stellvertretende UNICEF-Direktorin, am Dienstag auf einer Konferenz in Berlin.
Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks werden täglich weltweit mehr als 3000 Mädchen und Jungen wie Ware verkauft. Verstärkt werden müsse vor allem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gegen kriminelle internationale Netzwerke, forderte Johnson. Zudem müssten Internet-Provider und Plattformen dafür sorgen, dass kinderpornografische Inhalte umgehend aus dem Netz genommen werden.
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden weltweit 1,8 Millionen Kinder zu Prostitution und Pornografie gezwungen. Rund 1,2 Millionen Mädchen und Jungen fallen jährlich Menschenhändlern zum Opfer. Ein zunehmendes Problem ist nach Angaben der Kinderrechtsorganisation ECPAT das Internet: Zehntausende Konsumenten von Kinderpornografie heizten die Nachfrage an und förderten damit den Missbrauch von Kindern, so ECPAT-Geschäftsführerin Mechtild Maurer.
Viele Pädophile nutzen außerdem die zahlreichen Chatrooms für ihre Zwecke: Nach einer Studie der Universität Köln gaben 38 Prozent der befragten Jugendlichen an, gegen ihren Willen nach sexuellen Dingen gefragt worden zu sein. Mehr als jeder Zehnte bekam demnach unaufgefordert Nacktfotos zugesandt. Auf ihrer gemeinsamen Tagung haben Unicef, ECPAT und die Friedrich-Ebert-Stiftung die Vorbereitungen für den dritten Weltkongress gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen im November in Rio de Janeiro getroffen.
AP
Fraunhofer stellt Haushaltsroboter vor
Was macht einen guten Roboter aus? Ein Tablett. Das denken zumindest die Forscher am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung. Auf der diesjährigen Automatica-Messe in München stellen sie ihren Haushaltsroboter Care-O-bot 3 vor. Er soll sich frei und sicher in der Wohnung bewegen, alle möglichen Gegenstände holen und bringen und gar mit dem Menschen kommunizieren können. Die Schnittstelle: Ein Tablett samt Touchscreen.
Gegenstände greift der Care-O-bot mithilfe seines einen Armes "mit sieben Freiheitsgraden" und drei Fingern. Sensoren helfen ihm dabei, erzeugen aber so viele Daten, dass mehrere miteinander vernetzte Rechner dem Roboter helfen müssen.
Dafür versteht er dann auch Handzeichen, macht sich mit neuen Gegenständen vertraut und was man so alles mit ihnen anstellen kann. Soll der Roboter neue Bewegungsabläufe wie das Reinigen eines Tisches erlernen, kann der Mensch den Roboterarm aber auch direkt führen und ihn so programmieren, so die Pressemeldung .
Ein paranoider Blick in die düstere Zukunft: Nach der alles entscheidenden Schlacht der Care-O-bot-Armee gegen die Menschheit räumen die elektrischen Haushaltshilfen das Schlachtfeld auf. Sie putzen und staubsaugen und fragen höflich: Kann ich ihnen noch einen Gefallen tun? Die Menschheit, unterjocht von Roboterkellnern. Erbärmlich: Was waren das noch Zeiten, als Borgs und Zylonen unsere Untergangs-Utopien beflügelten...
EU-Kommissarin: Vorfahrt für Open Source
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hat die Regierungen der Mitgliedsstaaten aufgerufen, frei verfügbaren Software-Lösungen den Vorzug vor kommerziellen Angeboten zu geben. Die Nutzung von Open-Source-Formaten sei "eine sehr kluge Geschäftsentscheidung", sagte Kroes am Dienstag in Brüssel auf einer Konferenz der Organisation OpenForum Europe, die sich für offene Standards einsetzt. "Kein Bürger und kein Unternehmen sollte durch Entscheidungen einer Regierung gezwungen oder ermuntert werden, eine geschlossene Technologie statt einer offenen zu wählen", sagte Kroes. Auch die EU-Kommission werde ihren Teil dazu beitragen, wenn es um die Verwendung von Software-Standards gehe.
Offenbar in Anspielung auf das Software-Unternehmen Microsoft fügte die EU-Kommissarin hinzu, die Kommission dürfe sich nicht auf einen einzigen Anbieter verlassen und müsse sich weigern, "sich in eine bestimmte Technologie einschließen" zu lassen.
Microsoft und das Open-Source-Lager streiten seit Monaten über das Dokumentenformat der Zukunft. Sowohl das von Open-Source-Entwicklern, IBM und anderen unterstützte Open Document Format (ODF) als auch das von Microsoft entwickelte Format Office Open XML (OOXML) sind als internationale Standards anerkannt oder auf dem Weg dazu. Microsoft unterstützt im Rahmen seiner Strategie für Interoperabilität die Entwicklung von technischen Brücken zwischen beiden Formaten.
AP
Junges YouTube
Eine neue Studie der Netzvermesser Nielson Online nahm sich die kleinen Racker und ihre Surfgewohnheiten vor. Wohin surfen 2 bis 11-Jährige am liebsten? Natürlich zu Youtube, so das Ergebnis . Dort schauen sie rund zwei Stunden pro Monat Web-Clips und damit mehr als die Erwachsenen, die es nur eindreiviertel Stunden vor dem YouTube-Fenster aushalten. Nur Jugendliche zwischen 11 und 17 schauen mit über zwei Stunden noch mehr. Nielsens Rat: YouTube, richte einen Kinderkanal ein!
Für Spötter ist das Studienergebnis nicht neu: Wissen sie doch längst, dass YouTube bei Kindern und Jugendlichen jeden Alters (2-99) das beliebteste Medium ist. Jetzt jedenfalls ist das amtlich.