Netzwelt-Ticker: "Wieviel Rausch darf es denn sein?" - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker "Wieviel Rausch darf es denn sein?"

Interaktives Fernsehen: Charlotte Roche und Gert Scobel moderieren den Auftakt zur Suchtwoche 2007 - im Internet. Das Publikum soll via Webcam und Skype aus dem Wohnzimmer mitdiskutieren. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.
Von Sönke Jahn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Per Webcam ins ZDF

Nach dem YouTube-Klamauk "Wahrheit oder Pflicht" macht Charlotte Roche nun Suchtberatung via Webcam. Heute Abend moderiert sie im Internet zusammen mit Gert Scobel eine Gesprächssendung zum Auftakt der Suchtwoche 2007. Ab 20 Uhr fragen die beiden sich und ihre Studiogäste - Suchtforscher, Alt-Rapper, die Popband Virginia Jetzt! - "Wieviel Rausch darf es denn sein?" .

Das Publikum soll webweit mitdiskutieren, sich per Webcam und via Skype-Software an der Sendung beteiligen. Bitte der Redaktion: "Achten Sie darauf, dass der Raum, in dem sich Ihr Computer befindet, ruhig und hell beleuchtet ist, um eine optimale Übertragung von Ton und Bild zu ermöglichen." Eine Aufzeichnung der Sendung wird eine halbe Stunde nach Mitternacht im ZDF ausgestrahlt.

Leicht ins Schleudern kam die Pressestelle des ZDF indes mit Datum und Uhrzeit der 100-minütigen Sendung . Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach: Die Diskussionsrunde wird heute ab 20 Uhr live im Internet übertragen. Zur TV-Ausstrahlung nachts um halb eins ist die Zielgruppe entweder noch in der Kneipe oder schon zu Bett.

Apple empört Mobilfunker

Eine alte Händlerregel lautet: "Lerne klagen, ohne zu leiden". Und so ist es, mit Verlaub, zumeist recht belustigend zu sehen, wie gewisse Branchenvertreter öffentlich versprechen, auf Geschäfte zu verzichten, wenn sie bei einem Verhandlungspartner auf Granit beißen. Das ist nur allzu menschlich. Ob nun die Löhne zu hoch sind oder die Steuern oder die Einstandspreise, schnell meldet sich der Homo Oeconomicus schwer beleidigt ab und droht mit Profitverzicht. Zurzeit herrscht heiliger Unternehmerzorn bei den europäischen Mobilfunkbetreibern. Apple stelle mit seinem iPhone "arrogante Forderungen" . "Einige Anbieter erklärten entschieden, dass sie das iPhone niemals anbieten werden", wird ein Analyst im "Inquirer" zitiert. Wer's glaubt, wird Wirtschaftsminister.

Electronic Arts' großer Mac-Spiele-Schwindel

Zusammen mit Steve Jobs hatte Spieleschmied Bing Gordon neulich seinen großen Auftritt. Der Chief Creative Officer von Electronic Arts (EA) kündigte zur Eröffnung von Apples hauseigener Entwicklerkonferenz an, dass man die neuesten Spiele seiner Firma bald auch auf dem Mac spielen kann. An sich eine erfreuliche Mitteilung für Mac-Gamer, die allgemein nicht gerade mit Computerspielen verwöhnt werden. Nun aber entbrennt die Diskussion, ob Gordon – und auch Jobs – das Publikum angelogen haben .

Der Grund: Electronic-Arts-Spiele sollen bloß mit Hilfe einer zusätzlichen Emuliersoftware namens Cidre und auch dann nur auf Macs mit Intel-Prozessor laufen. Wie es aussieht, wird EA also doch keine Spiele für MacOS X veröffentlichen, sondern nur die Windows-Versionen der Games mit einem Extra-Software-Gimmick an Mac-Besitzer verscheuern. Die lassen sich aber ohnehin längst auf Intel-Macs spielen - wenn man den Rechner mit Windows anstatt dem Mac-OS hochfährt.

Liebling, sie haben das iPhone geschrumpft

Bei der Aufmerksamkeit, die Apple zurzeit mit dem iPhone genießt, wird es schwer sein, keinen Verkaufserfolg damit zu erzielen. Wie bei Paris Hilton, schlimmer noch, wird jedes noch so nichtige Detail bis hinten gegen ausdiskutiert. Sogar die schwankende Größe des Gerätes anhand unterschiedlicher Werbemotive ist Thema . Man munkelt, dass es anfangs möglicherweise größer wirkte als auf dem nun auf Apples Webseite angezeigten Bild.

Im wunderbar Apple-affinen fscklog wurde genauer hingeschaut. Und nachgemessen. Und Entwarnung gegeben. Aha! Apple hat das iPhone doch nicht geschrumpft. Sieht nur so aus. "Werden die iPhone-Darstellungen übereinandergelegt, sind die Geräte haargenau gleich groß. Die geschickte Lichtverteilung (an der Oberseite) und der Einsatz einer offensichtlich deutlich größeren Hand lässt die Illusion eines optischen Schrumpfens entstehen", schreibt das fscklog.

Ogg Vorbis versus König MP3

König MP3 regiert, weil nichts erfolgreicher ist als der Erfolg. Es gibt bessere Formate, aber die kennt kein Schwein.

Über "gravierende Akzeptanzprobleme" bei Ogg Vorbis-Musikdateien berichtet beispielsweise die ORF-futurezone . Das quelloffene Format zur Musikkomprimierung hört sich nach Ansicht von nicht wenigen Fachleuten deutlich besser an als MP3-Dateien – und das sogar in platzsparender 64-Bit-Kodierung.

Aber Ogg Vorbis führt ein Schattendasein. Zwar lassen sich Ogg-Dateien ohne viel Federlesen auf Mac und PC abspielen, man kann sie aber nur sehr selten bzw. erst nach einigem Installationsaufwand auf iPod & Co anhören. Erst im Mai startete die Free Software Foundation eine Kampagne, um Ogg Vorbis bei Hardware-Herstellern bekannter zu machen; ihr Erfolg ist allerdings fraglich. Nicht nur weigern sich die großen Player-Produzenten, den kostenlosen Codec neben den kommerziellen, stets lizenzpflichtigen Formaten MP3, AAC oder WMA in ihre Geräte einzubauen; auch mehr und mehr Netlabels verzichten zunehmend auf das freie Musikformat - und setzen künftig auf MP3.

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