Netzwelt-Ticker Windows 7 kommt vor Weihnachten
Microsoft bringt sein neues Betriebssystem Windows 7 einige Monate früher als bislang geplant auf den Markt. Der Vista-Nachfolger werde "rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft" für Verbraucher verfügbar sein, erklärte das Unternehmen am Montag (Ortszeit) in Los Angeles und bestätigte damit Gerüchte. Bis dato hatte der Software-Hersteller stets erklärt, der Verkauf starte im ersten Quartal 2010.
Eine Vorab-Version der Software steht bereits zum kostenlosen Download zur Verfügung. Nutzer sollten diese aus Sicherheitsgründen aber nicht auf einem Produktivsystem einsetzen.
dpa
Botnet begeht Selbstmord
Ein seltsamer Botnet-Selbstmord beschäftigt Sicherheitsexperten. Anfang April konnte der Schweizer Spam-Experte Roman Hüssy dabei zusehen, wie ein Botnet-Zentralserver einen "Kill"-Befehl an seine 100.000 Sklavenrechner verschickte. Der Befehl veranlasst die befallenen Rechner, die Windows-Registry teilweise zu löschen und den Arbeitsspeicher zu überschreiben. Die Folge: Windows stürzt ab, ist möglicherweise stark beschädigt.
Die Frage, die Sicherheitsexperten nun beschäftigt, ist: Warum dieser Massenselbstmord? Dass viele Malware-Programme einen sogenannten Killswitch haben, der den Gastrechner lahmlegt, ist bekannt. Vermutlich verschaffen Hacker damit ihren Zombie-Rechnern mehr Zeit, um hinter Nutzers Rücken Banküberweisungen zu tätigen. Noch nie wurde aber beobachtet, wie ein ganzes Botnet auf Befehl zusammenbrach. Im Gespräch mit dem "Washington Post"-Blog Security Fix vermutet Hüssy, dass vielleicht eine andere Botnet-Bande Besitz von ZeuS ergriff und kurzerhand die Konkurrenz erledigte.
Vielleicht aber waren die ZeuS-Botmaster einfach nur schusslig. "Viele Cybergangster, die den ZeuS-Baukasten nutzen, sind nicht gerade geschickt", sagte Hüssy der Zeitung. Denn ZeuS ist eine Botnet-Software, die man sich schon für wenige hundert Dollar in den Niederungen des Internets kaufen kann. Mit dieser Botnet-Software kann jeder Computer-Laie eine Armee der Zombie-Rechner erschaffen, die auf Wunsch Spam-Mails verschickt, Websites lahmlegen oder illegale Bankgeschäfte mit fremden Konten erledigt.
Botnets zählen zu den größten Gefahren des Internets: Sie entreißen Computernutzern die Herrschaft über ihren Rechner und verbreiten sich in rasanter Geschwindigkeit. Um die Prinzipien und wunden Stellen der Botnets ausfindig zu machen, hacken sich Sicherheitsexperten immer öfter in Botnets ein - und stoßen dort bergeweise auf geklaute Daten: Passwörter, Banking-Daten, Kreditkartennummern.
Schad- und Spähsoftware
Pirate Bay: Rache ist Schadensersatz
Mit einem "Distributed Denial of Dollars"-Angriff (DDo$) wollen sich die Pirate-Bay-Verantwortlichen an der Medienindustrie rächen , die jedem von ihnen ein Jahr Knast und insgesamt 30 Millionen schwedische Kronen (2,8 Millionen Euro) Schadensersatz vor Gericht einbrockte. Und das geht so: Die Piraten werden nichts zahlen, wohl aber Internet-Nutzer aus aller Welt. Sie sollen die "extrem kleine Summen" über die Website Internet-Avgift ("Internet-Gebühr") an die Kläger-Anwälte überweisen , zum Beispiel eine Krone, die umgerechnet 13 Dollar-Cent wert ist.
Oberpirat Gottfrid "anakata" Svartholm will nämlich herausgefunden haben, dass für das Empfängerkonto der Kanzlei nur 1000 Buchungen kostenlos sind. Jede weitere Buchung koste die Kanzlei zwei Kronen. Svartholm rechnet vor: Nach der 1000. Überweisung zahlt die Kanzlei für jede 1-Kronen-Überweisung eine Krone drauf; die Schadensersatzforderungen werden zum Bumerang der Medienindustrie. Ums noch schlimmer zu machen, könnten die Überweiser auch noch nach schwedischem Recht ihr Geld zurückfordern - was noch mehr Bearbeitungszeit für die Kanzlei bedeute. Im Blogpirate-Blog ging sofort die Diskussion los, ob der Plan überhaupt funktionieren kann: So leicht kann das doch nicht sein. Svartholm antwortet Kritikern mit kampffreudigem Kriegsgeheul: "Ich will vor allem mit ihren Köpfen spielen. Das ist ein Krieg, und unsere Feinde sollen niemals die Konsequenzen ihrer Taten vorhersehen können."
Adblock Plus will Websites vor sich schützen
Der Entwickler des so populären wie umstrittenen Firefox-Addons Adblock Plus, das Werbung auf Websites ausblendet, schlägt eine drastische Änderung seiner Software vor . In einem Blog-Posting schreibt Wladimir Palant: "Das Internet braucht Geld, um zu funktionieren, und die umfassendste Möglichkeit, dieses Geld zu verteilen, ist immer noch Werbung." Leider sei Internet-Werbung aber oft dumm, aufdringlich und unpassend - kein Wunder, dass so viele Surfer diese Werbung wegzappen, und damit auch unaufdringliche, weiterführende Werbung ausschalten.
Palant will Website-Betreiber und Surfer jetzt in einen Dialog bringen: "Wie schon oft gesagt: Ich will die Werbeindustrie ja nicht zerstören." Per HTML-Code sollen Site-Besitzer der Adblock-Software mitteilen können, dass sie denken, die Werbung auf der Seite ist ok. Adblock Plus würde im Gegenzug den Surfer auffordern, sich Fall für Fall für oder gegen die jeweilige Werbung zu entscheiden - aber nur, wenn der Surfer ein regelmäßiger Besucher der jeweiligen Website ist. Das Problem ist wichtig, die Lösung ist schwierig. Ein interessanter Blog-Eintrag mit vielen erhellenden Kommentaren!
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