Netzwelt-Ticker Windows für Arme
Windows für Arme
"Tue Gutes und rede darüber", diese alte Marketingweisheit beherzigt Microsoft und kündigt mit der "Student Innovation Suite" den Vertrieb einer Schmalspurversion von Windows an, die für drei Dollar vor allem Regierungen in Entwicklungsländern angeboten werden soll. Die nämlich sind gerade dabei, das Projekt "One Laptop per Child" umzusetzen, das für Schüler und Studenten Laptops auf Linuxbasis auf den Markt bringen soll. Genau da will sich Microsoft möglichst früh in einer guten Ausgangsposition platzieren, wie die BBC berichtet .
Die günstig zu erwerbenden Softwarepakete sollen unter anderem die Windows XP Starter Edition, Office Home, Math 3.0 und Learning Essentials 2.0 for Microsoft Office enthalten. Sie sollen vor allem zur Ausrüstung von Computern für Schüler und Studenten dienen, denn, so Marketing- und Verkaufsdirektor Orlando Ayala: "Wir richten uns damit an die Verbraucher der Zukunft."
Mit diesem Schritt versuchen die Redmonder erneut, ihre Marktposition auch in ärmeren Ländern auszubauen. Auf diesem Weg lagen bisher vor allem zwei Hindernisse: Piraterie und eben die kostenlose Alternative namens Linux. Ayala stellt denn auch unumwunden klar: "Das ist keine philanthropische Veranstaltung, das ist Business."
Vista in China ein Flop
Wie richtig Ayala mit seiner Einschätzung liegt, zeigt ein Blick nach China. Dort scheint der Verkaufsstart des neuen Betriebssystems Windows Vista zu Anfang des Jahres ein Desaster gewesen zu sein. Unter Berufung auf japanische Quellen berichtet Newlaunches.com , der Vista-Hauptdistributor in Peking habe in den ersten zwei Wochen keine 300 Kopien verkaufen können, und das im gewaltigen chinesischen Markt.
Der Grund ist recht einfach zu erkennen: An jeder Straßenecke bekommt man Vista-Raubkopien bereits für umgerechnet einen Dollar zum Kauf angeboten. Dagegen hat auch nicht einmal die beinahe einen halben Kilometer hohe Werbung in Shanghai fürs neue Betriebssystem etwas ändern können.
"Cyberzahn" ersetzt Pillen und Injektionen
Gute Nachrichten für alle, die Angst vor Spritzen haben oder vergesslich sind: Wie Reuters meldet , haben Forscher im israelischen Tel Aviv einen "Cyberzahn" entwickelt, der enthaltene Medikamente freisetzen kann, was vor allem für chronisch Kranke eine wesentliche Erleichterung bringt.
Das von der EU geförderte Projekt namens "Intelli Drug" sollte ein Gerät entwickeln, das imstande ist, eine zuvor vom Arzt festgelegte Dosis einer Arznei zu bestimmten Zeitpunkten abzugeben und dies am besten in der Mundhöhle. Der kleine Behälter wird wie ein künstlicher Zahn im Kiefer des Patienten verankert, sein Computerchip lässt sich auf beliebige Intervalle zur Medikation programmieren. "Das Gerät bringt entscheidende Vorteile für Patienten, die Schwierigkeiten haben, sich zu erinnern - wie zum Beispiel an Alzheimer Erkrankte", so Ben Beiski vom medizinischen Forschungszentrum Assuta. Anstatt dass jedes Mal eine Krankenschwester gelaufen kommen müsse, um an die Tablette zu erinnern, könne dies nun automatisch geschehen.
US-Soldaten: Keine Lust auf Hightech
Die amerikanische Armee schöpft finanziell bekanntlich aus dem Vollen, und so ist auch Geld für allerlei Hightech-Spielereien vorhanden. Der "Inquirer" weist auf ein mit einer halben Milliarde US-Dollar dotiertes Programm mit dem Namen "Land Warrior" hin , das Todesfälle durch sogenanntes "Friendly Fire" verhindern helfen soll.
In solchen Situationen gerät die eigene Truppe versehentlich unter Beschuss, der eigentlich dem Feind gegolten hat, und das nicht selten mit tödlichen Folgen. Das "Land Warrior"-System besteht aus einem Sendernetzwerk, das den Soldaten über am Helm befestigte Displays erlaubt, die Kameraden zu jedem Zeitpunkt genau zu lokalisieren. Interessanterweise scheinen die Geräte ihren Zweck nicht zu erfüllen - im Unterschied zum Schwestersystem "Blue Force Tracker", das an Fahrzeugen befestigt wird und zu einer merklichen Verminderung der Verluste geführt haben soll.
Die Testphase in einer Erprobungskompanie ergab, dass die Soldaten keine Zeit oder Lust hatten, elektronische Karten zu studieren, um herauszufinden, wo genau sich ihre Kameraden aufhielten. Sie zogen es auch weiterhin vor, auf alles zu schießen, was sich bewegt. Sie beschwerten sich, durch das Gerät würden sie nur zu noch größeren Zielen, man solle sie lieber mit "nützlichem Kram" wie Waffen versorgen.
Klage gegen Google Adwords wird doch verhandelt
Die Mühlen der Justiz mahlen überall langsam, auch in den USA. Trotzdem produzieren sie ab und zu ein Ergebnis, so wie im Fall der Klage eines Innenausstattungsunternehmens gegen Google Adwords.
Die Firma "American Blind & Wallpaper Factory" hatte vor drei Jahren wegen Verletzung des Markenrechts geklagt. Denn wer nach dem Firmennamen googelt, bekommt neben der Ergebnisliste auch die passenden Reklameschnipsel dazugeliefert, und die verweisen auch auf die Konkurrenz. Für die Kläger ein nicht hinnehmbarer Zustand, würden sie doch einen wesentlich Umsatzanteil übers Internet erwirtschaften.
Google hatte immer wieder die Abweisung der Klage beantragt, doch wie schon im März 2005 wurde das Ansinnen auch jetzt wieder abgelehnt, wie Heise meldet . Es bestünde für die Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse zu erfahren, ob ein Fall von Markenrechtsverstoß vorliege, so das Bezirksgericht in San José. Da werden in der Googlezentrale im kalifornischen Mountain View nicht gerade die Sektkorken geknallt haben, bedenkt man, dass der Suchmaschinenbetreiber sich beinahe vollständig über Werbung finanziert.