Netzwelt-Ticker Windows kollabiert Analysten zufolge
Ist Windows noch zu retten? Die Gartner-Analysten Michael Silver und Neil MacDonald meinen: Nein - zumindest nicht im aktuellen Zustand. Microsoft habe mit Windows die Entwicklung des Marktes verschlafen und sich mit Retro-Programmcode und zwei Jahrzehnte alten Entscheidungen selbst gelähmt. Ohne radikale Änderungen am Betriebssystem könne Microsoft, zumindest was Windows angeht, einpacken .
Natürlich wollen Silver und MacDonald keinen frühzeitigen Abgesang auf die Computerfirma anstimmen. Vielmehr ruft ihr Vortrag "Windows Is Collapsing: How What Comes Next Will Improve" zum Umdenken auf: Nutzer wollen (angeblich) keinen Softwareboliden, sondern ein kleines Windows, das auch auf billigeren und energiesparenden Geräten läuft. Die Zukunft gehört Software, der es schlicht egal ist, auf welchem Betriebssystem sie läuft: Mozillas Firefox oder Suns Open Office funktioniert problemlos mit einer Vielzahl Betriebssysteme, darunter Windows, Linux und Mac OS X.
Was also soll Microsoft tun? Ein wichtiger Vorschlag der Analysten: Virtualisierung. Damit meint man die Trennung von Betriebssystem und Anwendersoftware von der Hardware. Für das Betriebssystem ist eine spezielle Hardware dann nur mehr Rechenkraft und Speichervermögen. Softwareentwickler müssten sich nicht mehr mit veralteter oder zu neuer Hardware herumschlagen. Durch Virtualisierung könnten sie den Programmen vorgaukeln, es mit bekannter Hardware zu tun zu haben. Für Microsoft würde das vor allem bedeuten, einen Haufen Ballast loszuwerden, schneller und sicherer entwickeln zu können und letztlich so etwas wie das Windows-Vista-Debakel zu vermeiden, so die Analysten.
Erwachsenenbildung: Kinder bringen Eltern ins Netz
Zeit, ins Netz zu gehen! Wer Kinder hat, so will eine Telefonumfrage der European Interactive Advertising Association (EIAA) herausgefunden haben, geht öfter ins Internet. 7008 europäische Telefonanschlussinhaber wurden zu ihrem Internetverhalten befragt, etwa 1000 davon kamen aus Deutschland. Den größten Anteil der Internetnutzer (73%) machen Menschen mit Kind im Haushalt aus, nur etwa die Hälfte der Kinderlosen geht ins Netz. Wer den Nachwuchs um sich herumwuseln hat, gehe außerdem vielfältigeren digitalen Aktivitäten nach: Möglicherweise dank der Kinder gibt es in vielen Haushalten eine Spielkonsole (39% mit, 18% ohne Kinder), ein MP3-Player (60% mit, 37% ohne Kinder) oder eine Digitalkamera (48% mit, 39% ohne Kinder).
Seit der letztjährigen Umfrage habe sich die Zahl der Eltern mit Kind im Haus, die Filme, Fernsehen oder Videoclips im Netz anschauen, auf 28% Prozent vervierfacht. Nur knapp ein Fünftel der Deutschen Eltern lädt Musik aus dem Netz, im Europaschnitt ist es ein Drittel. Wer ein Kind im Haushalt hat, hat außerdem mit größerer Wahrscheinlichkeit auch ein Mobiltelefon oder PDA und benutzt mehr Handy-Funktionen als die Kinderlosen. Mehr als die Hälfte der Eltern hat bereits ein Foto oder Video mit dem Handy aufgenommen (nur 37% der ohne Kinder), 12 Prozent haben das Web besucht und 8 Prozent ein Video auf ihrem Mobiltelefon auch angeschaut.
Mit dieser Umfrage will die EIAA zeigen, dass Familienbelange das Surfverhalten beeinflussen. Leider steht nur die Zusammenfassung der Umfrage online. Somit lassen sich all die so offensichtlichen Probleme und Fragen nicht überprüfen. Zum Beispiel: Wie alt waren die Befragten, und wurde berücksichtigt, dass Eltern im Seniorenalter statistisch deutlich weniger im Netz sind, als Eltern in der ersten Lebenshälfte? Die Ergebnisse sind also mit reichlich Vorsicht zu genießen. Wenn sie auch noch eine Interpretation offen lassen: Kann es sein, dass die Kinder ganz direkt ihre Eltern ins Netz bringen, indem sie ihnen erklären und zeigen, wie dieses moderne Ding, von dem ja jeder redet, eigentlich überhaupt funktioniert ?
Filesharing: EU-Parlament gegen Internetsperren
Soll Filesharern der Internetzugang gekappt werden? In Frankreich wird so ein Vorhaben gerade geplant, in England diskutiert: Wer dreimal beim Dateitausch ertappt wird, fliegt aus dem Netz. Jetzt hat sich das EU-Parlament für seine Entschließung zur europäischen Kulturwirtschaft mit knapper Mehrheit gegen so eine Sperrung nach Urheberrechtsverletzungen ausgesprochen. Der entsprechende Änderungsantrag kam laut ORF Futurezone in zwei Teilen zur Abstimmung : Der erste ruft die Kommission und Mitgliedsstaaten dazu auf, das Internet als "Plattform für kulturelle Ausdrucksmöglichkeiten, Zugang zu Wissen und demokratische Teilhabe an der europäischen Kreativität" anzuerkennen. Sie sollen Maßnahmen unterlassen, die unter anderem im "Widerspruch zu den bürgerlichen Freiheiten und den Menschenrechten stehen." Dieser Anerkennung des Internets als bestimmendes gesellschaftliches Element stimmten 575 EU-Parlamentarier zu. Knapper fiel der zweite Antrag aus, der konkret die "Unterbrechung des Internetzugangs" ablehnt. Nur 314 nahmen den Änderungsantrag an, 297 stimmten dagegen, 14 enthielten sich der Stimme.
Der angenommene Bericht hat zwar keine gesetzgebende Wirkung, kann aber als Leitlinie für zukünftige Entscheidungen angesehen werden. Mehr zu den Hintergründen und der Lobbyarbeit der Bürgerrechtsbewegung Electronic Frontier Foundation bei Heise.de.
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