Netzwelt-Ticker Wo der Indianer roamt
Indianische Roaminggebühren
Wie der kanadische Rundfunk auf seiner Internetseite berichtet , hat die Versammlung der Chiefs der First Nations aus Manitoba kürzlich beschlossen, künftig vom Mobilfunkbetreiber der kanadischen Provinz Gebühren zu verlangen für jedes Handygespräch, das über "Indianerland" geleitet wird. Nur weil es noch keinen Präzedenzfall gegeben habe, sei die Forderung nicht unrichtig, wird Chief Ovide Mercredi von der Grand Rapids First Nation zitiert.
Dass diese "einzigartige" Forderung erfolgreich sein könnte, hält Professorin Hunter von der Uni Saskatschewan durchaus für möglich; vor allem wenn sich weitere First Nations anschließen und den Druck vergrößern. Der besagte Mobilfunkbetreiber Manitoba Telecom Services habe sich vorerst nicht dazu äußern wollen, heißt es im Web.
Wortfindungschwierigkeiten
Sie kennen das: man möchte auf einer Webseite seinen Senf dazugeben oder einen Katalog bestellen und muss erst einmal ein Stück verschwommenen Text von einem Bildchen abtippen, nur um sich als Lebewesen zu identifizieren und nicht als Spam-Roboter.
60 Millionen mal am Tag soll so ein Authentifizierungsvorgang webweit abgefragt werden, insgesamt 150.000 Stunden Onlinezeit gehen dabei flöten. Währenddessen könnte man mehrere Regalmeter Bücher abtippen. Und das soll man künftig auch, wenn es nach dem "reCAPTCHA"-Leuten geht, amerikanische Forscher, über die ORF-Futurzone berichtet .
CAPTCHA nennt sich die besagte Anmeldeabfrage. Die Abkürzung bedeutet auf Deutsch etwa "Automatischer öffentlicher Turing-Test zur Unterscheidung von Computern und Menschen". Das Forschungsprojekt reCAPTCHA an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburg, Pennsylvania, will nun dafür sorgen, dass nicht mehr nur sinnloses Gebrabbel aus zufällig erzeugten Buchstabenkombinationen, sondern unleserliche Stellen von eingescannten Buchseiten "rekapituliert", sprich: erneut eingetippt werden.
Denn ausgebleichtes oder beschädigtes Papier kann Texterkennungs-Software an manchen Stellen in die Knie zwingen das "Internet Archive", das derzeit rund 12.000 Bücher pro Monat zu digitalisieren versucht, kann davon ein Lied singen. Und es könnte deshalb auch die entsprechend unleserlichen Schnipsel liefern, die in einzelne CAPTCHAs unterteilt für besagte Anmeldevorgänge im Netz genutzt werden sollen. Sie dürfen kostenlos auf der eigenen Webseite verwendet werden, die nötigen Code-Schnipsel dazu erhält man nach Anmeldung auf der Projekt-Seite .
Gegen die Wand
Die beiden Linux-Enthuasiasten Bob Moore und Ken Starks wollten mit dem Rennwagen "Tux 500", der am vergangenen Wochenende tatsächlich am berühmten Autorennen von Indianapolis teilgenommen hat, für etwas Publicity für das Open-Source-Betriebssystem sorgen. Zwecks Finanzierung sammelten sie übers Internet immerhin 18.308,90 US-Dollar ein . Der blaue Tux-Racer wurde leider Letzter, denn der brasilianische Fahrer Roberto Moreno setzte ihn in Runde 37 (von insgesamt 200) gegen die Wand. Ein extra trockener Leserkommentar zum Bericht dazu auf Cnet : "It's real hard to get good drivers for Linux hardware" knifflig zu übersetzen, denn Driver steht hier sowohl für den Fahrer wie auch generell für (Software)Treiber.
Ihren Namen, bitte
Seit gestern verkauft Apple wie berichtet einen Teil seiner iTunes-Musikdateien zwar ohne eingebauten Kopierschutz, aber weiterhin mit einer versteckt enthaltenen Benutzerkennung, wie wir nun bei Arstechnica erfahren durften .
Zur Info: Wer online Musikstücke in Apples Musikladen kauft, hat sich dort mit einer sogenannten Apple-ID angemeldet. Diese Kennung wurde bislang in die Kaufmusik hinein kopiert; vermutlich, um die Nutzungsbeschränkungen durch den Kopierschutz durchsetzen zu können, nach der ein mit einem solchen Rechtemanagement versetzter iTunes-Song auf immerhin bis zu fünf Rechnern angehört werden darf.
Prinzipiell kann Apple Dank solch versteckter Kundeninfos also stets auch ganz leicht verfolgen, wer welche Musik für wie viele seiner Kumpels eingekauft hat. Eine Möglichkeit der Datenerhebung, auf die man wohl nicht verzichten mag. Wozu sonst sollte die Käufer-ID in einer Datei enthalten sein, die ausdrücklich nicht kopiergeschützt und deshalb sogar um einiges teurer als ihr darin weiter beschänkter Zwilling gewesen ist?
Alles was Recht ist
Das Usenet ist ein etwas aus der Mode gekommenes Computernetz, das nichts mit dem World Wide Web gemein hat, sogar viel älter ist. Es handelt sich um eine mehr oder weniger einleuchtend sortierte Liste von über 60.000 Foren, in die alle Welt hineinschreibt, was dann alle anderen lesen sollen. Anders als etwa das World Wide Web ist das Usenet nicht statisch es rollt. Irgendwie.
Denn sämtliche Beiträge werden von Newsserver zu Newsserver weiter kopiert, bis man sie nach wenigen Tagen oder manchmal auch Wochen aus Platzgründen wieder zu löschen beginnt.
Interessant ist deshalb, zu welch unterschiedlichen Rechtsauffassungen deutsche Gerichte bei diesem Datendienst gelangen: in Düsseldorf wurde ein Provider nun dazu verdonnert, "seine" Usenetforen künftig händisch zu säubern, um bei Strafe sicherzustellen, dass das Stück "Mitternacht" der Sängerin "LaFee" nicht mehr als illegale MP3-Datei aus dem Usenet zu beziehen ist. Heise.de: "Auf die Ausführungen des Landgerichts München I, das unlängst in einem ähnlich gelagerten Fall entschieden hatte, dass eine Sperre solcher Angebote im Usenet nicht effektiv und eine händische Entfernung nicht verhältnismäßig sei, ging das Landgericht Düsseldorf nicht ein."