Netzwelt-Ticker: Yahoo macht den Boss - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Yahoo macht den Boss

Yahoo macht einen auf Google und bietet jetzt auch einen kostenlosen Suchbaukasten für andere Websites an. Ob das dem angeschlagenen Netzdienstleister noch helfen wird? Außerdem: Der falsche Steve Jobs gibt auf, und ein deutsches Gericht stellt fest, dass Knackis nicht mit Konsolen spielen dürfen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer hätte gedacht, dass Associated Press auch mal ein bisschen böse sein kann:  Nachdem Yahoo weit hinter Google zurückgefallen ist, praktisch "nur noch ein Übernahmekandidat" ist, versucht das Unternehmen nun die Kreativität anderer Web-Entwickler anzuzapfen. Um unabhängig zu bleiben und im lukrativen Suchmaschinen-Werbemarkt Boden gutzumachen. Anderer Leute Kreativität anzuzapfen, das heißt im Internetsprech: Wir öffnen uns. Heute, am Donnerstag, stellt Yahoo das neue Website-Werkzeug "Build Your Own Search", kurz BOSS vor. Mit ihm soll jeder Website-Betreiber eine eigens zusammengeschusterte Yahoo-Suche bei sich einbinden können . Im Gegenzug blendet der Boss aber nicht nur Suchtreffer, sondern auch Werbung auf der eigenen Seite ein. Für die Zukunft behält sich Yahoo vor, die kooperierenden Website-Betreiber an den Werbeeinkünften zu beteiligen.

Bei AP aber ist man nicht so sicher, dass sich der neue Service schnell genug auszahlt - bevor die Yahoo-Aktionäre meutern und den Netz-Dienstleister in die fürsorglichen Hände Microsofts legen ...

Falscher Steve Jobs gibt auf

Zwei Jahre lang gab sich Daniel Lyons als Apple-Boss Steve Jobs aus - bloggte Geheimes, Triviales, Verblüffendes aus Cupertino. Doch damit ist nun Schluss, der Fake Steve Jobs verabschiedet sich und "segelt davon" . Lyons sagte der "New York Times", er sei seines Alter Egos überdrüssig   - und er wolle auch keine Scherze über echte Leute mit einem möglichen Gesundheitsproblem machen. Grund waren die Gerüchte über die plötzliche Magerkeit Steve Jobs. Lyons habe es bereits mit anderen Figuren probiert, zum Beispiel die eines Fake Jerry Yangs, also einer illegalen Kopie des Yahoo-Mitbegründers. "Aber das hat einfach nicht geklappt." Zumal die Leute entweder Fake Steve wollen - oder nichts. Oder das "Geheime Tagebuch des Steve Jobs", das Lyons seit einer Woche verkauft ...

Last.fm zahlt Künstler aus - böse Worte von Merlin

Der Musikdienst Last.fm beteiligt rückwirkend zum 1. Juli Künstler, die ihre Musik auf die Seite hochladen, an Werbeeinnahmen. Das Artist Royalty Program (Künstlertantiemen-Programm) ermöglicht damit auch Künstlern, die keinen Plattenvertrag haben, mit ihrer Musik Geld zu verdienen - wenn sie denn im Musik-Stream oder im Webradio abgespielt werden.

Das Last.fm-Blog nennt das "einen großen Tag für unabhängige Künstler" - die Indie-Label-Vertretung Merlin sieht das weniger rosig: Last.fm habe bis zu diesem Zeitpunkt illegal mit unabhängigen Künstlern Geld gemacht, eine Wiedergutmachung sei nicht in Aussicht. Verhandlungen über nicht-exklusive Blankolizenzen und eine außergerichtliche Einigung wurden abgewürgt, so ein nicht genannter Merlin-Vertreter zu Mashable.com . Merlin ist ein Zusammenschluss von mehr als 12.000 Indie-Labels, die gemeinsam ihre Rechte im Internet durchsetzen wollen . Ein Vorwurf: Viele Websites machen viel Geld gerade mit Indie-Künstlern, ohne dass diese jemals etwas von diesem Geld sehen. Bei Mashable hat sich nun eine interessante Diskussion entsponnen, ob der Fall Merlin vs Last.fm die alte Zankerei "Alte Plattenfirma" versus "Neues Internet" aufwärmt. Nur diesmal mit den Indie-Plattenlabels, also eigentlich "Den Guten" auf der Seite der Altbackenen.

Weder Last.fm noch Merlin konnten sich bis Artikelabgabe zu den Vorhaben und Vorwürfen äußern.

( Last.fm ist ein Kooperationspartner von Spiegel Online)

Hackangriff aufs Internet: Die Reaktionen

Da surft man gemütlich durchs Netz und dann schrecken einen Nachrichten wie diese auf: Existentielle Gefahr für das Internet, im DNS-System, das die Datenströme durch das Netz leitet, gab es eine klaffende Lücke. Die sei laut "The Register" schon seit drei Jahren bekannt . Ein Student habe in einem Paper auf sie aufmerksam gemacht . Trotzdem müsse man einem gewissen Dan Kaminsky danken: Der habe öffentlichkeitswirksam auf das Schlupfloch aufmerksam gemacht - und letztlich erreicht, dass viele Internetdienstleister nun ihre Server reparieren. Heise.de geht den Wartungsarbeiten in Deutschland nach .

Keine Konsolen im Knast

Zocken im Knast? Geht nicht: Das Oberlandesgericht Frankfurt hat in einem heute veröffentlichten Beschluss entschieden, dass Strafgefangene keinen Anspruch auf elektronische Spielkonsolen in ihren Zellen haben. Die Nachrichtenagentur dpa: Nach Auffassung der Richter gefährdeten die Konsolen die Sicherheit und Ordnung in der Haftanstalt.

Neugieriges Stirnrunzeln unter Spielern: Geht's hier etwa wieder um die leidige Gewalt-und-Spiele-Debatte? Ausnahmsweise nicht. Vielmehr sehen die Richter eine Gefahr in der "missbräuchlichen Speicherung sicherheitsrelevanter Daten, die über das Internet mit Außenstehenden ausgetauscht werden können" (Az.: 3 Ws 279/08). Mal ganz außen vor gelassen, dass eine Spielkonsole sich ja nicht gerade wundersamerweise über magische Luft mit dem Internet verbinden kann: In der Rechtssprechung sei es anerkannt, dass Strafgefangenen grundsätzlich kein Computer ausgehändigt werden dürfe. Dieses Verbot lasse sich ohne weiteres auf die modernen Spielekonsolen übertragen. Denn sowohl die Hard- als auch die Software könnten durchaus so manipuliert werden, dass die Sicherheit in der Haftanstalt nicht mehr garantiert sei. Aha! Es geht darum, sicherheitsrelevante Daten auf einer Speicherkarte zu verstecken und diese dann in hohem Bogen über die Gefängnismauern zu werfen. Von drinnen nach draußen, von draußen nach drinnen. Die Freiheit der Bits und Bytes, die Fritz und Heinz verwehrt bleibt.