Netzwelt-Ticker YouTubes neue Fernsehexperimente
Youtube auf dem Fernseher: "Leanback" als abendfüllendes Programm aus Häppchen?
Foto: SPIEGEL ONLINEIn Vorbereitung auf das im Herbst startende Google-TV-Projekt experimentieren die YouTube-Programmierer mit neuen Videofunktionen. Ganz neu: YouTube Leanback , das einen endlosen Strom von YouTube-Videos abspielt, ohne dass der Zuschauer eingreifen müsste. Einmal gestartet, spielt Leanback Videos ab, die dem Zuschauer gefallen müssten: seine Video-Abos und Clip-Empfehlungen der Freunde. Darüber hinaus will Leanback anhand der "Einstellungen und Vorlieben" der (mit einem Google-Konto angemeldeten) Zuschauer selbst herausfinden können, was der Zuschauer sehen will. Leanback spielt darüber hinaus Clips aus dem YouTube-Videoverleih und aus den YouTube-Kategorien, zum Beispiel "Comedy", "Autos & Fahrzeuge" und "Wissenschaft & Technik" ab.
Joseph Tartakoff vom Paidcontent-Blog hat Leanback ausprobiert . So ganz scheint er nicht davon überzeugt zu sein, dass Leanback "so einfach ist, wie Fernsehen zu schauen", wie es in der YouTube-Produktbeschreibung heißt. Bei ihm sprang Leanback von Musikvideos zu IT-Interviews, bis Tartakoff den Aus-Knopf drückte.
Trotzdem: Wenn im Herbst dieses Jahres TV-Programme und Web-Dienste in Google TV verschmelzen sollen, wird YouTube Leanback eine wichtige Rolle spielen. Es verspricht mit nur einem Klick zu funktionieren - Fummelei und Langsamkeit waren bisher das Todesurteil aller Versuche, Internet und Fernsehen zu verschmelzen.
Und für Google bietet YouTube Leanback einen unschätzbaren Vorteil: Ein angemeldeter und damit eindeutig identifizierbarer Google-Kunde schaut fern, seine Vorlieben und sein Sehverhalten werden transparent. Wie lange er schaut, welche Clips er gern und welche weniger oft schaut, wann er besonders empfänglich ist für Werbe-Einblendungen und weiterführende Angebote. Google TV könnte das Fernsehen ein wenig umwälzen, in dem es den Fernseh-Werbemarkt aufwühlt. Googles Argument - sollten irgendwann nennenswert viele Leute Google TV schauen! - ist klar: Wir wissen im Gegensatz zum klassischen Fernsehen genau, wie unsere Werbung wirkt.
HTML-5-Runderneuerung für YouTube
Aber Leanback ist nicht die einzige Neuerung bei YouTube. M.youtube.com , die Mobil-Website des Videoportals, ist jetzt komplett in HTML5 programmiert, zeigt Videos auch ohne Flash-Plugin. Für iPhone-Käufer etwa bedeutet das, dass sie Videos direkt im Browser öffnen können (funktioniert nicht mit Opera Mini) statt in die YouTube-App wechseln zu müssen. Aber das neue Mobil-Angebot ist auch in anderen Punkten seinem App-Vorgänger überlegen: Videos laden viel schneller, können auch in HD-Qualität abgespielt werden, es gibt insgesamt viel mehr Funktionen. Das Mac-Blog 9to5mac hofft nun darauf, dass die "native" YouTube-App, die auf Apples iPhone vorinstalliert ist, bald ein entsprechendes Update erfährt .
Wikileaks-Enthüllung: Ein Krieg der Nerds?
Das US-Lästerblog Valleywag will einen "Krieg der Nerds" ausgemacht haben, der im Zuge der Anklage eines angeblichen Wikileaks-Informant wegen Verrat militärischer Geheimnisse entbrannt ist. Auf der einen Seite des (sehr nebligen) Schlachtfeldes: Team Lamo, auf der anderen Team Wikileaks. Es geht zum einen um die Frage, ob Adrian Lamo, ein ehemaliger Hacker, richtig gehandelt hat, als er den 22-jährigen Soldaten Bradley M. verpetzte. M. soll unter anderem das "Collateral Murder"-Video von einem umstrittenen Einsatz der US-Armee im Irak via Wikileaks in Umlauf gebracht haben. Aber es geht noch um viel mehr, vor allem um vielfältig ineinander verwobene Verschwörungstheorien. Lamos Zusammenarbeit mit dem Wired-Autoren Kevin Poulsen und dessen Wikileaks-kritischen Artikel, etwa. Und um Lamos massive Eigen-PR, seine Profilierungssucht, schon Thema diverser Artikel. Auch im Krieg um die Wahrheit, könnte man bei all dem Buhei meinen, stirbt die Wahrheit zuerst.
Aber tobt da wirklich ein "Krieg der Nerds"? Liest man die Statements, die Kommentare und Presseberichte, erscheint das eher als paranoide Schlammschlacht unter dem Deckmantel eines moralischen Dilemmas.
Geheimnisse im Wappen des Cyber Command
Apropos Verschwörungstheorien: Wired.com hat einen Geheimcode im Wappen des gerade neu eingerichteten "Cyberspace Kommando" des US-Verteidigungsministeriums gefunden. Zwischen Schriftzug, Adler und Globus steht dort: 9ec4c12949a4f31474f299058ce2b22a - angeblich das Motto der Einheit.
Im "Danger Room"-Blog bei Wired.com hat die Entschlüsselung schon begonnen, die Vermutungen und möglichen Übersetzungen reichen von großem Blödsinn ("Heil dem Echsenkönig") zu vielen, nur schwer nachvollziehbaren aber ernstgemeinten Lösungen. Am Ende wird's die trivialste Lösung sein: Ein MD5-Hash des langen Mission Statements der Einheit
NASAs Avatar im Mond
Statt endlich mal wieder auf dem Mond zu langen, hat die amerikanische Weltraumagentur NASA lieber ein aufwendiges Computerspiel veröffentlicht, in dem der Spieler die Rolle eines Mondforschers einnimmt . Allein oder im Multiplayer-Team gilt es, eine Mondbasis wieder auf Vordermann zu bringen. Dem Spieler helfen sollen eine "interaktive Leitstelle, ein Mondfahrzeug, eine mobile Reparaturstation und ein voll ausgestatteter Geräteschuppen." Das kostenlose Spiel kann über die Online-Plattform Steam heruntergeladen werden.
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