Netzwelt-Ticker: Zank um SMS-Zensur - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Zank um SMS-Zensur

Darf man SMS anders behandeln als Sprachtelefonate? Diese Frage muss T-Mobile in den USA klären. Außerdem: Bing lockt Nutzer mit Belohnung, britischer Ratsherr darf keine Clips von Ratssitzungen online stellen. Das und mehr im Überblick.
SMS-Kurznachricht (Symbolfoto): Darf ein Netzbetreiber missliebige SMS-Texte blockieren?
SMS-Kurznachricht (Symbolfoto): Darf ein Netzbetreiber missliebige SMS-Texte blockieren?

SMS-Kurznachricht (Symbolfoto): Darf ein Netzbetreiber missliebige SMS-Texte blockieren?

Foto: Frank Leonhardt/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In den USA werden Zensurvorwürfe gegen den amerikanischen Ableger von T-Mobile erhoben. Der Telko hat einige Kurznachrichten, die der SMS-Vermarkter Ez Texting auf den Weg bringt, an ihrer Weiterverbreitung gehindert. Einer der Ez-Texting-Kunden ist ein Anbieter von medizinischem Marihuana mit Namen WeedMaps.com. Interessenten konnten diesem eine SMS schicken und erhielten als Antwort eine Liste der nächstgelegenen Marihuana-Zentren. Vor einigen Tagen begann T-Mobile die Zustellung dieser Info-Häppchen einzustellen, doch seit dem 10. September ist der komplette SMS-Verkehr von und zu Ez Texting stillgelegt. Womit die Vermutung, der Telko wolle seine Kundschaft nur vor möglicherweise gefährlichem Drogenkonsum schützen, hinfällig ist.

Ez Texting hat inzwischen Klage gegen das verordnete Schweigen angestrengt. Das Unternehmen sieht sich in seiner Existenz bedroht. Knackpunkt der T-Mobile-Maßnahme sind die unterschiedlichen Rechtsgrundlagen für Telefonate und SMS-Nachrichten. Erstere müssen grundsätzlich, immer und ohne Einschränkung durchgelassen werden. Bei SMS sehe das ganz anders aus, argumentiert der Konzern, da bedürfe es jeweils gesonderter Vereinbarungen, welche Inhalte zugelassen seien. Das gelte erst recht für Reklame- und Marketing-Aktionen, und genau hierfür habe Ez Texting versäumt, mit T-Mobile eine Übereinkunft zu erzielen. Für T-Mobile sei es deshalb nur logisch, dass neben dem Dope-Dienst außerdem auch noch Angebote von Partyservices oder Kirchen blockiert würden, berichtet "Cnet" .

Britischer Stadtratsabgeordneter stellt Sitzungen bei YouTube ein - und kassiert Raubkopierer-Knöllchen

Computer und Smartphones am Arbeitsplatz sind eine Selbstverständlichkeit, auch für Politiker. Das dachte sich Jason Kitcat, Mitglied des Stadtrats im südenglischen Badestädtchen Brighton, und filmte einige Ratssitzungen per Camcorder. Seine Clips bot er auf YouTube der Allgemeinheit dar, was beim Stadtrat nicht auf besondere Gegenliebe traf.

Kitcats Versuch, den Stadtrat dadurch politisch verantwortlich zu machen, indem er auf das hinweise, was aus seiner Sicht Mängel der Verwaltung sind, sei nicht zulässig, so der Rat laut "Boinboing" . Nicht etwa aus inhaltlichen oder politischen Erwägungen, oh nein. Kitcat verwende unrechtmäßig das geistige Eigentum des Stadtrats. Dabei gehe es nicht um die Unterdrückung der Meinungsfreiheit, sondern den ungerechtfertigten Gebrauch städtischer Ressourcen. Klar.

Bing will Nutzer mit Prämien locken

Der Anteil der Websurfer, die ihre Neugierde anstatt von Google von Bing befriedigen lassen, ist mit gut drei Prozent nicht so sehr in die Höhe geschnellt, wie man sich das beim Bing-Betreiber Microsoft vorgestellt hat. Also soll dem Erfolg jetzt ein bisschen nachgeholfen werden, mit "Bing Rewards". Diese Bing-Belohnungen funktionieren folgendermaßen: Jedes Mal, wenn ein Nutzer Bing zu seiner Standard-Suchmaschine macht oder sich in seinen Windows-Life-Profil einwählt, gibt's Punkte. Hat der User deren genügend gesammelt, kann er zwischen Prämien, Geschenkgutscheinen oder - Bill Gates lässt grüßen - einer Spende für einen guten Zweck wählen.

Als Startpaket erhält jeder Teilnehmer 250 Punkte. 1100 Punkte sind einen ein Gigabyte großen USB-Stick wert, für 3500 bekommt man den Film "Date Night" auf DVD. Derzeit ist das Ganze noch in der Beta-Phase, die Tests sollen sich über die kommenden zwölf Monate erstrecken. Wer mitmachen will, braucht  einen Windows-Rechner, eine Windows-Live-ID, eine im Internet Explorer installierte Bing-Toolbar und eine Adresse in den USA. Denn die Prämien werden nur innerhalb der Vereinigten Staaten ausgeliefert.

Erstes Demo-Video vom HP Slate

Auf YouTube ist ein Clip aufgetaucht, der angeblich einen Prototyp von HPs neuem Tablet-Rechner Slate in Aktion zeigt. Dabei kann der Betrachter dem Gerät zusehen, wie es versucht, Windows 7 als Betriebssystem zu booten. Das Ergebnis ist eher mittelprächtig, immerhin hat der Plattrechner den Bootvorgang nach 30 Sekunden gestemmt. Klingt nach wenig, ist aber im Vergleich zu den 15 Sekunden, die ein iPad zum Start benötigt, immer noch recht langsam. Außerdem scheint Windows 7 nicht gerade das optimale Betriebssystem zu sein, um mit Fingertechnik auf einem Touchscreen zu navigieren.

Was nicht zuletzt die einblendbare, virtuelle Tastatur zeigt: Fast zwei Drittel des Bildschirms werden davon ausgefüllt. Für "Neowin"  steht fest: "Es ist von Anfang an klar, dass Windows 7 für ein Gerät wie das Slate ungeeignet ist." Gut, dass HP vor Monaten den Handy-Hersteller Palm aufgekauft und längst beschlossen hat, dessen webOS als bevorzugte Basis für HP-Tablets zu nutzen.

BSI weist CCC-Bedenken zum E-Personalausweis zurück

Heftige Kritik müssen sich die Macher des elektronischen Personalausweises gefallen lassen. Zu teuer und nicht sicher, lauten die Vorwürfe. Der Chaos Computer Club (CCC) hat demonstriert, wie leicht die Verschlüsselungsmechanismen ausgehebelt werden können. Das alles ficht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nicht an. Im Gegenteil, das BSI weist die Bedenken zurück. Der Schwachpunkt, die Angreifbarkeit des mit einem ganz normalen Computer verbundenen Lesegerätes, bestehe ja nur für einige Augenblicke. Anwender müssten eben durch stets aktualisierte Virenscanner und Firewalls für die Sicherheit ihrer Rechner  sorgen.

Dieses Schwarzer-Peter-Prinzip wirkte auf den CCC ebenso wenig überzeugend wie die Feststellung von Innenminister de Maiziére  in der "Tagesschau": "Irgendwelche Hacker mögen immer irgendwas hacken können, aber die Zuverlässigkeit und Sicherheit des neuen Personalausweises steht nicht in Frage." Scherzhaft gab es dazu als Antwort den Kommentar: "Was die da rauchen, hätten wir auch gern mal", von CCC-Sprecher Engling . In seiner Replik bewies das BSI immerhin Humor. Amtssprecher Matthias Gärtner  reagierte mit dem Hinweis, "dass in Gebäuden der Bundesverwaltung - und somit auch im BSI - Rauchverbot besteht, so dass wir dem (...) Wunsch des Chaos Computer Clubs nicht entsprechen können." Gut pariert!

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