Neue Domains: Icann gibt den Weg frei - DER SPIEGEL
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Neue Domains Icann gibt den Weg frei

Es ist so weit: Icann hat die ersten zwei Registrars benannt, die ab Oktober Internetadressen mit den neuen Top-Level-Domains "biz" und "info" vergeben werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit der Einführung neuer Top-Level-Domains (TLDs) will Icann die zunehmende Enge im internationalen Namensraum ein wenig lindern.

Ein wenig - denn lösen wird man das Problem so kaum. Das Internet-Straßenverkehrsamt Icann gewährt den Inhabern von Markenrechten Vorfahrt und erlaubt ihnen die Vorab-Registrierung von Domains bereits bis zum 9. Juli - angeblich, um das Domain-Grabbing in Grenzen zu halten.

Damit dürfte der Icann durch bürokratische Weichenstellung das gelungen sein, was Kritiker von Anfang an befürchteten: Die Verdoppelung der bestehenden Strukturen. Jeder Inhaber einer "com"-Adresse, der es ernst meint, wird sich nun auch die "biz"-Adresse dazu besorgen. Damit bleibt alles beim Alten - Icann hat zwar für mehr Platz gesorgt, doch der bleibt von sehr eingeschränktem Nutzwert. Bei mehreren Bewerbern für eine Domain soll im Zweifel das Los entscheiden, wer die Webadresse erhält.

"biz" und "info" sind zwei der insgesamt sieben neuen Top-Level-Domains, auf die Icann sich im Herbst letzten Jahres hatte einigen können. Etwas sinnvoller als die ersten beiden erscheint die Einführung eines Teils der fünf anderen Adressen, weil beispielsweise "Cola.com" mit Sicherheit zwar eine Ergänzung durch "Cola.biz" und "Cola.info" erfahren wird, so schnell aber keine durch "Cola.aero" - da müssten die Brausemischer erst eine Fluggesellschaft eröffnen.

Auch die Entscheidung über die noch ausstehenden neuen Domains "coop", "museum", "name" und "pro" soll im Laufe der nächsten Woche fallen.

Damit wäre zumindest der erste Schwung durch.

Icann-Kritiker hoffen nun darauf, dass in einer nächsten Runde von neuen Top-Level-Domains auch einige der wirklich sinnvollen Vorschläge gehört werden. Insbesondere die Entscheidung für "biz" als obsolete Doppelstruktur zu "com" war heftig kritisiert worden. Vorschläge, die Schmuddelecken des Webs durch eine klare Kennzeichnung auszugrenzen ("sex", "xxx") wurden von Icann hingegen ignoriert, die Chance, durch eine "Kinder-Domain" einen Schutzraum für Minderjährige zu schaffen, vertan.

Nicht umsonst war dagegen die Teilnahme am Vorschlagsverfahren im letzten Herbst. 50.000 Dollar durfte berappen, wer einen Vorschlag einbringen wollte. Über 200 Vorschläge gingen ein, sieben wurden ausgewählt. Die Art und Weise, wie das geschah, brachte Icann im Frühjahr 2001 ein Senats-Hearing ein. Der Organisation wird mangelnde Transparenz vorgeworfen. Künftig wollen die amerikanischen Behörden stärker überwachen.