Werbefilter Neue Vorwürfe gegen Adblock Plus
Logo von Adblock Plus: Werbeunternehmen zahlen an den Werbefilter
Foto: Andrea Warnecke/ dpaHamburg - Die umstrittene Software Adblock Plus blendet Online-Werbung auf Websites aus. Der deutsche Anbieter des Programms begründet das damit, dass die Online-Reklame viele Kunden nerve. Allerdings lassen die vom Betreiber mitgelieferten Filterlisten standardmäßig durchaus Online-Reklame zu; es gibt eine Liste mit sogenannter "nicht aufdringlicher" Werbung. Offenbar zahlen einige Unternehmen dafür eine Menge Geld an die Adblock-Plus-Macher.
Der deutsche Blogger Sascha Pallenberg behauptet unter Berufung auf "außergewöhnlich gut unterrichtete Kreise", Google habe der Firma "25 Millionen Dollar" für die Freischaltung seiner Werbeanzeigen gezahlt. Laut Pallenberg sollen auch Ebay und Amazon "Millionen" gezahlt haben, auch Yahoo ist Pallenberg zufolge ein Partner der deutschen Filterfirma.
Die Firmen haben Fragen von SPIEGEL ONLINE zu den Vorwürfen bis zur Veröffentlichung nicht beantwortet. Nur Ebay reagiert: Es sei "nie Geld für die Aufnahme von eBay in die 'Acceptable Ads'-Liste" geflossen, es bestehe kein Vertrag zwischen eBay und den Betreibern von Adblock Plus.
Aus dem Umfeld der Firma hinter Adblock Plus heißt es, die von Pallenberg genannten Summen seien komplett falsch. Ein Dementi klingt anders - offenbar fließt manchmal Geld. Das hat das Unternehmen auch nie dementiert. Auf den Seiten von Adblock Plus wird hier angedeutet, dass man für die Administration der Liste von einigen Firmen kassiert.Welche Unternehmen für die Ausnahmen zahlen müssen und welche nicht, sagt Adblock Plus nicht. Die Kölner Firma gibt offen zu, für die Freischaltung zu kassieren. Auf der Website heißt es:
"Die Freischaltung ist für kleinere und mittlere Webseiten und Blogs kostenlos. Jedoch fordert die kontinuierliche Betreuung dieser Listen erheblichen Aufwand unsererseits und diese Aufgabe kann nicht vollständig von Freiwilligen übernommen werden, wie es etwa bei den gewöhnlichen Filterlisten der Fall ist."
Adblock Plus betont, auch die zahlenden Firmen müssten die Richtlinien für unaufdringliche Werbung erfüllen. Wenn man eine Google-Suche nach "Gebrauchtwagen kaufen" mit aktiviertem Adblock Plus und freigeschalteter "unaufdringlicher Werbung" startet, nehmen Anzeigen etwa drei Viertel der Seite mit den Suchergebnissen ein. Gelb hinterlegte Anzeigen über den Suchtreffern, eine Reihe von Anzeigen rechts daneben, gerade einmal vier echte Suchtreffer passen auf die erste Bildschirmseite auf einem Monitor mit immerhin 1280 x 1024 Pixeln Auflösung. Das ist laut den Adblock-Plus-Regeln zulässig.