Neue Strategie PC mit Pressplay
Zwei Jahre lang stand sich die Musikindustrie leise wimmernd selbst auf den Füßen, und nun hagelt es plötzlich neue Ideen. Der bisher weitestgehend erfolglose kommerzielle Musik-Abodienst Pressplay versucht es nun mit einer Kooperation, die in dieser Form ihre Vorbilder nur auf dem Betriebssystem- und dem Internet-Access-Markt hat.
Unternehmen wie Microsoft, aber auch wie AOL oder T-Online verdanken ihr starkes Standing vor allen Dingen der Tatsache, dass sie über Kooperationsabkommen mit PC-Herstellern ihre Software huckepack an den Kunden bringen. Die "bündeln" ihre Programme faktisch kostenlos an den Neu-PC und gewähren Kunden Schnupperzeiten - man könnte auch sagen, sie "fixen" sie an. Einmal an Software oder Dienst gewöhnt, so die Hoffnung, sei Otto-Normalkunde viel zu bequem, um sich vergleichend auch mit der Konkurrenz zu beschäftigen.
Auf solche Effekte hofft auch Pressplay, der Online-Musikladen von Universal und Sony. Der machte schon im letzten Monat Schlagzeilen, weil er den Widerstand gegen den Einzelverkauf von Songs auch über Online-Shops aufgab. Das, zeigt sich nun, war aber erst der Anfang.
Und so sieht er aus, der neue Verkaufsweg: In Kooperation mit dem PC-Hersteller Gateway wird Pressplay künftig Musikpäckchen anbieten, die man für einen Fixpreis über eine limitierte Zeit frei nutzen kann. Das sind im äußersten Fall 2000 Songs aus verschiedenen Genres (Pop, Rock, Country, Hip-Hop), die mit 150 Dollar Aufpreis zu Buche schlagen - die 40-GB-Festplatte, auf der sie gespeichert sind, ist inklusive. Bis zu drei Monate lang kann der Kunde zudem Pressplay frei nutzen - und dann fällt der Deckel wieder zu.
Entweder der Kunde zahlt eine monatliche Abo-Gebühr von 9,95 Dollar, oder er verliert nicht nur den Online-Zugang zu den Pressplay-Datenbanken, sondern auch die Nutzungsrechte an den vorinstallierten Songs. Da bliebe ihm dann nur die nackte Platte, doch Pressplay hofft natürlich, mit dieser Dosis Speck endlich Mäuse zu fangen.
Die Markt-Initiativen mit Einzelverkauf und auf diese Weise verschärfte Abo-Werbung gehen einher mit einer Intensivierung des Vorgehens gegen die nach amerikanischem Rechtsverständnis illegal betriebenen P2P-Börsen. In dieser Woche streckte Madster - einst als "Aimster" bekannt - bankrott und auf richterlichen Befehl die Flügel. In Los Angeles begann der Prozess gegen Grokster, KaZaA und Morpheus, wurde aber bis auf weiteres vertagt.