Neues vom IT-Rebellen: Das Xbox-Linux-Project - DER SPIEGEL
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Neues vom IT-Rebellen Das Xbox-Linux-Project

Vor einem halben Jahr machte eine anonyme Ausschreibung Schlagzeilen: 200.000 Dollar sollte der kassieren, der die Xbox Linux-fähig machen könne. Das ist geglückt - und der anonyme Spender outet sich: Hinter der Aktion steht MP3.com-Gründer Michael Robertson.
Von Jochen A. Siegle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nun ist es also raus. Michael Robertson steckt hinter dem im vergangenen Sommer ausgeschriebenen Xbox-Linux-Project und dem Preisgeld von 200.000 US-Dollar - zusammen ergab das den höchst dotierten Wettbewerb, den die Open-Source-Gemeinde bislang gesehen hat. Dafür sollte es gelingen, auf legale Weise das frei verfügbare Betriebssystem Linux auf Microsofts Spielekonsole Xbox zu hieven.

Der umtriebige Kalifornier Robertson, der sich öffentlich damit rühmt, stets "den Status Quo herauszufordern", kann es einfach nicht lassen, dem großen Rivalen aus Redmond auf die Füße zu treten. Seit vergangenem Frühsommer schon versucht Robertson das oft dämonisierte Reich der Computerfenster mit seinem Linux-Derivat Lindows und günstigen Komplett-PC-Systemen zu ärgern. Im November sollte zudem ein eigener Tablet-PC auf Lindows-Basis auf dem von Microsoft ausgelösten PC-Flachmänner-Hype mitschwimmen - wobei es sich bei Robertsons Variante eigentlich mehr um einen "Smart Display" denn einen Tablet-PC handelt.

Wie nun aus der Lindows-Zentrale in San Diego verlautet, hat der 35-Jährige im Juli anonym dazu aufrufen lassen, das Open-Source-Betriebssystem Linux auf der Microsoft-Game-Konsole lauffähig zu machen. Und das angeblich aus rein altruistischen Motiven, um den "freien Zugang zur Technologie zu gewährleisten". Schließlich könne es ja auch nicht angehen, "dass ein Autohersteller seinen Kunden vorschreibt, mit welchem Sprit sie zu fahren haben", so Stifter Robertson. Entsprechend dürfe auch kein Hardware-Produzent vorgeben, mit welcher Software seine Hardware betrieben werden darf.

Vor allem nicht, wenn dieser Hersteller Microsoft heißt und dem Lindows-Chef zufolge versucht, mit der Xbox einen "alarmierenden" Präzedenzfall zu schaffen, indem der "Prozessor unzugänglich" gemacht wird - ergo: die Hardware so modifiziert ist, dass nur lizenzierte Spiele-Software läuft, über die die mächtig subventionierte Xbox-Hardware rückfinanziert werden soll.

Dabei könnte die Game-Konsole aus Redmond, in der dieselben Intel-Prozessoren werkeln wie in konventionellen PCs, theoretisch als vollwertiger Rechner, Server oder günstiger Multimedia-PC im Wohnzimmer verwendet werden. Nur eben ist die Bremse zu lösen, die Bill Gates seiner Daddel-Kiste auferlegt hat.

Das hat im Rahmen des ausgeschriebenen Xbox-Linux-Project nun auch geklappt; das erste Xbox Linux kann über die Website der Initiative gratis heruntergeladen werden. Die erste Hälfte des Preisgeldes geht an verschiedene Hacker, die es bis zum letzten Jahreswechsel geschafft haben, Linux auf der Konsole zum Laufen zu bringen - ganz im Sinne des Open-Source-Gedankens soll der Gewinn geteilt werden.

Es geht weiter: 100.000 Dollar warten noch auf Gewinner

Der zweite Teil der Prämie, der dafür ausgeschrieben war, das Alternativ-OS ohne Modifikationen der Hardware auf die MS-Spaß-Maschine zu schaufeln, wird jedoch noch nicht ausgeschüttet. Vielmehr wird dieser Teil des Wettbewerbs ("Project B") nochmals bis Ende des Jahres verlängert. Bislang konnte nämlich kein Entwickler die Aufgabe lösen, ohne dabei so genannte "Mod Chips" einzusetzen, die nur noch auf dem Graumarkt zu beziehen sind und deren Vertrieb und Verwendung Microsoft mit allen juristischen wie technischen Mitteln zu verhindern sucht.

Dabei juckte Microsoft die Ausschreibung des Xbox Linux Projects letzten Sommer scheinbar nicht die Bohne: In der "Höhle des Pinguins", sprich der letzten LinuxWorld-Konferenz in San Francisco, taten hochrangige Microsoft-Manager wie Peter Houston, Senior Director der Windows Server Product Management Group, die Xbox-Linux-Auslobung als reine Spinnerei ab.

Dieser Microsoft-Kurs nährte zeitweise sogar Spekulationen in der Linux-Community, Fenster-Meister Gates höchstpersönlich würde als heimlicher Spender und Linux-Förderer hinter der Aktion stecken. Wofür es durchaus Argumente zu geben schien: Immerhin ist in der Linux-Fähigkeit der Xbox ein weiteres Verkaufsargument für die hoch defizitäre Spielekonsole zu sehen, die nach wie vor weit hinter dem Erzivalen Playstation 2 von Sony und damit hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Glückwunsch zur Geburtstagsrate

Das Netz feiert mal wieder Geburtstag. Einen kleinen zumindest. Internet-Pionier Vinton Cerf zufolge markierte der vergangene Mittwoch den 20. Geburtstag des Internets. Am 1. Januar 1983 waren erstmals die rund 400 Computer des damals als Arpanet (Advanced Research Project Agency) bezeichneten Netzvorläufers über das Transmission Control Protocol/Internet Protocol (TCP/IP) miteinander verbunden worden. Zuvor waren diese Rechner über den ursprünglichen Kommunikationsstandard NCP (Network Control Protocol) untereinander verknüpft.

Zwanzig Jahre alt wird somit zumindest der von Cerf entwickelte Beitrag zum Internet, was den stolzen TCP-IP-Vater wohl zum einen oder anderen zarten diesbezüglichen Hinweis verleitet haben mag. Cerf, inzwischen als Senior-Vizepräsident für Internet-Architektur und Technologie beim Mega-Telco-Pleitier WorldCom tätig, hatte das TCP/IP-Netzwerkprotokoll, das den Datenaustausch zwischen verschiedenen Rechnern regelt und die Wegfindung ("Routing") übernimmt, ab 1973 mitentwickelt. TCP/IP ist heute die technische Basis für die Vernetzung von Computern, wobei die wichtigste Aufgabe des Protokolls darin besteht, zu übertragende Daten in 64 Kbit große Pakete zu unterteilen und für die zu transportierenden Bündel die jeweils besten Übertragungswege zu finden.

Während Cerf dieses Datum als "Meilenstein" und als eigentliche Geburtsstunde des modernen Internet bezeichnet, gehen andere IT-Chronisten und Web-Historiker davon aus, dass das Netz schon wesentlich älter sei, und zwar 33 Jahre alt. Entsprechend wird in der Literatur und zahlreichen Online-Geschichtsprojekten regelmäßig von 1969 als dem Geburtsjahr des späteren Internet gesprochen.

Am 2. September 1969 hatten erstmals zwei mit einem fünf Meter langen Kabel verbundene Computer an der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) Daten untereinander hin- und hergeschickt. Wenige Wochen später war es gelungen, Datenpakete zwischen der UCLA und den Universitäten Santa Barbara, Utah und Stanford auszutauschen.

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