Niederlande Hass-Rap im Netz
Der blondierte Mann weiß, wie man sich Feinde macht. Geert Wilders ist Vertreter der Ein-Mann-Partei "Groep Wilders" im niederländischen Parlament. Allein ist er, seitdem er vor knapp einem Jahr "im beiderseitigen Einvernehmen" bei seinen früheren Kollegen von der liberalkonservativen Partei (VVD) ausgeschieden ist. Grund für den damaligen Bruderzwist war Wilders' Fundamentalopposition, als seine Fraktion dafür stimmte, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu starten.
"Wenn die Türkei der EU beitritt, treten wir aus", ätzte Wilders im Programm seiner neuen Partei. Solche harschen Töne kamen bei einem großen Teil der niederländischen Bevölkerung gut an: Zwischenzeitlich sahen die Meinungsforscher Wilders bei rund 20 Prozent der Wählerstimmen. Mit seiner landesweiten "TourNEE" machte Wilders auch Front gegen die EU-Verfassung - bekanntermaßen mit Erfolg.
Markige Sprüche und vor allem radikale Kritik am Islam sind die wichtigsten Werkzeuge des Rechtspopulisten. "Der Islam und die Demokratie lassen sich nicht versöhnen", lautet einer seiner Leitsprüche. So lamentiert er, sein Land sei "viel zu lang naiv gewesen und tolerant gegen Menschen, die das nicht verdienen". Islamische Fundamentalisten müssten bei Bedarf auch ohne lange rechtsstaatliche Verfahren abgeschoben werden: mit Hilfe von "Notstandsgesetzen".
Bei solchen Aussagen ist klar: Spätestens seit den Morden am Rechtspopulisten Pim Fortuyn und dem Regisseur Theo van Gogh lebt Wilders gefährlich. Mehrfach wurde er mit dem Tod bedroht - auch und gerade über die vermeintliche Anonymität des Netzes. Zwar wurden mehrere Täter verurteilt, doch trotzdem schützt eine Hand voll Bodyguards Wilders seitdem. Für einige Zeit schlief der Politiker nach eigenem Bekunden sogar in einer Gefängniszelle - zu seiner eigenen Sicherheit.
Seit einigen Tagen kursiert nun ein Hass-Rap im Netz , der erneut den Rechtspopulisten zum Ziel hat. In dem Machwerk drohen die Rapper "Youssef" und "Kamal" damit, Wilders in einem Keller zu fesseln, zu misshandeln - ihm seine markante Frisur "abzusägen"- und schließlich zu töten. Wilders wandte sich mit einer Anzeige an die Behörden.
Die niederländische Abgeordnete Ayaan Hirsi Ali, die Wilders politisch nahe steht, hat ebenfalls bereits Erfahrung mit Hass-Rappern. Auch sie war bereits im Fadenkreuz eines Gewalt-Songs. Doch immerhin wurden die Täter gefasst. Zwei Mitglieder einer Rap-Gruppe, die zur Gewalt gegen Ayaan Hirsi Ali aufgerufen hatten, mussten dafür nach einem entsprechenden Gerichtsbeschluss 150 Sozialstunden leisten.
Vielleicht um Ähnlichem zu entgehen, ruderten die beiden Rapper "Youssef" und "Kamal", die sich Wilders zum Ziel genommen hatten, am Freitag wieder zurück. Der Titel ihres neuen Tracks: "Sorry, Geert Wilders" . Doch Wilders lässt sich davon nicht mehr beeindrucken. Seine Anzeige werde er aufrechterhalten, erklärte er.