Niederlande: Tracking-System findet verurteilte Pädophile - DER SPIEGEL
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Niederlande Tracking-System findet verurteilte Pädophile

Eine holländische Organisation gegen Pädophile will deren Wege über das Internet verfolgbar machen, Justizminister A.H. Korthals die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen. Selbstschutz oder Hexenjagd?
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So etwas kannte man bisher nur aus einigen Staaten der USA: Die Wege verurteilter Pädophiler soll man künftig in der niederländischen Gemeinde Enschede nach ihrer Entlassung über das Web nachvollziehen können. Die holländische Nachrichtenagentur ANP meldet, der Service solle noch in diesem Monat online gehen.

Über die Website sollen besorgte Eltern Informationen darüber einholen können, ob sich ein aus der Haft entlassener Pädophiler in einem gegebenen Umkreis um den eigenen Wohnort niedergelassen hat. Man könne einfach die eigene Adresse eingeben und erhalte eine Rückmeldung darüber, ob im Umkreis von 2,5 Kilometern um die Wohnung registrierte Sexualstraftäter lebten. Über die Website wird man keine konkreten Angaben zu Namen, Adresse und Vorstrafen der entlassenen Täter erhalten. Der Betreiber "STROP", eine "Stiftung für die Registrierung bekannter Pädophiler", rät Eltern dazu, bei der örtlichen Polizei nähere Informationen zu erfragen.

STROP besteht darauf, dass das Web-Angebot nicht zu "Hexenjagden" führen werde. Bei der Etablierung der Website ruft STROP betroffene Eltern zur Mithilfe auf: "Opfer und deren Eltern können uns die gerichtlichen Unterlagen über Sexualstraftäter, die ihnen vorliegen, zufaxen, so dass wir diese dann registrieren können."

Möglich wird dieses Web-Tracking-System erst durch neueste Entwicklungen in der niederländischen Rechtsprechung: Erst am 4. Januar brachte Justizminister A.H. Korthals einen Gesetzentwurf ein, der die Meldung und Registrierung aller Entlassungen von bestraften Pädophilen bei den örtlichen Behörden am Wohnsitz des Entlassenen verlangt.

Die holländische Tageszeitung "De Telegraaf" meldet in ihrer Ausgabe vom Mittwoch, dass der Direktor einer Grundschule in Hengelo am letzten Sonntag wegen Besitz kinderpornografischer Bilder verhaftet wurde. Er habe den Schulcomputer zur Suche danach genutzt, aber keine Kinder belästigt. Die Tageszeitung nennt auch den Namen der Schule - was einer Veröffentlichung des Namens des mutmaßlichen Täters noch vor einer Verurteilung gleichkommt. Zu seiner Identifizierung reicht der Blick ins Telefonbuch von Hengelo.