Nokia N-Gage In den Händen der Hacker
Als einst klobige Schlangen über die Displays der Handys ruckelten, war die mobile Spiele-Welt noch in Ordnung. Genauer gesagt: Sie existierte nicht. Mittlerweile jedoch haben sich Handys und Organizer zu tragbaren Daddelbuden gemausert. Die Spiele sind immer aufwändiger, besser, teurer geworden. Und damit auch interessanter für Hacker.
Besonders schmerzhaft müssen das nun die Entwickler von Nokia erfahren. Deren Spielehandy N-Gage, eine der ehrgeizigsten Neueinführungen auf dem aktuellen Spielekonsolenmarkt, ist innerhalb kürzester Zeit seines Kopierschutzes beraubt worden - und möglicherweise seiner Existenzberechtigung. Mit dem Gerät wollte Nokia eigentlich die schwächelnden Handyverkäufe ankurbeln. Doch das Vorzeigeprojekt droht zu schwächeln, bevor es richtig in die Gänge kommt.
Erst vor einem Monat hatten die Finnen das N-Gage, mehr ein Gameboy mit eingebautem Radio, MP3-Player und Telefon denn ein echtes Handy, zeitgleich in 60 Ländern auf den Markt gebracht - begleitet von einer riesigen Werbekampagne und verbunden mit hohen Erwartungen
Die wurden nur zum Teil erfüllt. In den ersten zwei Wochen hat Nokia die gesprächige Spielekonsole nach eigenen Angaben rund 400.000 Mal verkauft haben, hauptsächlich in Asien und Kontinentaleuropa - für ein neues Handy gar nicht schlecht, für eine trendige Konsole eher enttäuschend. Vor allem in Großbritannien und auf dem wichtigen US-Markt fielen die Verkaufszahlen Berichten zufolge eher bescheiden aus.
N-Gage: Verkaufsargument Software
Vielleicht liegt es am Preis: Zusammen mit einem neuen Mobilfunkvertrag ist das N-Gage zwar für einen Euro zu haben, alleine kostet die Telefonkonsole aber rund 300 Euro und damit mehr als doppelt so viel wie Nintendos Gameboy Advance. Um die japanische Konkurrenz dennoch auszustechen, hat Nokia von Anfang an auf exklusive N-Gage-Spiele gesetzt.
Das dürfte sich nun erledigt haben. Wie genau die 40 bis 50 Euro teuren, auf einer Speicherkarte ausgelieferten N-Gage-Spiele gecrackt worden sind, ist nicht bekannt. Das britische Online-Magazin "The Register" berichtet jedoch, eine spezielle Software erlaube es, die eigentlich kopiergeschützten Programme zu entschlüsseln, in den Arbeitsspeicher des Handys zu laden und anschließend auf einer frischen Multimediakarte abzuspeichern.
Durch diesen Umweg lassen sich die Spiele nicht nur über das Internet austauschen, sondern auch auf Handys abspielen, die über ein ähnliches Betriebssystem verfügen wie das N-Gage. Im Netz kursieren bereits Bilder, die einst exklusive Nokia-Spiele auf dem Display des neuen Siemens-Handys SX1 zeigen. Das geknackte Spiel laufe "sehr gut", die Grafik sei "perfekt", berichten die Siemens-Fans.
Das zweifelt Kristina Rücken, Sprecherin von Nokia Deutschland, stark an. "Die Qualität ist in keinster Weise mit dem N-Gage vergleichbar, sowohl was die Grafik als auch die Steuerung anbelangt." Zudem werde sich das Spiel auf den fremden Geräten "ab einem bestimmten Zeitpunkt aufhängen". Die Daseinsberechtigung der Nokia-Konsole sei daher noch immer "sehr, sehr hoch".
Trotzdem wollen die Finnen reagieren. Der Kopierschutz auf den Speicherkarten soll verstärkt werden - was allerdings aller Erfahrung nach nur die Zeitspanne bis zum Knacken des Codes verlängert. Berichte aus Großbritannien, wonach Nokia seine Spiele zukünftig auch enger mit der N-Gage-Hardware verzahnen wird, will Rücken dennoch nicht kommentieren. Dadurch würden illegal kopierte Spiele nicht mehr oder nur noch mit starken Einschränkungen auf den Geräten der Konkurrenz laufen.
Wie "The Register" meldet, will Nokia zudem gerichtlich gegen Websites vorgehen, die Software zum Knacken des N-Gage-Kopierschutzes anbieten. Das jedoch dürfte schwer werden. Bereits vor Jahren hat die Musikindustrie versucht, ein Programm aus dem Netz zu verbannen, mit dem sich der DVD-Kopierschutz umgehen lässt. Bislang erfolglos.