Kartendienst Here Nokia verspricht bessere Karten für Apple und Android
Nokia Here: Mit digitalen Karten die Handy-Welt erobern
Foto: SPIEGEL ONLINEHandy-Hersteller Nokia hat seinen Kartendienst Nokia Maps einer Generalüberholung unterzogen. Zugleich wurde das Angebot umbenannt. Der neue Titel, Here, soll offenbar einen Neuanfang symbolisieren und zugleich darauf hinweisen, dass sich das Angebot nunmehr stark auf ortsbezogene Dienste konzentriert. Im Internet kann man Here ab sofort nutzen, eine App für iOS-Geräte ist angekündigt und soll in den nächsten Wochen kostenlos in Apples App Store bereitgestellt werden. Das wäre eine gute Nachricht für Nutzer von iOS 6, die unter den Mängeln von Apples eigenem Kartendienst Apple Maps leiden.
Das netzbasierte Kartenmaterial wird in HTML5 ausgeliefert, funktioniert also in jedem modernen Browser, ohne dass man ein Plug-In installieren müsste. Außerdem soll eine Mobilversion des Kartendienstes im kommenden Jahr für Mozillas Firefox-Betriebssystem angeboten werden. Grundsätzlich soll Here auf sämtlichen Computerpattformen laufen.
Für Android-Entwickler will Nokia mit Jahresbeginn 2013 Entwicklerwerkzeuge zur Verfügung stellen, die ihnen die Integration der Nokia-Kartendienste in ihre Apps ermöglichen sollen. In San Francisco zeigte das Unternehmen eine Referenz-App für Android, welche die Integrationsmöglichkeiten demonstrieren sollte. Auf einer neuen Webseite kann man die Web-Version bereits per Browser nutzen .
Neben dem Kartenmaterial will Nokia den Anwendern von Here auch Infos über das Verkehrsaufkommen, Einkaufs- und Restaurant-Tipps oder Sehenswürdigkeiten liefern. Anders als bei den meisten vergleichbaren Angeboten sind die Nutzer bei Here nicht nur auf die passive Nutzung beschränkt. Sie können Gebiete mit bisher nur spärlichen Information um eigene Angaben anreichern, ähnlich wie es das Community-Projekt OpenStreetMap ermöglicht. Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese Mitmachfunktion jedoch auf einige Länder in der Karibik, in Mittelasien und in Afrika begrenzt.
Apple Maps: Ortsmarken im nirgendwo, ganze Städte in der iCloud
Gleich den Hauptkonkurrenten Google und Apple tritt Here mit 3-D-Karten an. Um auf diesem Gebiet punkten zu können, kaufte Nokia den amerikanischen 3D-Spezialisten Earthmine zu einem nicht genannten Preis. Das in Berkeley ansässige Unternehmen stellt seinen Kunden dreidimensionale Karten und angepasste Entwicklerwerkzeuge zur Verfügung.
Ein weiterer Bestandteil des neuen Dienstes ist LiveSight, eine Augmented-Reality-Anwendung. Blickt der Nutzer durch seine Handykamera auf Gebäude oder Denkmäler, sollen zusätzliche Informationen auf dem Bildschirm eingeblendet werden. Als erste Anwendung für LiveSight wurde Nokias City-Lens-App für Windows Phone 8 genannt.
Das neue Angebot wurde zu großen Teilen in Deutschland entwickelt. Mit 600 Mitarbeitern ist Nokias Entwicklungsabteilung in Berlin, neben Boston und Chicago, einer der Hauptstandorte für die Entwicklung ortsbasierter Dienste des finnischen Unternehmens.