Ohne Gewähr: Hier spricht der Touristguy - DER SPIEGEL
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Ohne Gewähr Hier spricht der Touristguy

"Peter" oder "Waldo", der Mann, der von sich behauptet, der Touristguy zu sein, tastet sich weiter in Richtung Öffentlichkeit. Im Chatforum des ungarischen Dienstes "Index" stellte er sich den Fragen der Surfer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Waldo/Peter/Touristguy spielt weiter Katz und Maus mit der Öffentlichkeit. Obwohl seit gut zwei Wochen sein Passbild durch die Medien geistert, zudem bekannt ist, dass er nach eigenen Angaben Ungar ist, bleibt sein relatives Inkognito gewahrt. Niemand "outet" ihn - vielleicht der verblüffendste Aspekt der ganzen Touristguy-Geschichte.

Zu einiger Bekanntheit bringt es in der ganzen Affäre der ungarische Newsdienst "Index.hu" , über den die bei weitem meisten Touristguy-Informationen liefen - und den der Touristguy allem Anschein nach als Sprachrohr nutzt. Vor einigen Tagen liefen in den Redaktionen vieler deutscher Medien E-Mails ein, die dazu einluden, an einer Chat-Veranstaltung mit dem Touristguy teilzunehmen. Der, versprach die Einladung, werde sich den drängenden Fragen der Medien stellen, in englischer Sprache.

Tat er aber nicht. Zaghafte Versuche zumeist deutscher Journalisten blockte er im gestrigen Chat pauschal ab: "Meine E-Mail-Adresse ist bekannt. Hier möchte ich bitte bei der ungarischen Sprache bleiben".

Katz und Maus: Der Touristguy lud ein, alle kamen - und durften frustriert virtuell von dannen ziehen. Stante pede ließ Index.hu am Donnerstag morgen das Transkript des Chats in englischer Sprache folgen: Ein toller Service der Kollegen, von denen niemand weiß, wie nah sie dem Touristguy wirklich sind und ob es ihn tatsächlich gibt.

Touristguy spielt weiter gekonnt auf der Klaviatur der Medien. Andeutungen über die Existenz eines "Touristguy"-Films im mpg-Format wecken Neugier, während Fragen danach, ob er nicht dazu bereit wäre, gegen Geld im Fernsehen aufzutreten, anscheinend so unwillkommen nicht sind.

Das Skandalbild, dass einen Web-Kult verursachte: "Peter" sagt, der ursprünglich für Freunde gedachte Scherz sei gegen seinen Willen verteilt worden

Das Skandalbild, dass einen Web-Kult verursachte: "Peter" sagt, der ursprünglich für Freunde gedachte Scherz sei gegen seinen Willen verteilt worden

Zur Realsatire wird die ganze Sache, wenn Touristguy sich im Chat gegen Zitate in SPIEGEL ONLINE und anderen Medien wendet, die er gern "klarstellen" wolle: Er habe von all dem "nicht die Hälfte" gesagt. Das glauben wir ihm gern - aber ist das nun anders?


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Alle Zitate des ungarischen Touristguy liefen über den selben Kanal, über den nun der Chatmitschnitt die Medien erreicht. Der Touristguy kommuniziert nicht ohne Vermittlung, und wenn, dann nur per E-Mail - seine wahre Identität bleibt ungeklärt. Unter dem Strich muss festgestellt werden, dass nach wie vor nicht klar ist, wer hier überhaupt kommuniziert, und ob dies immer dieselbe Person ist.

Mit entsprechender Vorsicht ist die folgende Übersetzung zu genießen. Die Person, die im Transkript mit "Touristguy" bezeichnet wird, ist angeblich "Peter" oder "Waldo", der Ungar, der von sich behauptet, der Touristguy zu sein. Das alles ist, wie beim Lotto, ohne Gewähr - und das Spiel zwischen Touristguy und Medien geht weiter...

Frank Patalong

Übersetzung: Transkript eines Chats (ursprünglich in ungarischer Sprache), dokumentiert und übermittelt durch die Redaktion von Index.hu.

Frage: Warum verbirgst du deine Identität? Ich habe gehört, dass dieser Brasilianer ein Angebot von VW bekam. Was würdest du zu so einem Angebot sagen?

Touristguy: Ich habe meine Identität verborgen, weil dieser Scherz ursprünglich nur für meine Freunde gedacht war. VW hat das Werbeangebot an den Brasilianer zurückgezogen.

Frage: Hi Peter! Wenn du wirklich gegen deinen Willen berühmt wurdest, wie stehst du dann nun zu der Person, der dein Touristguy"-Bild verbreitete? Weißt du, wer das war?

Touristguy: Ich weiß, wer das getan hat. Wir haben darüber geredet, die Sache geklärt.

Frage: Es gibt eine Menge Bilder von Dir. Welche hast du gemacht, und gibt es irgendwelche verborgenden Juwelen?

Touristguy: Ich habe nur das Originalbild produziert, und dasselbe im "mpg"-Format.

Frage: Hi! Könnte ich ein Bild von Dir mit mir haben?

Touristguy: Du bist der erste, der fragt. Die anderen haben sich die Bilder einfach selbst gemacht.

Frage: In wieweit hast du die Diskussion um deine Identität verfolgt? Hat dich das den Schlaf gekostet? Wenn die jemand viel Geld für einen Fernsehauftritt anbieten würde, würdest du das machen?

Touristguy: Ich hatte keine schlaflosen Nächte. Fernsehen? Vielleicht.

Frage: Ich verstehe, warum du deine Identität verbirgst (es folgen beleidigende, persönliche Angriffe). Über eine solche Tragödie zu scherzen, war wirklich abscheulich. Hättest du ein oder zwei Jahre gewartet, wäre es vielleicht akzeptabel gewesen. Ist dir klar, dass dich die meisten Amerikaner hassen, wie viele der intelligenteren Europäer? Du solltest verborgen bleiben.

Touristguy: Ich glaube nicht, dass es hier um Mitleid oder Sensibilität oder einen Mangel daran geht. Die Leute, für die ich dieses Bild produziert habe, sagten alle, dass sie herzlich darüber lachen konnten. Das ist alles.


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Frage: In welchem Maße hast du dir dein Leben versaut? Planst du eine Medienkarriere?

Touristguy: Ich plane keine Karriere in den Medien, und ich glaube auch nicht, dass Menschen außerhalb der Redaktionen sich großartig für all dies interessieren. Mein Privatleben wurde bisher nicht beeinträchtigt. Ich habe mich bemüht, es zu schützen.

Frage: Hör zu, A****! Es sind zu viele Menschen gestorben, als dass du herumlaufen und darüber scherzen dürftest. Du hast Glück, dass man dir das Gesicht nicht durch das Netz lädieren kann. Ein Ratschlag: Verpiss dich und hoffe, dass wir uns nie in persona treffen.

Touristguy: Mensch, betrachte mal die gute Seite des Ganzen! Wenigstens konntest du mal ein wenig Dampf ablassen. Ich hoffe, du fühlst dich besser.

Frage: Warum hast den Touristguy-Kult beendet, das neueste Stückchen Internet-Folklore?

Touristguy: Ich habe ihn nicht beendet. Ich kam hierher (zu Index), um einige Dinge klarzustellen, die in den Medien veröffentlicht wurden. Ich habe nicht die Hälfte von dem gesagt, was zum Beispiel bei SPIEGEL ONLINE zu lesen war.

Frage: Das war ein perfekter Medien-Hack: Die Offline-Medien sind auf dein Bild hereingefallen und haben es als echt veröffentlicht.

Touristguy: Ich glaube, die waren sich darüber im klaren, dass es eine Montage war. Es als echt zu verkaufen, war einfach die bessere Geschichte. Mit ein wenig Recherche war schnell klar, dass es nicht echt sein konnte. Snopes.com veröffentlichte die Wahrheit über das Bild, gerade einmal drei Tage, nachdem ich es produzierte.

Frage: Warum outest du dich nicht? Du könntest herumreisen, im Fernsehen auftreten, Geld dafür bekommen. Nach einer Weile würde man dich wieder vergessen, aber denk mal an all die Erlebnisse, die du haben könntest.

Touristguy: Ich will nicht, dass die Leute auf der Straße mit dem Finger auf mich zeigen.

Frage: Du hast zu viel Angst. Du wirst nicht noch mal so eine Chance bekommen. In einem Jahr bist du vergessen, dann kannst du in dein Privatleben zurückkehren.

Touristguy: Ich denke darüber nach, aber ich weiß nicht, ob es wirklich einen Weg zurück gibt.