Online-Demo: Gesichter gegen Softwarepatente - DER SPIEGEL
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Online-Demo Gesichter gegen Softwarepatente

Mit einer pfiffigen PR-Aktion trommeln die Organisationen Attac und Campact gegen Softwarepatente. Ihr "Demo-Plakat" entsteht derzeit Stück für Stück aus den Gesichtern der virtuellen Demonstranten - zu besichtigen auf einer eigens eingerichteten Protest-Webseite.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mosaikbilder aus einer Vielzahl von Einzelfotos kamen Mitte der Neunziger mächtig in Mode: Eine Software analysiert die Einzelbilder nach Farbe und Kontrastwerten und arrangiert die stark verkleinerten Bildchen dann so, dass sie in ihrer Gesamtheit wieder ein Bild ergeben. Je mehr Einzelbilder so zu einem Mosaik zusammengesetzt werden, desto schärfer und detaillreicher wird das zuzammengepuzzelte Großbild sichtbar.

Seit Freitagnachmittag sammeln die Organisationen Attac und Campact in ihrem fortlaufenden Protest gegen Softwarepatente einmal nicht Unterschriften, sondern Nasen: Jeder, der will, kann sein Foto als Zeichen des virtuellen Protestes einschicken, das sodann per Software in das Mosaik verbaut wird. Das wiederum zeigt den Schriftzug "No ePatents" und einen gar nicht glücklichen "Smiley".

Auf der eigens eingerichteten Protestseite kann man sich das nun ganz langsam deutlicher werdende Protestplakat ansehen , per Mausklick auch bis hinein in jedes Einzelfoto: Bisher sind es vor allem Männer, die da mit kleinen Schildchen mit der Aufschrift "Keine Softwarepatente!", "I like Firefox" oder auch einmal "Ich grüße Wanne Eickel" aus dem Protestplakat lächeln.

Für Attac und Campact tun sie das, um ein Zeichen zu setzen: "Jedes Foto stärkt den Parlamentariern den Rücken, sich der Lobbymacht der großen Softwarekonzerne zu widersetzen", meint dazu Christoph Bautz, Pressesprecher von Campact. "Die Bürger Europas zeigen Gesicht, damit freie Software sowie kleine und mittelständische Unternehmen weiterhin eine Chance haben."

Denn eine Chance, die umstrittene Softwarepatentrichtlinie doch noch zu verhindern, sehen die Aktivisten noch. Am 6. Juli wird die Richtlinie im Europäischen Parlament noch einmal verhandelt. Dann - genauer: bereits ab dem 4. Juli - soll das Protest-Mosaik möglichst detailreich als großes Banner vor dem Europäischen Parlament entrollt werden.

Entstanden ist die Idee zu der ungewöhnlichen Demonstrationsform in der Attac AG Wissensallmende. "Wir wollen mit dieser Aktion Tausende aus ganz Europa zusammenbringen, die mit ihrem Gesicht ein gemeinsames Zeichen des Protest gegen Softwarepatente setzen", erläutert Oliver Moldenhauer von Attac. "Wir demonstrieren auch gegen das undemokratische Vorgehen von Justizministerin Zypries, die den Beschluss des Bundestages gegen Softwarepatente bisher einfach ignoriert."

Die Aktion wird bisher unterstützt von Attac Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich, der belgischen Association Electronique Libre, Campact, dem Chaos Computer Club, der FoeBuD und dem politischen Internet-Provider Heinlein-Support. Finanzielle Unterstützung erhält die Aktion von der Stiftung "Bridge - Bürgerrechte in der digitalen Gesellschaft".

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