Online-Demonstration: Mail-Attacke auf das Weiße Haus - DER SPIEGEL
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Online-Demonstration Mail-Attacke auf das Weiße Haus

Seit vor rund zwei Wochen ein US-Militärgericht zwei US-Soldaten vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung zweier 14-jähriger Mädchen freisprach, schlagen in Südkorea die Wellen des Protestes gegen Amerika hoch. Weltweite Aufmerksamkeit erhoffen sich Bürgerrechtler nun mit einer Online-Demo der aggressiven Art.
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Seit gut 50 Jahren sind amerikanische Soldaten in Südkorea stationiert: Die ersten entsprechenden Verträge wurden noch zu Zeiten des Koreakriegs geschlossen. Derzeit sind rund 37.000 Amerikaner in Südkorea, und spannungsfrei war das Verhältnis zwischen ihnen und der heimischen Bevölkerung wohl nie. Seit die GIs Fernando N. und Mark W. im Juni diesen Jahres aber zwei 14-jährige Schulmädchen mit einem 50 Tonnen schweren Armeefahrzeug überfuhren, schlagen die Wellen der Empörung und des Protests immer höher.

Vor zwei Wochen wurden die beiden Soldaten vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen: Das US-Militärgericht befand auf Unfall. Seitdem beginnt die Situation, von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet, zu eskalieren.

Seit Wochen gibt es Demonstrationen: Allein im Laufe des vergangenen Wochenendes sollen rund 100.000 Demonstranten unterwegs gewesen sein. Am Sonntag gelang es einer Gruppe von Demonstranten vor laufender Kamera, den Zaun um ein US-Armylager zu durchschneiden, dort einzudringen und auf einen Wasserturm zu klettern. In südkoreanische Flaggen gehüllt skandierten sie Forderungen nach einem neuen Prozess vor einem südkoreanischen Gericht. Vier der Demonstranten wurden festgenommen.

Polizei in schwerer Ausrüstung war derweil damit beschäftigt, eine Gruppe von rund 300 Demonstranten von der US-Botschaft fernzuhalten. Das gelang den IT-Sicherheitskräften des Weißen Hauses augenscheinlich auch mit einer ungleich größeren Gruppe: Parallel zu den Straßendemonstrationen riefen rund 130 südkoreanische Bürgerrechtsgruppen zu einer Online-Demonstration der aggressiven Art gegen das Weiße Haus auf. Mit massenhaften Mailzusendungen versuchten die Demonstranten vergeblich, die Website der US-Regierung zum Wanken zu bringen. Die hatte sich im Verlauf mehrerer DoS-Attacken im letzten Jahr wiederholt als eine der bestgesicherten Websites weltweit erwiesen.

Die Bürgerrechtsgruppen geben auch den virtuellen Protest nicht auf und versuchen weiterhin, die südkoreanische Web-Öffentlichkeit für ihren Protest gegen das Weiße Haus zu mobilisieren. Schätzungen zufolge ist mit 25 Millionen Menschen mehr als die Hälfte der rund 47 Millionen Südkoreaner online.