Boutiques: Shopping mit Prominenten
Online-Shopping Google will Damenmode verkaufen
Kann das gutgehen? Der Suchmaschinen-Konzern Google steigt ins Modegeschäft ein. Google? Jene Firma, deren Angestellte dafür bekannt sind, den Casual Friday an sieben Tagen in der Woche zu praktizieren? Bequeme Jeans und lange T-Shirts bestimmen in der Firmenzentrale das Bild, der typische Google-Mitarbeiter bewegt sich per Skate- oder Kickboard übers Firmengelände. Doch genau diese Mannschaft hat am Mittwoch ein Modeportal ins Netz gestellt. Fashion-Shopping Google-Style.
Unter der URL www.boutiques.com finden modeaffine Damen seither alles, was das Shopperinnen-Herz begehrt: Von Designer-T-Shirts über Highheels bis zum kleinen Schwarzen - das hier auch mal grau sein kann. So weit, so gut und so gewöhnlich. Aber das Klamottenportal wäre eben kein Google-Dienst, wäre daran nicht so einiges anders als bei den anderen.
Man habe vor eineinhalb Jahren ein Team aus Computerwissenschaftlern und Modeexperten zusammengestellt, die neue Wege erarbeiten sollten, wie man Online-Shopping verbessern kann, schreibt Google-Manager Munjal Shah im Google-Blog .
Das Resultat in Form von Boutiques.com bezeichnet er als ein "personalisiertes Shopping-Erlebnis, mit dem man Mode entdecken, seine eigene Boutique zusammenstellen oder sich durch Boutiquen die den Stil von Promis, Stylisten, Designern und Fashion-Blogger folgen", klicken kann. Boutiques verwende unter anderem selbstlernende Software, um den Geschmack des jeweiligen Nutzers zu analysieren und sich ihm anzupassen - oder vielmehr ihr.
User generated Kaufberatung
Denn vorerst gibt es Boutiques nur mit Mode für Frauen und nur in den USA. Männer können sich dort zwar gerne umschauen, informieren und sich auch Einkaufstipps holen, aber eben nur Damenbekleidung. Eine Erweiterung auf Herrenmode und womöglich auch in andere Länder ist für die Zukunft geplant.
Ein kursorischer Blick ins Angebot wirft eine nicht enden wollende Parade an Schuhen, Kleidchen, Gürteln und anderen Accessoires aus. In diesem Überangebot etwas Passendes zu finden, soll typische Google-Technik ermöglichen. Um etwa eine personalisierte Online-Boutique zusammenzubasteln, muss man sich unter anderem durch eine Reihe von Vergleichsbildern, meist Promi-Fotos, klicken und jeweils auswählen, welcher der gezeigten Modestile einem besser gefällt. Ein langwieriger Prozess. Dafür darf man sich am Ende selbst als Teil der - wenn es nach Google geht - wachsenden Riege derer betrachten, die nun mit ihren eigenen Empfehlungen anderen Nutzern den Weg durch den Modedschungel erleichtern können. Kaufberatung als user generated content.
Wem das zu viel ist, dem bleibt die Möglichkeit, der Boutique eines Promis oder Mode-Bloggers zu folgen, sich fremdinspirieren zu lassen.
Die Suche nach einem bestimmten Kleidungsstück will Google per Suchmaschine erleichtern. Suchen Sie einen Rock oder eine Hose? Welche Farbe darf's denn sein? Und welche Größe? Ist ein bestimmter Designer gesucht oder ein spezieller Stil? Und so weiter und so fort. Am Ende jedenfalls steht im Idealfall ein erfolgreicher Kauf. Nicht bei Google natürlich, denn Google verkauft ja nichts. Nein, nachdem man etwas ausgewählt hat, landet man im Online-Shop des jeweiligen Anbieters und bestellt. Das dürfte auch der Punkt sein, an dem Googles Kasse klingelt, sich der Konzern mit einem kleinen Prozentsatz am Geschäft beteiligen lässt.
Boutiques.com, das ist Shopping à la Google. Es ist groß, fast schon riesig, es bietet so ziemlich alles, was man sich zum Thema Kleidungskauf wünschen kann und es ist bis zur Browser-Kante mit Suchtechnik und Computeralgorithmen vollgestopft. Ein Traum für Nerds. Aber ist das auch ein Traum für Fashionistas?