Online-Spiel: Moskito statt Moorhuhn - DER SPIEGEL
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Online-Spiel Moskito statt Moorhuhn

Online-Zocken im Dienst der guten Sache? Warum nicht, dachte man sich beim Medikamenten-Hilfswerk action medeor - und hob die "Moskito-Jagd" aus der Taufe. Anlass ist der "Africa Malaria Day".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Moskito statt Moorhuhn, auf diesen knackigen Nenner könnte man die Aktion Fun-Gesellschafts-gerecht bringen. Doch der Hintergrund ist Ernst: Alljährlich erkranken weltweit rund 300 Millionen Menschen an Malaria, ein Drittel der Infizierten stirbt daran. Gerade in den besonders betroffenen Drittweltländern ist die medizinische Versorgung oft miserabel. Dass sich daneben - begünstigt durch den inzwischen weltweiten Tourismus - auch immer mehr Menschen hierzulande ein fatales Urlaubssouvenir mitbringen, ist dagegen unnötig.

Dagegen setzt medeor  die Prophylaxe - und die besteht vor allem aus Information. Die soll man bei der fröhlichen Moskitojagd so ganz nebenbei bekommen. So besteht der Sinn des Spieles nicht nur darin, möglichst viele Punkte zu sammeln, sondern sich dabei noch weiterzubilden. Zu gewinnen gibt es auch etwas: Ein garantiert Anopheles-Mücken-sicheres Moskitonetz.

Und was lernt man?

Zum einen, dass es beim Kampf gegen Moskitos mächtig zur Sache geht - zumal es sich ja um "mutierte Moskitos" handelt. Die schwirren im Online-Game nicht nur in Afrika herum, nein, auch die Grachten von New York und das tropische Paris sind stark gefährdet.

Grachten, tropisches Frankreich?

Aber ja, denn das ungewöhnlich schrille Spiel  verbirgt seinen ernsthaften Hintergrund erfolgreich hinter einer locker-flockig verpackten Science-Fiction-Rahmenhandlung. In der hat der Klimakollaps längst seinen Tribut gefordert - und die Welt nachhaltig verändert. Angepasst haben sich die Menschen, aber auch die mutierten Mücken: In einer sich verändernden Welt - so wohl die Botschaft - gibt es keine Garantie dafür, dass die Probleme anderer Menschen dies auch bleiben.

Poppiger Spielspaß in Verbindung mit einer überspitzt servierten Botschaft garantiert also, dass man gut unterhalten ein wenig Büroarbeitszeit verschwenden kann und sich dabei sogar noch "benefizig" fühlt. Über einen ISDN-Anschluß, einen aktuellen Browser mit Flash-Plugin und einen leidlich schnellen Rechner sollte man allerdings schon verfügen. Wer gegen Nachmittag gern der sinnfreien Vernichtung von Büroarbeitszeit frönt, ist allerdings gut beraten, die Boxen auszulassen: Neben dem satt und tief hörbaren Ballern der Elefantenbüchse, mit der man anscheinend auf die Insekten losgeht, dudelt im Hintergrund nicht minder laut ein Mini-Soundtrack mit leichten James-Bond-Anklängen. Na denn, Feuer frei.

Ernster Anlass der flippigen Aktion ist im Übrigen der erste "Africa Malaria Day", den afrikanische Staaten und Organisationen für den 25. April ausgerufen haben. Unabhängige Organisationen und Regierungen in Afrika planen, künftig ihre Anstrengungen im Kampf gegen die Malaria stärker zu koordinieren. Im Mittelpunkt der Anstrengungen steht der Versuch, zu einer stärkeren Verbreitung und Nutzung imprägnierter Mückennetze beizutragen. Nach Angaben von action medeor sind solche Netze hoch effektiv. So sei in Togo durch die örtliche Produktion solcher Mückennetze die Quote der Neuansteckungen bereits um 50 Prozent gesunken.