Online-Wahl Wer wird Saddams Nachfolger?
Auf den Straßen von Bagdad sollte die Frage besser nicht dem Falschen gestellt werden, im Internet konnten aber zumindest einige Iraker darüber abstimmen: Wer könnte nach einem Sturz des omnipotenten Präsidenten Saddam Hussein neuer Herrscher im Irak werden?
Die Auswahl auf der internationalen Website www.iraq.net war groß, wie die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtet: 14 potenzielle Staatsregenten konnten von den Usern angeklickt werden. Ganz ehrlich ging es bei der Wahl offenbar nicht zu: Einige User hätten versucht, die Abstimmung zu manipulieren, beklagt der Webmaster auf seiner Seite. Sie hätten trotz eines Blockadeprogramms mehrmals abgestimmt. Die Folge: Die elektronisch Wahlurne wurde geschlossen und die Stimmen ausgezählt.
Fast jeder konnte mitstimmen - nur die irakische Bevölkerung nicht
Danach wäre der künftige irakische Staatschef nach Wunsch der Online-Wähler Nadschib al-Salihi, schreibt "The Guardian". 20 Prozent der Stimmen habe der frühere Brigadegeneral erhalten, der mittlerweile den regimekritischen Offizieren zugerechnet wird. Deutlich dahinter folge mit elf Prozent Sharif Ali Bin al-Hussein, der Sprecher des oppositionellen Irakischen Nationalkongresses (INC) mit Sitz in London.
Auch auf Platz drei der Wählergunst steht angeblich ein Vertreter des INC, der Gruppe, die nach einem Sturz Husseins die Regierung in Bagdad übernehmen könnte: Ahmed Chalabi, der Präsident des Nationalkongresses. Nur auf Platz vier landet Husseins wahrscheinlichster Wunschnachfolger: sein jüngerer Sohn Kussai, mit mageren drei Prozent der Stimmen.
Doch diese Ergebnisse wundern eigentlich wenig, da laut "Guardian" auch der Anbieter der Wahlseite ein Mitglied des INC ist. Der Webmaster habe aber seine Unabhängigkeit betont, schreibt die Zeitung.
Der selbst ernannte Wahlleiter beschreibt das Ergebnis trotz des jähen Endes der Abstimmung als Beweis für den Wunsch der irakischen Bevölkerung nach Demokratie. Dabei konnten sich die Einwohner des Iraks gerade nicht an der Wahl beteiligen: Weniger als ein Promille der Bevölkerung hat laut "Neue Zürcher Zeitung" einen Zugang zum Netz der Netze - und auch hier handelt es sich um ausgesuchte Nutzer.