Orientierungshilfe Software für Kinder
Gesehen hat die "c't" eigentlich jeder schon einmal. Das stets schwergewichtige Magazin steht mitten unter den Computerzeitschriften im Regal und hat dort doch einen Sonderstatus inne: Nie lockt das hannoveraner Blatt mit Bildern schöner Frauen, nie trommelt und trompetet es mit marktschreierischen Versprechungen von "illegalen Downloads", Enthüllungen über Finsterecken des Webs oder Mehrwert, Mehrwert, Mehrwert.
Sie ist stets sachlich, die "c't".
Weil sie von ihren Lesern aber einiges an Vorkenntnissen erwartet und ihnen zudem immer wieder schwerste Kost zumutet, hängt ihr der Ruf an, für Otto-Normalanwender doch ziemlich uninteressant zu sein.
Dabei bemüht sie sich doch: Seit längerem schon versucht die "c't" die Annäherung sowohl ans etwas breitere, als auch ans Nischenpublikum. Sie tut dies mit Ratgebern und "special"-Ausgaben ("Digitale Fotografie"), die sich ganz praxisnah zeigen (wenn auch noch immer für ein informiertes Publikum).
Der Witz daran: Die Inhalte kommen zumindest zum Teil nicht nur aus der Redaktion des Fachblattes, sondern als "Zweitverwertung" tatsächlich aus der "c't" selbst.
So ist das auch beim neuesten Versuchsballon aus Hannover.
"Software für Kinder" heißt der und verspricht "125 empfehlenswerte Programme", quer durch alle Unter-Genres von Denksport über Schul-Übungsprogramme, Nachschlagewerke bis hin zu reinen Spielen. Dazu gibt es eine Heft-DVD, die mit fünf Vollversionen, acht erweiterten Testversionen und 37 Demos besprochener Programme gefüllt ist.
Schockschwerenot: So publikumsnah kennt man die "c't" ja gar nicht! Das Magazin, das seine Tests grundsätzlich ohne Wertung, als bloße Datenauflistung veröffentlicht, als reiner Tippgeber? Können die das überhaupt?
Schaun wir mal.
Schließlich tun sie es die ganze Zeit, weit hinten in der mitunter als "IT-Telefonbuch" gehänselten "c't" verborgen. Die Besprechung von Kinderprogrammen gehört seit Jahren zu den festen Bestandteilen des Heftes, und immer ist sie wertend: Das hier taugt was, dieses hingegen nicht. So überrascht es auch wenig, dass nur "ein Drittel der Beiträge" eigens für den "c't ratgeber: Software für Kinder" entstanden ist. Zwei Drittel sind den Heften der letzten Monate entnommen.
Was kommt dabei heraus?
Freundlich bebilderte Rezensionen von Programmen, mal 35, mal 80 Zeilen lang. Neben einer kurzen Schilderung des Programms gibt es eine sachkundige Beurteilung, die weit mehr Gewicht auf die Inhalte und Umsetzung des Programms legt als auf die Technik. Das alles ist gut lesbar und bietet im Verbund mit der Demo-DVD einen guten Überblick über die besseren Kinderprogramme, die es derzeit im Handel zu erstehen gibt.
Gibt es was zu meckern? Nicht wirklich. Natürlich krankt das Heft (wie alle Veröffentlichungen zu dem Thema) daran, dass es einen enormen Bogen schlagen muss. Software für Kinder "von 3 bis 14" ist nichts, was auch nur eine gemeinsame Bezeichnung verdiente: Es ist ein langer Weg von "Mama Muh und die Krähe" bis zu "Genius - Task Force Biologie" oder "Fifa Football 2006".
Aber eigentlich ist das Ding ja auch gar nicht dazu gedacht, von vorn bis hinten durchgelesen zu werden. Der kleine Ratgeber ist ein Nachschlagewerk, und als solcher ist er gut nutzbar: Ein Index der Spiele im hinteren Heftteil dröselt die besprochenen Programme sowohl nach Alphabet, als auch nach Themen und nach Alter auf - in drei separaten Listungen. So muss das sein.
Und wie lange hat man etwas davon?
Abgesehen davon, dass die Veröffentlichung natürlich nicht zufällig kurz vor Weihnachten geschieht, ist die "Haltbarkeit" von Kinderprogrammen deutlich höher, als das auf dem Softwaremarkt sonst üblich ist. Besprochen werden zu Recht auch noch Programme wie die Kinder-Schachsoftware "Fritz und Fertig" aus dem Jahr 2002: Das Ding ist auf dem Weg zum Evergreen (und noch immer ohne Konkurrenz). "c't"-typisch ist also nicht zuletzt die Orientierung an Qualitäten, statt nur irgendwelchen Produktneuheiten als "cool" hinterher zu jubeln. Damit steigt auch die "Haltbarkeit" dieses Sonderheftes.
Gelungen: Ein Tipp-Magazin, das selbst einen Tipp wert ist.
Frank Patalong
"c't ratgeber: Software für Kinder"
Heise Zeitschriften Verlag
130 Seiten mit Heft-DVD
8,50 Euro
Seit 28.11.2005 im Zeitschriftenhandel