"Outfoxed" remixed: Dreh deinen eigenen Murdoch-Film - DER SPIEGEL
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"Outfoxed" remixed Dreh deinen eigenen Murdoch-Film

Die Macher der Videodokumentation "Outfoxed" haben Interviews aus ihrem Film zur freien Verwendung ins Internet gestellt. Jedermann kann so seine eigene Fox-News-Doku arrangieren - ein Videoschnittprogramm vorausgesetzt. Das Rohmaterial umfasst 48 Minuten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jeder Kinozuschauer kennt die strenge Mahnung am Ende eines Films: "Dieses Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten." Wer eine Sequenz von einer DVD in einen eigenen Streifen einbauen will, muss zuvor immer bei den Rechtinhabern um Erlaubnis bitten - und in der Regel auch zahlen.

Die Filmer von "Outfoxed" , einer äußerst kritischen Dokumentation über Rupert Murdochs konservativen Nachrichtenkanal Fox News, pfeifen jedoch auf die üblichen Copyright-Regeln. Sie haben jetzt 48 Minuten Rohmaterial von Interviews, die für "Outfoxed" gedreht wurden, zum freien Download ins Internet  gestellt.

Und sagten Interessierten: Macht doch damit was ihr wollt. Nur ein Videoschnittprogramm ist vonnöten, um einen neuen Anti-Murdoch zusammenzustückeln - oder eben auch einen Anti-"Outfoxed".

Der Zusammenschnitt in voller DVD-Qualität ist 3,6 Gigabyte groß, die Filmemacher um Regisseur Robert Greenwald halten jedoch auch Kopien in geringerer Auflösung (und Dateigröße) bereit. "Ich hoffe, dass es eine Reihe von kreativen, interessanten Wegen geben wird, dieses Material zu nutzen", sagte Greenwald der Online-Ausgabe vom US-Magazin "Wired". "Ich freue mich schon auf das, was dabei herauskommen wird."

Greenwalds Schritt ist mutig. Welcher Regisseur gibt schon gern sein Material aus der Hand, wo er sich beim Drehen doch so viel Gedanken über jede einzelne Einstellung gemacht hat und hinterher Monate beim Zusammenschneiden des Ganzen verbracht hat. Vielleicht schlummert irgendwo draußen an einem Rechner ja ein begnadetes Cuttertalent, das Greenwalds Werk deklassiert?

Angst davor hat der Regisseur offenbar nicht. Er erklärte vielmehr, die Möglichkeiten seien äußerst spannend, weil es keine anderen Beschränkungen gebe als die eigene Kreativität.

Die 48 Minuten Film sind unter einer so genannten Creative Common Licence veröffentlicht, die sich bewusst gegen die starren Regeln des klassischen Urheberrechts stellt. Gleichwohl ist die Nutzung genauestens definiert, genau wie beim Copyright. Auch Anarchie beim Filmemachen will geregelt sein.

Dass das "Outfoxed"-Team sein Rohmaterial einfach so verschenkt, ist mehr als nur ein PR-Gag für einen Film, der sich bereits über 100.000 Mal verkauft hat. "Eine Sache haben wir bei der Arbeit an Dokumentationen in den vergangenen 1,5 Jahren gelernt", schreiben die Filmemacher  auf ihrer Webseite. "Es geht immer um das Filmaterial und darum, wer die Kontrolle darüber hat."

Nicht nur, dass mitunter 80 Dollar je Sekunde fällig werden, um fremde Aufnahmen in einem eigenen Film nutzen zu dürfen. Nach eigener Aussage bereitete es dem Team auch große Probleme, überhaupt das gesuchte Material zu finden.

Bei ihren Recherchen tauchten die "Outfoxed"-Macher so tief in Archive von amerikanischen TV-Stationen ein, dass sie sich am Ende sogar besser darin auskannten als deren Mitarbeiter selbst. Sie konnten dem Sender CNN beispielsweise mit Transkripten seines eigenen Programms weiterhelfen, von deren Existenz bei CNN niemand mehr wusste.

Fremdes Filmmaterial einfach so umzuschneiden, ist in der Branche kaum üblich. Allerhöchstens Filmstudenten oder einzelne Künstler kommen auf die Idee, einen Klassiker wie "Casablanca" so zurechtzustutzen, dass er nur noch zwei Minuten lang ist. Die leidige Rechtefrage muss dabei trotzdem geklärt werden.

Umgeschnittene Originale, deren Länge über wenige Minuten hinausgeht, gibt es noch nicht allzu viele. Doch weil jeder halbwegs aktuelle PC mittlerweile Videoschnitt-tauglich ist, nehmen immer mehr Hobby-Cutter auch große Blockbuster unters virtuelle Messer.

Ein Beispiel dafür ist "Star Wars: The Phantom Edit", der auf dem George-Lucas-Original "Die dunkle Bedrohung" fußt. In dem Film wurden Sequenzen, die mancher Fan für überflüssig hielt, einfach herausgeschnitten. Der Zweck der Manipulation sei es, erklärte der Phantom-Edit-Macher, einen wesentlich besseren Film zu machen als der, den Lucas veröffentlicht hatte.

Die Fan-Version des Star-Wars-Streifens kursierte zunächst im Internet, war aber später auch als Video und DVD erhältlich. Auch Steven Spielbergs "AI" (Artificial Intelligence) fand ein Filmfan nicht gut genug und rippte die DVD, um den Streifen anschließend mit einen Videoschnittprogramm zu bearbeiten. Seiner Meinung nach entsprach Spielbergs Version nicht dem, was "AI"-Filmautor Stanley Kubrick eigentlich wollte. Das Ergebnis des Umschnitts hieß "AI: The Kubrick Edit"

Eine am heimischen PC entstandene "Outfoxed"-Version hat allerdings einen entscheidenden Mangel: Es fehlen sämtliche im Original gezeigten Mitschnitte von Fox News. Ein gewisser Druck, dass der Murdoch-Kanal sein Material ebenfalls freigibt, besteht in den Augen der "Outfoxed"-Macher. "Die dürfen unser Material ja auch nutzen ... kostenlos". Ob Fox News dieses ungewollte Geschenk tatsächlich annimmt?

Holger Dambeck