P2P Roundup: Nachrichten aus Piratenland - DER SPIEGEL
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P2P Roundup Nachrichten aus Piratenland

Noch zuckt KaZaA, doch die Börse röchelt hörbar: Während sich in der noch führenden P2P-Börse der Datenmüll häuft, gerät der Prozess in Sydney zunehmend zum Rückzugsgefecht. Derweil sicherte sich ein US-Professor ein Patent auf eine Technik, die P2P-Börsen unbrauchbar machen soll.
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Australien: Weiter Hickhack um KaZaA

KaZaAs Verteidigungsstrategie im Prozess gegen die P2P-Börse steht auf zwei Pfeilern: Zum einen argumentiert KaZaA, für Copyright-Verletzungen seiner User nicht verantwortlich zu sein und der Musikindustrie seit langem Offerten gemacht zu haben, diese legal und lizenziert zu nutzen. Diese Offerten seien von den großen Musikunternehmen ignoriert worden, während eine "steigende Anzahl" unabhängiger Labels Verträge mit dem KaZaA-Partner Altnet abschlössen und aus dem Tauschgeschäft Tantiemen erhielten.

In der letzten Woche brache KaZaA-Chefin Nikki Hemming diesen Teil der Verteidigungslinie in einem Interview auf den Punkt: "Seit 18 Monaten bieten wir den Majors unsere Lizenzierungslösung an. Sie haben diese Gelegenheit, ihre Dateien zu verschlüsseln und sicher über KaZaA zu verbreiten, abgelehnt. Diese Unternehmen fahren fort, ihre Waren in einem Format zu verbreiten, das keinerlei effektiven Kopierschutz bietet und verlangen nun, dass Programme wie KaZaA irgendwie in der Lage sein sollten, deren Problem online zu lösen."

Der zweite Pfeiler der Verteidigungsstrategie ist kürzer zu beschreiben: blocken, Zeit gewinnen, behindern.

Zwei Tage vor Ablauf einer richterlich verordneten Frist, den Ermittlern Zugang zu Beweismaterial zu bieten, beklagt sich die klageführende "Music Industry Piracy Investigation" (MIPI), dass dies bis heute nicht geschehen sei.

Am Freitag geht es weiter im Prozess, und der Gegenwind gegen KaZaA dürfte sich noch einmal verschärfen: Statt der gerichtlichen Anordnung vom 23. März zu folgen, der MIPI Akteneinsicht in Beweismaterial aus einem amerikanischen Prozess gegen KaZaA zu gewähren, wollen die KaZaA-Anwälte noch einmal beantragen, das betreffende Beweismaterial nicht vorlegen zu müssen. Den letzten Antrag dieser Art beantworteten die Richter mit der Aufforderung an KaZaA, die Beweise bis zum 14. Mai offen zu legen.

Die MIPI rechnet darum mit einer harschen Reaktion des Gerichtes und zieht aus KaZaAs Lavieren ihre Schlüsse betreffs des Beweismaterials: Wer sich so wehre, die erfragten Daten vorzulegen, habe offensichtlich etwas zu verbergen. Eine Vorlage der Beweise sei für KaZaA offenbar "nicht förderlich".

USA: Patent für P2P-Vermüllung

Seit rund zwei Jahren setzt die US-Musikindustrie massiv "Mülldateien" ein, um Tauschbörsen wie KaZaA zu unterminieren. Das Kalkül dahinter: Je öfter man die P2P-Nutzer mit kreischenden Dateiattrappen frustriert, desto unattraktiver und schwerer nutzbar werden P2P-Börsen.

In den USA wurde das Prinzip nun patentrechtlich geschützt. Ab sofort gelten also John C. Hale und Gavin W. Manes von der Universität Tulsa als Erfinder des Prinzips, P2P-Börsen durch Müll unbrauchbar zu machen. Sie planen, ihr Patent gewinnbringend an Musik- und Filmfirmen zu vermarkten. Die unterhalten zum Teil selbst Agenturen, die die Datenmüll-Taktik seit Jahren anwenden.

Japan: P2P-Entwickler verhaftet

In Tokio wurde am Dienstag Isamu Kaneko verhaftet. Der 33-jährige Universitätsdozent ist der Entwickler der P2P-Software "Winny". Die Software soll ihren Nutzern ein so gut wie perfekt anonymisiertes Filesharing ermöglichen, konnte sich in der "Community" bisher jedoch nicht durchsetzen. Winny verspricht, die IP-Adressen von Datenanbietern zu verschleiern. Trotzdem kam es im Herbst letzten Jahres zu zwei Verhaftungen von auf ungeklärte Weise identifizierten Winny-Nutzern.

Kaneko droht eine Strafe von bis zu drei Jahren Haft und eine Geldstrafe von rund 25.000 Euro. Angeklagt wird er nicht wegen der Entwicklung der Software, sondern weil er urheberrechtlich geschütztes Material über Winny angeboten und verbreitet haben soll. Kaneko steht somit nicht als P2P-Entwickler, sondern als Nutzer vor Gericht.

Anonymisierung: Neue Ansätze mit "Nebenwirkungen"

Auf die anhaltende Klagewelle gegen P2P-Nutzer reagieren immer mehr P2P-Entwickler mit dem Versuch, ihre Programme mit effektiven Anonymisierungstechniken zu verbinden. Die neueste Entwicklung in dieser Richtung kommt von Optisoft, den Betreibern der Börsen Blubster und Piolet.

Optisoft versucht, die Identität einzelner User zu verschleiern, indem deren IP-Adressen mit einem willkürlich zusammengestellten Satz von IP-Adressen anderer Nutzer "verquirlt" werden. Während die Technik es tatsächlich schwerer macht, die Aktivitäten einzelner Nutzer nachzuvollziehen, steigt damit das Risiko für so genannte "light Users", ins Visier der Fahnder zu geraten. Selbst wenn sie selbst keine Dateianbieter seien, gibt selbst Entwickler Pablo Soto zu, könnten sie als solche erscheinen.

Was sie allerdings anböten, sei durch eine bloße Netzwerküberwachung nun ebenfalls schwerer zu erfassen: Die Dateien würden im P2P-Netzwerk stärker verschlüsselt und erschienen dem Beobachter zunächst als reiner Datenmüll. Das ähnelt dem Ansatz von FreeNet, die zum Schutz ihrer Nutzer ebenfalls auf Kryptografie setzen. Experten halten eine völlige Anonymisierung in P2P-Netzen trotzdem für außerordentlich schwer, wenn nicht gar unmöglich.

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