Pelzhandel: Naturschützer attackieren eBay - DER SPIEGEL
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Pelzhandel Naturschützer attackieren eBay

Das Online-Auktionshaus eBay verwahrt sich gegen den Vorwurf, dort werde mit Pelzen und anderen Produkten geschützter Tiere gehandelt. Wohl wahr: Bei eBay wird mit allem gehandelt, und das ist erstens ein Unterschied, und zweitens unkontrollierbar.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

eBay ein "Auktionshaus" zu nennen, ist eigentlich irreführend. eBay ist so etwas wie ein öffentlicher Platz, der als Flohmarkt freigegeben ist. Der Veranstalter lässt jeden Möchtegern-Händler die Platzordnung unterschreiben und hofft dann, dass der sich daran hält. Oft vergeblich, wie man weiß: Es gibt nichts, was es nicht gibt bei eBay.

Als Ordnungsdienst schickt eBay eine tatsächlich so genannte "Marktpolizei" herum, die aber auf ziemlich verlorenem Posten stehen dürfte: Eine stolze Million Angebote gibt es allein bei eBay Deutschland zu jedem gegebenen Zeitpunkt. "Wir sind auf Hinweise unserer Besucher angewiesen", sagt dazu eBay-Sprecher Joachim Guentert.

Wohl wahr, denn bei eBay hält sich längst nicht jeder an die Marktordnung. Immer wieder gibt es diese heiteren eBay-Mails ("Schon gesehen?"), wenn jemand U-Boote, seine Mutter, kleine Schwester, ein echtes Neutron, eine ungefüllte Originalverpackung, die eigene Unschuld oder Seele, ein halbes Käsebrötchen und ähnliches versteigert. Vieles ist unter der Gürtellinie, und manches offensichtlich illegal, vom Laster gefallen, von weiß-der-Fuchs-wo "reimportiert" oder raubgebrannt.

Oder auch geschmuggelt. Der Naturschutzbund und NABU griffen am Donnerstag vehement in die PR-Trickkiste, um eBay anzuprangern: Mit Eisbärenfellen, Elfenbein oder Schildpatt werde da illegalerweise gehandelt. Ultimativ forderten die Verbände das Internet-Auktionshaus im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin dazu auf, alle entsprechenden Angebote umgehend von der Website zu nehmen und künftig nicht mehr zuzulassen. eBay trage auf fragwürdige Weise zur Unterwanderung internationaler Artenschutzabkommen bei.

Der Marktplatz: Eine kaum zu kontrollierende Zone

eBay-Sprecher Joachim Guentert kann da nur auf die Nutzungsbestimmungen verweisen. Sobald die Auktionsplattform von solchen Angeboten illegaler Waren erfahre, überprüfe eine freiwillig von eBay eingesetzte Expertengruppe das Angebot und lösche es gegebenenfalls. Angesichts von rund einer Million Angeboten allein in Deutschland nahezu eine Sisyphos-Aufgabe, denn alle zehn Tage stehe man vor einem völlig neuen Warenbestand.

Eine auf den eBay-Seiten veröffentlichte Regelung sehe aber eindeutig vor, dass tote Tiere und Tierartikel, die unter internationale Bestimmungen zum Artenschutz fielen, nur unter Vorbehalt des gesetzlich vorgeschriebenen Nachweises angeboten und verkauft werden dürften, sagte Guentert. Unter das Verbot fielen neben Schildpatt und Elfenbein auch der Leopard.

Der NABU hatte unter anderem kritisiert, dass Mäntel des unmittelbar vom Aussterben bedrohten Schneeleoparden im Handel seien. Insgesamt lebten nach Schätzungen höchstens noch 7000 der Großkatzen. Um einen einzigen Mantel herzustellen, müssten je nach Größe zwischen sechs und zwölf Schneeleoparden ihr Leben lassen. Die Tiere stünden seit 1976 unter strengem Schutz. Jeglicher kommerzieller Handel mit lebenden Tieren, Fellen und anderen Produkten sei strikt untersagt.