Penfield Jackson Ein Microsoft-Prozess reicht dem Richter
Die zweite Prozessleitung war ihm im Januar angetragen worden. Jackson ist einer von drei Richtern an seinem Gerichtshof, denen Prozesse in einem Zufalls-Zuteilungsverfahren zugewiesen werden. In diesem Fall sollte es um eine Klage mehrerer ehemaliger Microsoft-Angestellter gehen, die ihren Ex-Arbeitgeber der ethnischen Diskriminierung beschuldigen.
Ein "Rassismus-Prozess", dessen Bearbeitung Jackson nun ablehnte: Als Begründung brachte er vor, dass er bereits in das Kartellverfahren gegen Microsoft und das anhängige Berufungsverfahren involviert sei.
Zugleich nutzte er aber die Gunst der Stunde, noch einmal kräftig gegen Microsoft auszuteilen. Er habe im Verlaufe des von ihm geführten Kartellprozesses den Eindruck bekommen, Microsoft sei ein Unternehmen mit einer "institutionalisierten Verachtung sowohl für die Wahrheit als auch für die Regeln und Gesetze, die Geringere respektieren müssen".
Microsoft hatte förmlich beantragt, dass sich Jackson aus dem zweiten Prozess zurückziehen sollte. Gegen den Richter waren im Verlauf des Berufungsverfahrens Vorwürfe laut geworden, er stehe dem Unternehmen voreingenommen gegenüber. In scharfer Form hatten die Berufungsrichter die Tatsache gerügt, dass sich Jackson im Laufe des Prozesses in ungewöhnlich deutlicher Form mit Aussagen über Microsoft an die Presse gerichtet hatte.
Jackson wehrt sich gegen den Vorwurf der Voreingenommenheit, reagierte aber auf den Antrag Microsofts, den Vorsitz im neuen Prozess abzugeben. Microsoft-Sprecher Jim Cullinan kommentierte Jacksons Entschluss als "korrekt", widersprach aber zugleich Jacksons Charakterisierung des Unternehmens.
Cullinan: "Natürlich stimmen wir den Bemerkungen Jacksons nicht vorbehaltlos zu. Da diese Dinge aber Teil der laufenden Diskussion vor dem Berufungsgericht sind, wäre es nicht angebracht, wenn wir uns dazu äußerten". Was zumindest eines beweist: Das Redmonter Unternehmen hat aus dem Verlauf des Prozesses mehr gelernt als der zuständige Richter. Thomas Penfield Jackson dürfte nun noch härter in die Kritik genommen werden.