Personalsuche mal anders Per Mausklick ins Popgeschäft
Werbung zwischen den soften Sexfilmchen, die Berlins Stadtsender TV.B mitten in der Nacht für ein recht spezielles Hauptstadtpublikum zeigt, ist aus mehreren Gründen ärgerlich: Erstens wird der Ton lauter, was den Schlaf der bereits Erschlafften stört, zweitens wird der künstlerische Akt der Selbstentblößung so manch schauspielerisch begabter Berliner Hausfrau von lautem Nummerngebrülle à la "Ruf mich an!" unterbrochen.
Was die interessierte Zuschauergemeinde der "Sexy Clips" indes seit einigen Tagen bei TV.B nächtens zu sehen bekam, dürfte sie aber nicht mit Verärgerung, sondern eher mit Verwunderung erfüllt haben: Vor grell orangenem Hintergrund und mit ähnlich leuchtenden Klamotten springen da zwei junge Menschen im Bildschirm herum und stellen sich als "Kate und Bob" vor. Was auf den ersten Blick wie eine Verkaufsschau nach amerikanischem Vorbild aussah, ist auch eine. Nur dass Kate und Bob kein Geld haben wollen, sondern die Arbeitszeit der Zuschauer. Sie wollen schlicht Jobs verkaufen. "Wir suchen noch einen Manager im Sales-Bereich", rufen sie den provokationsgewohnten "Sexy-Clips"-Fans auf dem Sofa zu, "und unsere Leitungen sind jetzt für Sie offen, melden Sie sich!"
Aus dem Witz kann ein gut bezahlter Job werden
Der Witz an der Sache: Das Ganze ist kein Scherz. Zwar findet derjenige, der die unter dem Verkaufsfeld angegebene Internetadresse (www.universal-popgeschaeft.de) anklickt, zuerst wieder nur die beiden Grinse-Gesichter von "Kate und Bob", doch auch den Bewerbungsbutton für einen Job beim Musikunternehmen Universal. Der Unterhaltungsriese zieht im Juli nach Berlin und sucht jetzt rund 180 neue Mitarbeiter, die als Popagenten von der Hauptstadt aus ganz Deutschland aufmischen sollen. Da werden Sales-Manager gesucht, IT-Administratoren oder Promotion Koordinatoren. Eigentlich Jobs, die man in einer Plattenfirma nicht auf den ersten Blick vermutet.
Einfacher Grund für den Mitarbeiter-Notstand: Fast 40 Prozent der ehemaligen Universalen aus Hamburg gehen nicht mit an die Spree. Deshalb reichen auch die Clips nicht ganz, und nebenbei werden Bauzäune mit "Kate und Bob"-Plakaten und Toiletten von Szenekneipen und Diskos mit den grellen Aufklebern der Aktion bepflastert.
Bewerbung nur im Internet
Doch hätte man diese neuen Universal-Leute nicht auch ganz normal per Stellenanzeige in den großen Tageszeitungen und einschlägigen Musikmagazinen finden können? "Natürlich", sagt der Universal-Projektverantwortliche Jacob Bilabel, "doch wir wollen die besonderen Mitarbeiter, die man nicht findet, wenn man eine Anzeige in der "Berliner Morgenpost" schaltet." Besonders wichtig sei der Schritt aus dem Internet heraus. Zwar haben selbst Institute wie die Commerzbank ihre Recruting-Verfahren übers Netz organisiert, doch Universal will mehr als eine schlichte Formbewerbung übers Internet. Nur wer die Kampagne versteht, taugt auch was - so die Maxime, die Bilabel freilich etwas pathetischer ausdrückt: "Wir wollen in jedem Bereich Mitarbeiter, die Musik lieben und damit jede Minute leben."
Eins aber soll die Universal-Kampagne vor allem sein: jung und am besten hip. Sie soll Leute ansprechen, die einen "Sinn fürs Skurrile" bereits haben und eine solche Aktion überhaupt verstehen, wie Bilabel es ausdrückt. "Wer da gleich denkt, was ist das denn für ein Schwachsinn, mit dem können wir hier nichts anfangen", sagt Bilabel, dessen Name so manchem Berliner noch vom ebenso provokanten Boulevard-Internet-Magazin "Thema1" ein Begriff sein dürfte. "Langweilige Mitarbeiter langweilen ihre Mitarbeiter, da ist keinem geholfen", so der Universal-Mann.
Provokateure unter sich
Natürlich verschweigt Bilabel auch nicht, dass die ganze Aktion auch Aufsehen für Universal an sich erregen und die Marke mit einem gewissen Kultstatus versorgen soll. Zu diesem Zweck hat der Universal- und Ex-"Thema1"-Mann Bilabel die Hamburger Agentur "Herr Rogge und Frau Pott" und seine beiden alten "Thema1"-Kollegen Jasna Zajcek und Marcus Schröder ins Rennen geschickt, die "Kate und Bob" mit allen Mitteln der Provokation und leichten Täuschungen in der Hauptstadt bekannt machen sollen. Dazu wurden Fake-Lebensläufe erdacht und jede unterschiedliche Zielgruppe wurde mit ihrer Version von "Kate und Bob" versorgt.
Bisher gelingen die Täuschungsmanöver in Sachen Universal-PR ganz gut. Mal werden die beiden Kunstfiguren in der Szenezeitschrift "030" als echte amerikanische Homeshopping-Stars gefeiert, ein anderes Mal berichtet das Schwulen-Magazin "Sergej" über die beiden als Helden der "US-Gay-Community". Auch die Redakteure des Sat.1-Frühstücksfernsehens stellten nicht eine Frage nach der wirklichen Identität der beiden Werber in Sachen Universal-Mitarbeiter und sendeten ein Interview mit ihnen am Montagmorgen. Und auch zur "Echo"-Verleihung am kommenden Donnerstag haben sich die Agents provocateurs in Sachen Bewerbersuche bereits etwas ausgedacht, was sie natürlich noch nicht verraten wollen.
Ob die Kampagne neben Medienpräsenz und Erfolgsgefühlen der Provokateure ihren eigentlichen Sinn erfüllt, ist noch offen. Bisher kommen am Tag um die 150 Bewerbungen bei Universal an. "Die Besten haben wir schon eingestellt", so Bilabel.