Klo-App Pooductive Toiletten-Chat für den guten Zweck
Spruch aus der App Pooductive: Eine klare Ansage
Stilles Örtchen? Na ja. Den Toilettenbesuch scheinen längst nicht mehr alle Menschen als Gelegenheit für ein paar Minuten zurückgezogener Muße zu nutzen. Diverse Studien legen nahe, dass viele Smartphone-Besitzer ihre Geräte sogar auf der Toilette nicht weglegen . Was also wäre naheliegender, als eine App für exakt diese Nutzungssituation zu erfinden?
Gemacht haben das die zwei spanischen Entwickler von Pooductive, Ricardo Gruber und Marco Hernandez . Die beiden kommen viel in der Welt herum und lernen gern neue Leute kennen. Nach eigenen Angaben suchten sie einen Weg, das auf möglichst komische Weise zu tun. Also dachten sie sich eine Chat-Anwendung fürs Klo aus, die bei jeder Sitzung von zwei oder beliebig mehr Nutzern verwendet werden kann.
Wer sich auf dem Thron langweilt, kann sich über Pooductive mit anderen Menschen verbinden, die in derselben Situation sind - zumindest vorgeblich. Der Chat ist anonym und bietet zudem eine Art soziales Netzwerk. Beim Unterhaltungen kann ausgewählt werden, ob lieber Nutzer in der Nähe oder sonstwo in der Welt angesteuert werden.
Noch ist die App etwas langsam
Derzeit ist die Gratis-Applikation nur für Apples iOS zu haben , die beiden Entwickler sagten SPIEGEL ONLINE jedoch, dass in den kommenden Wochen eine Android-Version erscheinen soll. In nächster Zeit will sich das Duo außerdem um die Pooductive-Serverprobleme kümmern, die das Chat-Erlebnis momentan noch ein wenig zäh machen.
Trotzdem soll die Pooductive-App schon jetzt die Kreativität ihrer Nutzer freisetzen, ganz ähnlich, wie das unter der Dusche geschehe, so Ricardo Gruber. Denn die Zeit auf der Toilette erlaube von ihrem Hauptzweck abgesehen leider keine anderen produktiven Beschäftigungen.
Durch die App werde der Abort zu einem "magischen Ort, an dem sich Menschen aus aller Welt anonym treffen können, um gemeinsam ihre Zeit des Zen, des Friedens und der Stille zu genießen, indem sie sich unterhalten, philosophieren und Ideen miteinander austauschen".
Ulk-App oder etwas Seriöses?
Abseits der Chat-Funktion haben Nutzer allerdings noch nicht viele Möglichkeiten, kreativ zu werden. Die einzige Zusatz-Funktion ist die Möglichkeit, Songtitel auszusuchen und zu verschicken, die die Art des persönlichen Toilettenerlebnisses möglichst akkurat beschreiben sollen.
Die Auswahl sollte für alle üblichen Aggregatszustände ausreichen. "Some Kind of Monster" von Metallica kann ebenso ausgesucht werden wie "Life in the Fast Lane" von den Eagles oder auch der "Imperial March" aus "Star Wars - Das Imperium schlägt zurück".
So richtig entscheiden kann sich Ricardo Gruber übrigens nicht, ob seine Erfindung nun eine Ulk-App sein soll oder doch etwas Seriöseres. Langeweile auf dem Klo sei zweifellos ein Luxusproblem in Industriestaaten, sagt er. Gleichzeitig habe seine App eine ernsthafte Zielsetzung, nämlich ein Bewusstsein für die Hunderte Millionen Menschen auf der Welt zu schaffen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Pooductive beteiligt sich an einer Wohltätigkeitsaktion namens "charity: water" und sammelt Spenden .
Anfangs stieß Pooductives Mischkonzept aus Witz und Philanthropie allerdings nicht auf besonders großes Interesse. Eine Kickstarter-Kampagne, die 10.000 Euro einwerben sollte, wurde im Juni abgebrochen . Per viraler Verbreitung läuft es nun deutlich besser, im Pooductive-Blog wurde vor gut einer Woche stolz verkündet, dass die App mittlerweile 20.000 Nutzer hat .