Pressestimmen: "Kein virtueller Wilder Westen" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Pressestimmen "Kein virtueller Wilder Westen"

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

The Washington Post (USA):

"Ein Gorilla ist ein Unternehmen, ohne das andere Firmen einfach nicht auskommen, eine Firma, für die es scheinbar keine Alternative gibt. Ein Gorilla etabliert eine Standard-Architektur. Wer seine Produkte nicht kauft, kann seine Dienste nicht in Anspruch nehmen. Wer seine Dienste nicht in Anspruch nimmt, kann nicht arbeiten, nicht funktionieren.

Microsoft Windows hat längst diesen Status erlangt. Versuche, den Gorilla zu bezwingen können leicht fehlschlagen. Denn, wenn es einen Gorilla gibt, meiden Geschäftsleute das Risiko, das sie auf sich nehmen würden, wenn sie zu einem Newcomer überlaufen."

New York Times (USA):

"Richter Jackson hat das Problem einen akzeptablen Ausweg zu finden. Denn der Regierung ist es nicht gelungen, einen entscheidenden Beweis dafür zu finden, dass Microsoft bereits Verbraucher geschädigt hat.

Es stimmt, Microsofts taktisches Verhalten sorgte dafür, dass der Preis für Windows etwas zu hoch blieb und Innovationen der Betriebssysteme gebremst wurden.

Aber um wieviel? Und wieviel Einfluss ist Microsoft dabei zuzuschreiben?"

Liberation (Paris):

"Der Fall der Microsoft-Aktien an der Wall Street wird wahrscheinlich bei den Aktionären und Finanzpartnern des Konzerns die Frage aufwerfen, ob die von Bill Gates gewählte Kriegsstrategie gegen die US-Regierung die Richtige ist. Seine Schwierigkeiten werden die bisher eher diskreten Konkurrenten anfeuern, während sie gleichzeitig dem Kreuzzug des Justizministeriums insgeheim Applaus spenden.

Die wichtigste Botschaft Richter Jacksons richtet sich aber - über den hochmütigen Bill hinaus - an alle Akteure der so genannten Neuen Wirtschaft. Diese Neue Wirtschaft kann kein virtueller Wilder Westen sein, in der Hand derer, die als erste den Colt ziehen und am schnellsten schießen, um die Rivalen auszuschalten und um sich das Monopol auf die Goldminen der neuen elektronischen Welt zu sichern."

Corriere della Sera (Rom):

"Es war der härteste Tag in der Geschichte von Microsoft und im Leben von Bill Gates. In einem vernichtenden Urteil, das drastische Maßnahmen gegen den König der Software einleiten könnte, einschließlich massiver Schadensersatz-Zahlungen an andere Unternehmen und Konsumenten, hat Richter Thomas Penfield Jackson ihn wegen Verletzung des 100 Jahre alten 'Sherman Antitrust Act' und der Kartellgesetze für schuldig erklärt. Jackson hätte bei seinem Urteil keinen härteren Ton anschlagen können.

Aber Gates ist nicht der Typ, der kapituliert. Einige Börsen- Experten, die das Vertrauen des Microsoft-Gründers teilen, meinen, dass seine Aktien sehr bald wieder steigen; andere rechnen mit einer langen Zeit der Krise."