ProSieben Besucherdaten online
Auf der Website des Privatsenders ProSieben konnten am Donnerstag "für kurze Zeit" E-Mail-Adressen von Online-Spielteilnehmern eingesehen werden. Das erklärte ein Sprecher des zur KirchGruppe gehörenden Senders und bestätigte damit einen Bericht von Heise.
In der Version von ProSieben hört sich der Vorgang so an: Die Panne sei durch einen Programmierfehler entstanden und einem Nutzer aufgefallen, der ProSieben sofort darüber informiert habe. Die Sicherheit der Website sei nach weniger als zehn Minuten wieder hergestellt worden, sagte der ProSieben-Sprecher - zehn Minuten, nachdem ProSieben die Panne bekannt wurde, wohlgemerkt. Wie lang diese bestand, ist im Nachhinein nicht mehr zu klären.
Und was gab es bei ProSieben zu holen? Antworten auf Quizfragen zum Beispiel. Dazu Daten von mehreren Tausend Zuschauern inklusive ihrer E-Mailadressen. Unter anderem betroffen waren Teilnehmer von Online-Spielen der Wissenschaftssendung Galileo.
ProSieben ließ durch seinen Sprecher beschwichtigen: Wie viele E-Mail-Adressen im Netz gestanden hatten, könne er nicht sagen. Und ließ die lächerliche Bemerkung folgen, nach Erkenntnissen von ProSieben seien die E-Mail-Adressen "weder kopiert noch verändert" worden. Auf welch mirakulöse Weise das Unternehmen einen "Kopiervorgang" von einem bloßen Aufruf des Adressverzeichnisses unterscheiden können will, blieb ungeklärt. Zumindest der Nutzer, der ProSieben angeblich von der Lücke unterrichtete, besitzt ja eine Kopie, selbst, wenn er diese nicht bewusst gezogen hätte: Im Cache seines Web-Browsers.
Das Unternehmen entschuldige sich bei den Spielteilnehmern. Generell sei die Pro7-Website sicher, sagte der Sprecher.
Heise hatte darauf hingewiesen, dass die Sicherheitslücke kein "Unfall" war. Sie kam vielmehr durch einen Programmierfehler zu Stande. Bis zur Behebung der "Panne" war es möglich, von außen auf die Administrationsoberfläche der Datenbank zuzugreifen: Es gab keinerlei Passwortschutz. Die ProSieben-Mär von der "nur kurze Zeit" bestehenden Sicherheitslücke ist darum nicht unmöglich, aber wenig wahrscheinlich. Heise: "Die Sicherheitslücke führt deutlich vor Augen, wie sorgfältig man mit Administrationswerkzeugen wie phpMyAdmin umgehen muss. So sehr sie die Datenbankverwaltung erleichtern, so einfach machen sie es auch Eindringlingen, wertvolle Informationen einzusehen und zu manipulieren."