Prozess Babyhandel im Web
Als die 39-jährige Frau sich einmal entschlossen hatte, ihr Kind zur Adoption freizugeben, war alles weitere ganz einfach: Da gab es diese Website , die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Ersatzmütter, Sperma-Spender und Kindersuchende zusammenzubringen. Sie inserierte ihr noch ungeborenes Kind und traf auf große Nachfrage: 80 bis 100 Interessenten, sagte die junge Frau am Donnerstag vor einem Gericht im Bundesstaat Victoria, hätten sich auf die Anzeige gemeldet.
Mit einem Paar wurde sie handelseinig: Für 5600 US-Dollar sollte ihr Kind nach der Geburt in die Hände eines Ehepaars aus New York wechseln.
- Ersatzmütter Online:Dienstleistungsseite, Anzeigenbörse, Marktplatz
- Kid & Tot Adoption Agency:Kind aus Asien gefällig?
- Wishing to adopt:Potenzielle "Kundensuche" über das Web
- Adoption Search:Eltern suchen verlorene Kinder, Kinder unbekannte Eltern
Am Ende ließ sie den geschlossenen Vertrag platzen, das Ehepaar klagte. Nach der Geburt, sagte sie im Prozess aus, habe sie das Kind nicht mehr abgeben können. Ihr ursprüngliches Motiv lag darin, dass die Schwangerschaft Resultat einer Vergewaltigung gewesen sei. Das Kind wurde ihr inzwischen abgenommen und zumindest bis zum Ende des Prozesses in eine Pflegefamilie gegeben. Zu verantworten hat sich die Mutter wegen des Verstoßes gegen die australischen Adoptionsgesetze, die eine Veräußerung von Kindern nicht zulassen.
Ein Einzelfall ist der Verkauf von Kindern jedoch auch in der industrialisierten Welt nicht. Im letzten Jahr machten die so genannten Internet-Zwillinge Schlagzeilen, die von ihrer Mutter gleich an zwei Paare in Amerika und England verkauft wurden.
Schlaglichter auf einen zynischen Handel, von dem Experten vermuten, dass er durch das Aufkommen des World Wide Web bisher ungeahnte Ausmaße erreichte. Lag der Handel mit Babys früher in der Hand von mafiös organisierten Banden, ist heute der Direktverkauf über das Web theoretisch jedem möglich. Gerade im Web sind seriöse Organisationen und Agenturen von jenseits der Gesetze operierenden nicht zu unterscheiden.
Entsprechende Suchanfragen bei Google führen ohne Umschweife zu professionellen und professionell erscheinenden Adoptionsagenturen wie der "Kid & Tot" -Agentur, die gegen Zahlung Kinder aus China, Malaysia und Indonesien vermittelt. Auch der andere Weg ist möglich: Webseiten wie das "Wishing to adopt Forum" erleichtern verkaufswilligen Müttern die Kundensuche. Aus Perspektive der Betreiber ein Missbrauch solcher Foren - an der Sache ändert das jedoch nichts.
Das Gros der 184 über die Suchwortkombination "looking for baby" und "adoption" gefundenen Seiten ist jedoch von völlig anderer Natur: Es sind Hilferufe . Dort suchen adoptierte Kinder ihre leiblichen Eltern und Eltern ihre irgendwann zur Adoption freigegebenen Kinder.