Realsatire Microsoft baut kein Klo
-
(Das Geräusch einer rasselnden Toilettenrolle. Jemand reißt Papier ab. Die Spülung rauscht. Der Deckel fällt knallend und nachhallend zu.)
Radiosprecher 1:
Schluss damit. Nein, dementiert die Redmonder Zentrale, Microsoft habe keine unmittelbaren Pläne, in die Produktion von Toilettenhäuschen einzusteigen. Das sei einzig und allein auf dem Mist der britischen Dependance gewachsen, die ganz tief hineingegriffen hätte in ihre Ideenkiste, ohne sich mit Redmond zu beraten.
Frauenstimme (schnell, seelenlos-robotisch und blechern) : "Die iLoo-Pressemitteilung kam aus dem britischen Büro und war von der Unternehmenskommunikation nicht sanktioniert. Wir entschuldigen uns für alle Irritationen, die dies verursacht haben mag."
Radiosprecher 1: Soweit Microsoft-Sprecherin Bridgitt Arnold.
Radiosprecher 2: So kurz, so gut wäre das nun geklärt auch, wenn es die Fakten etwas verdreht: Die "Irritationen" beginnen ja erst mit diesem Dementi.
Radiosprecher 1: Augenscheinlich hatte ja niemand bezweifelt, dass die Werbefachleute von MSN sich ein Surf-Klohaus zum Einsatz auf Rockfestivals hatten einfallen lassen. Hatten sie nicht im Jahr davor Parkbänke mit Surfterminals aufgestellt?
-
2 Min
Radiosprecher 2: Selbst auf Nachfragen bestätigte Microsoft UK die Geschichte und hatte die anderen Microsoft-Dependancen zumindest in Europa ebenfalls gebrieft. Die Rückfrage in München jedenfalls führte ebenfalls zu einer Bestätigung und zur prompten Lieferung schicken Bildmaterials.
"Chor der User" (mindestens dreißig Stimmen, die laut im Raum hallen, intoniert wie "Wo ist der Deinhardt?") : "Warum auch kein Klo?"
Radiosprecher 1: Gute Frage. Unverständlich ist an der Toiletten-Affäre doch allein der überstürzte Rückzug, denn es gibt ja gute und gewichtige Gründe für Microsoft, in die Kloproduktion einzusteigen. Man beachte nur das ungewöhnlich freundliche weltweite Presseecho: Selten wurde eine Unternehmensnachricht von Microsoft so freudig und ohne das sonst so übliche Microsoft-Bashing zur Kenntnis genommen und verbreitet.
Frauenstimme: AP und Reuters trugen die gute Nachricht um die Welt, neben dem "Wallstreet Journal" und der "Washington Post" berichteten Hunderte englischsprachige Medien über das Klohaus und selbst die deutschen Medien machten mit, inklusive SPIEGEL ONLINE. Jetzt aber soll das alles "ein Aprilscherz" gewesen sein, wie MS-Sprecher Nouri Bernard Hasan das gegenüber CNet formulierte.
Radiosprecher 1 (vielleicht könnte man Uli Wickert für den Job gewinnen?) : Das irritiert nun wirklich mehr, als der Bruch in der Firmentradition, statt Software nun Klohäuser produzieren zu wollen: Aprilscherze macht man alter Sitte folgend am 1. April. Für Microsoft gilt das dagegen scheinbar nicht: Mit der Veröffentlichung des iLoo-Aprilscherzes am 2. Mai dokumentierte die britische Presseabteilung souverän, dass Microsoft zu jeder Jahreszeit in der Lage ist, Aprilscherze zu produzieren.
Radiosprecher 2: Nur der "Inquirer" hämt heute, dass gerade das Mai-Datum ein deutlicher Beleg dafür sei, dass es sich wirklich um einen Aprilscherz der Microsoft-Presseabteilung gehandelt habe: Schließlich drücke sich darin das Microsoft-typische Feingefühl für Timing aus.
-
(hier bitte kichernde Apple-Fans einblenden!)
Uli Wickert: Oder steckt mehr dahinter?
Radiosprecher 2: Vielleicht ist das Aprilscherz-Argument nichts als ein Alibi. Unmöglich ist das nicht: Ganz so, wie weltweit Mac-Fans umgehend erkannt haben wollen, dass jemand von dem in der letzten Woche von Bill Gates vorgestellten "Athens"-Computer heimlich das "Apple"-Logo abgeknibbelt habe, behauptet auch der Student Andrew Cubitt, die Idee des iLoo habe doch schon sehr konkrete Vorbilder gehabt.
Frauenstimme: Sein iLoo zum Beispiel.
Radiosprecher 2: Das iLoo will er an der Uni entwickelt haben, und tatsächlich sei es auch schon einige Male öffentlich gebraucht worden auf Ausstellungen zumindest. Doch damit nicht genug:
O-Ton Andrew Cubitt: "Meins kann alles, was das Microsoft-Klo einmal können soll, aber darüber hinaus druckt es Webseiten auf Klopapier und braucht auch keine Tastatur, aus Hygienegründen."
Uli Wickert: Kurzum: Microsoft habe ein Internetklo bauen wollen, dass nicht ganz alles, was Cubitts schon vor Jahren konnte, hätte können sollen, nur schlechter.
-
(Hier bitte noch lauter kichernde Apple-Fans einblenden!)
Radiosprecher 2: Des Pudels Kern jedoch mag in einem Nebensatz stecken, den Cubitt dem "Inquirer" ganz beiläufig hinwarf:
- Enthüllt:Der "Inquierer" über Andrew Cubitt, den wahren Kloerfinder
- Der Klopapier-Drucker
- Bio von Ulrich Wickert bei Tagesschau.de
O-Ton Cubitt: "Da das Ding an der Uni entwickelt wurde, hält diese einen Teil der Rechte und wird also die Microsoft-Erfindung sehr genau im Auge behalten".
Radiosprecher 2: Cubitt aber, gebürtig Brite, studierte an einer amerikanischen Universität.
-
(Hier bitte dumpf dröhnende, die düstere Bedrohung betonende Musik einblenden!)
Uli Wickert: Schlimmer noch: Inzwischen habe sich der Kloerfinder auf die Juristerei verlegt, behauptet der "Inquirer". Spezialisieren wolle sich der künftige Anwalt auf geistiges Eigentum, respektive dessen Diebstahl.
-
Drohende Musik bricht plötzlich ab. Einige Sekunden herrscht Stille. Der folgende Satz fällt schwer und gewichtig und nur mit leichtem Hall dröhnend, langsam und akzentuiert und mit einem Timbre gelesen, das man sonst nur von der Radio-Wettervorhersage kennt (Elmar Gunsch? Ben Becker?)
Sprecher 2: Wenige Stunden später erfolgte das Dementi aus der Redmonder Zentrale, und das Kloprojekt verschwand im Orkus.
(Stille. Irgendwo tropft ein Wasserhahn. Pitsch. Pitsch. Pitsch. Vier Sekunden Stille.)
Ben Becker: Die Pressearbeit von Microsoft aber stürzt das direkt in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise.