Relaunch: Der BND ist nichts für Kinder - DER SPIEGEL
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Relaunch Der BND ist nichts für Kinder

Der Bundesnachrichtendienst BND will sich mit einer neuen Internetseite in der Öffentlichkeit besser verkaufen. Die Chance, so auch jüngere Zielgruppen zu erreichen, verpassen die Geheimdienstler jedoch. Dabei gibt es Vorbilder: CIA und Verfassungsschutz zeigen, wie es geht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein neuer Internetauftritt soll die Arbeit des BND transparenter machen. Mit einer neuen Struktur des Web-Angebots  will der Dienst zukünftig stärker "Events und Symposien" zur Terroraufklärung, Organisierten Kriminalität, Atomwaffenverbreitung oder Auslandsaufklärung publik machen. Auch einzelne Telefonnummern von BND-Mitarbeitern werden erstmals ins Netz gestellt. Alles aber bleibt behördenhaft sachlich, eine Imagepflege bei jüngeren Zielgruppen hat der BND ausdrücklich nicht im Sinn. Dem Beispiel der US-amerikanischen Central Intelligence Agency (CIA), die bereits seit 1998 eine Kinderseite  publiziert, will der BND nicht folgen.

Dabei bieten solche Seiten erstklassige Gelegenheiten zur Imagepflege. So bietet die "Kids-Page" des CIA Mini-Schlapphüten Einblicke ins angeblich spannende Agentenleben. Sie lockt mit Spionageartikeln – von der winzigen Minoxkamera, dem Kampfmesser bis hin zum Roboterfisch "Charly". In unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen können sich die CIA-Kinder an Verschlüsselungsmaschinen wie der legendären "Enigma" ausprobieren. In einem virtuellen CIA-Museum werden den Kleinen auch ein in Afghanistan ausfindig gemachtes Terrorhandbuch sowie eine Gasmaske von al-Qaida präsentiert.

Für Eltern und Lehrer gibt es Tipps, wie man mit dem Internet und E-Mail-Verkehr datengeschützt umgeht. Auf der verlinkten Kinderseite des militärischen Partnerdienstes Defence Intelligence Agency  können die Junioren auch Luftkämpfe üben oder sich am schnellen Einsacken von geheimen Dokumenten versuchen.

Dass solche Angebote den oft mit Misstrauen konfrontierten Geheimdiensten nur gut tun können, wurde - wenn auch nicht in Pullach - auch schon in Deutschland bemerkt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) betreibt ebenfalls schon eine Jugendseite Jugend@BfV , um " junge Menschen anzusprechen ", die "häufig Ziel politischer Propaganda extremistischer Gruppen" würden. Mit einem "BfV-Quiz" sollen den Junior-Spionen unter Anleitung des Comic-Adlers Leo Lupix Grundkenntnisse vermittelt werden. Im PC-Spiel "Was steckt dahinter?" sollen in der "Berliner Unterwelt geheime Dokumente überbracht werden".

Eine solche Jugendbetreuung strebt der BND für seinen neuen Netzauftritt jedoch nicht an. "Wir werden darauf verzichten, eine solche Jugendseite für die Mitarbeitergewinnung einzurichten", sagt eine BND-Sprecherin in Berlin und macht so das Missverständnis des Dienstes klar: Auch die CIA wirbt nicht um Kinder-Agenten. Sie wirbt um Sympathie.