"Rent a Hacker": Service pur - Einbruch auf Bestellung - DER SPIEGEL
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"Rent a Hacker" Service pur - Einbruch auf Bestellung

Mehr als 500 Unternehmenscomputer hat die schwedische Firma Defcom bereits geknackt, nun will sie ihr Geschäft auch in Deutschland betreiben. Das Interesse in den Chefetagen ist groß. Denn Defcom hackt sich legal in die Systeme und zeigt so Sicherheitslücken auf.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg/Stockholm - Es dauert keine drei Minuten, dann hat Tom den Code geknackt. Auf der Monitorwand flimmern Zahlen und Befehle, an deren Ende steht kurz: "Success!", Erfolg. Tom ist Hacker, und er ist gerade in einen Unternehmenscomputer eingedrungen. Im Unterschied zu den "bösen" Hackern ist Tom aber "einer von den Guten" und Angestellter der schwedischen Firma Defcom Securities. Defcom lässt sich die Angriffe von den betroffenen Unternehmen bezahlen. Jetzt will der schwedische Marktführer das Motto "Rent a Hacker" auch nach Deutschland tragen, um die Schwachstellen von Firmennetzwerken aufzuspüren.

In rund 500 Firmen ist Defcom bereits legal eingebrochen, sagt der deutsche Geschäftsführer Nicholas Funke. Das Ergebnis war verheerend: Alle Firmen hatten Defcom zufolge riesige Sicherheitslöcher. "Türen und Tore stehen Hackern weit offen", analysiert der 28-Jährige in eigener Sache. Daran habe auch die von Hackern losgetretene Virenlawine "I love you" nur wenig geändert. "Die Hälfte unserer Angriffe gelingt wegen schlechter Passwörter", erzählt Funke. Oft stehlen Hacker die Firmendaten auch bei einem Partnerunternehmen, einem Kunden oder über privat installierte Modems in den Büros.

Defcom will die Schwachstellen auf mehreren Wegen beseitigen: durch technische Beratung, Erarbeitung von Schutzstrategien, Aufklärung und regelmäßige Einbruchtests. In Stockholm hat die Firma Defcom eine Alarmzentrale eingerichtet, auf der Zugänge und Netzwerke des Kunden stetig rund um die Uhr überwacht werden. Zunächst wird das Netz getestet und mit Alarmanlagen aufgerüstet. Dann übernehmen Mitarbeiter wie Tom als "Wachmänner" die Abwehr von Eindringlingen. Angreifer können nicht nur erkannt, sondern auch verfolgt werden. "Dafür haben viele Firmen weder ausreichend Kapazitäten noch Kenntnisse", erklärt Funke.

Der Markt für Sicherheitsdienstleistungen umfasst Schätzungen zufolge fünf Milliarden Dollar und soll sich in fünf Jahren vervierfachen. Innerhalb von 13 Monaten hat sich Defcom in Schweden zu einer führenden Sicherheitsfirma mit rund 70 Mitarbeitern entwickelt. Sie betreibt Niederlassungen in Großbritannien, Spanien, Dänemark, Norwegen und in Berlin. Dort soll wie in Stockholm noch im Sommer eine Alarmzentrale für die 24- Stunden-Überwachung gebaut werden.

"Wichtig ist, wie ein Hacker zu denken", erklärt Funke das Firmenkonzept. Defcom entwickelt und testet Software-Werkzeuge selbst und verlässt sich selten auf kommerzielle Programme. Die jugendlichen Mitarbeiter werden aus der Hacker-nahen Szene rekrutiert. Noch wichtiger sei aber die Aufklärung der Kunden über die Gefahren. "Es sollte einfach jeder wissen, dass man keine Passwörter an den Bildschirm klebt", betont Funke. "Jedes Unternehmen muss Verkehrsregeln aufstellen und die Einhaltung überwachen."

Daneben hilft Defcom auch bei der Verfolgung von Kriminellen. Der Sicherheitschef der Firma war bei der schwedischen Kriminalpolizei und hat auch bei Defcom Erfolge vorzuweisen. Zwei Studenten der Universität Stockholm hatten kürzlich versucht, ein Finanzunternehmen mit gestohlenen Daten zu erpressen; sie wurden von Defcom gefasst. Den Namen des "sehr großen" Unternehmens verrät allerdings niemand. Vertraulichkeit gehört zum Handwerk.