Reporter ohne Grenzen Yahoo zensiert am stärksten
Die Organisation verglich die Suchergebnisse von Yahoo mit denen von Google, MSN und der chinesischen Suchmaschine Baidu. Dabei habe man "bedeutsame Unterschiede im Ausmaß der Filterung" festgestellt. Nutzer der Betaversion von MSN.cn finden demnach immer noch mehr nicht staatlich autorisierte Informationen als Nutzer von Yahoo und dem chinesischen Anbieter Baidu.
Microsoft hat in der Vergangenheit stets behauptet, man zensiere nicht, das jedoch stimmt Reporter ohne Grenzen zufolge auch nicht: Die Ergebnisse, die MSN.cn lieferte, stimmten weitgehend mit denen von Google.cn überein. Google gibt offen zu, dass die chinesischen Suchergebnisse den Wünschen der dortigen Regierung entsprechend frisiert werden. Bei Google erbrachten "subversive" Suchbegriffe wie "Demokratie" oder "Menschenrechte" im Schnitt 83 Prozent Ergebnisse, die den Beifall von Chinas Regierung finden, bei MSN.con waren es 78 Prozent. Bei einem unzensierten Angebot wie Google.com erbringen die gleichen Suchbegriffe nur 28 Prozent Ergebnisse aus pro-Peking-Quellen.
Microsoft filtert nach den Ergebnissen der Studie ebenso wie Google nicht, indem bestimmte Suchwörter blockiert werden, sondern indem unerwünschte Seiten gar nicht erst in den Suchindex aufgenommen werden.
"Besonders schockiert" sei man vom Ausmaß der Zensur bei Yahoo.cn, so Reporter ohne Grenzen. Dort ergaben die "subversiven" Suchbegriffe Ergebnisse, die zu 97 Prozent aus von der chinesischen Regierung abgesegneten Seiten bestanden. Selbst der chinesische Konkurrent Baidu zensiere nicht so stark. Bestimmte Suchbegriffe wie "6-4" (das Datum des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking) oder "Tibet Unabhängigkeit" führten sogar zu einer kurzfristigen Blockade für den Nutzer. Es erscheine zunächst eine Fehlermeldung, bei einer erneuten Suchanfrage reagiere die Yahoo-Seite dann gar nicht mehr. Erst nach einer Stunde könne der Dienst dann wieder genutzt werden. Die gleiche Technik benutzt auch Baidu.cn, andere ausländische Suchmaschinen aber nicht.
Zum wiederholten Mal fordert Reporter ohne Grenzen nun die Suchmaschinenbetreiber auf, sich nicht den Zensurwünschen aus Peking zu beugen: "Wir sind überzeugt, dass diese Firmen immer noch Zugang zum chinesischen Markt finden können, ohne ihre ethischen Prinzipien zu verraten. Sie müssen der chinesischen Obrigkeit gegenüber eine feste und klare Haltung einnehmen."
Gerade Yahoo war von der Organisation in der Vergangenheit immer wieder stark kritisiert worden,auch deshalb, weil das Unternehmen durch Herausgeben persönlicher Daten seiner Nutzer zu Verhaftungen von Dissidenten beigetragen haben soll.
cis