RIAA: Hilary Rosen dankt ab - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

RIAA Hilary Rosen dankt ab

Sie steht fast synonym für den Kampf der Musikindustrie gegen P2P-Börsen. Seit 1998 ist die Lobbyistin Hilary Rosen Chefin des mächtigen Branchenverbandes RIAA. Nicht mehr lang: Zum Jahresende legt sie den Vorsitz nieder, "aus persönlichen Gründen".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Ich liebe diesen Job", erklärte Hilary Rosen am Mittwoch, "aber ich will einfach Zeit mit meinen Kindern verbringen. Jedes Mal, wenn eine Geschäftsreise ansteht, betteln sie, ich solle nicht gehen".

Viel persönlicher kann die Begründung für einen Rücktritt kaum ausfallen: Zum Jahresende, erklärte Hilary Rosen, werde sie den Vorsitz der Recording Industry Association of America (RIAA) niederlegen. Seit 17 Jahren arbeitet sie für die mächtige Lobbyorganisation der Musikindustrie, seit 1998 gibt sie dort den Ton an.

Und der hat sie unter Musikfans zu einer der unpopulärsten Personen weltweit gemacht. Fast synonym steht ihr Name für den eisenharten Kampf der Industrie gegen P2P-Börsen. Auf der Habenseite verbucht sie in ihrer Amtszeit erfolgreiche Prozesse gegen MP3.com, Napster, Aimster, Audiogalaxy und andere.

Mit dem Versuch, eine Gesetzesvorlage zu initiieren, die unter der Begründung der Terrorismus-Prävention der Musikindustrie erweiterte Schnüffelrechte eingeräumt hätte, scheiterte sie jedoch. Eine andere wurde vom Kongress zunächst genehmigt und erst nach massiven Protesten von Musikern und Autoren zurückgenommen: Beharrliches Lobbyieren führte 1999 zu ihrem Pyrhussieg in Sachen Copyright, der zeitweilig das Besitzrecht der Musikindustrie über so genannte Masterbänder festschrieb. Gegenüber der Öffentlichkeit stets Anwältin der Musikbranche, ist sie innerhalb der Szene seitdem heiß umstritten: Ihre Lobbyarbeit gilt vornehmlich den Interessen der Rechteverwerter, nicht der Urheber.

Trotzdem, beharrt Rosen, seien die Gründe für ihren Rücktritt vornehmlich privater Natur. Sie ist Mutter inzwischen vierjähriger Zwillinge und hatte verbandsintern seit längerem ihren Rücktritt im Laufe des Jahres 2003 angekündigt. Weder Anfeindungen noch der andauernde Stress hätten mit ihrer Entscheidung irgend etwas zu tun: "Tatsächlich habe ich fast alles an diesem Job geliebt, selbst auf dem Höhepunkt öffentlicher Antiphatie".

Mehr lesen über