Robocalls Google baut Spam-Filter für Telefonanrufe
Beliebtes Spam-Symbolbild: Google hat einen Anruffilter entwickelt
Foto: Justin Sullivan / AFPSpam kommt heute auf vielerlei Wegen ins Haus, unerwünschte Reklame-Mails verstopfen das E-Mail-Postfach, und bei manchen klingelt auch regelmäßig das Telefon. Bei diesen in den USA Robocalls genannten Anrufen versucht dann eine mehr oder weniger blecherne Computerstimme, dem Angerufenen mehr oder weniger nutzlose Dinge aufzuschwatzen.
Wohl dem, der einen Spam-Filter hat. Beim E-Mail-Postfach klappt das schon ganz gut. Richtig konfiguriert, hält so eine Funktion das Postfach schön sauber. Beim Telefon sieht das noch anders aus. Allein in den USA gibt es jeden Monat mehr als 200.000 Beschwerden über nervige Robocalls. Grund genug für die amerikanische Handelskommission FTC, im Oktober 2012 einen Wettbewerb für die beste Abwehrlösung zu veranstalten.
Mehr als 800 Programmierer und Entwickler machten sich ans Werk und reichten Vorschläge ein, am Dienstag wurden die Gewinner verkündet . Den ersten Platz und das Preisgeld von 50.000 Dollar teilen sich Aaron Foss und Serdar Danis, zwei Programmierer. Daneben gab es einen Preis für die beste technologische Leistung für Einreichungen von Konzernangestellten. Hier standen mit Daniel Klein und Dean Jackson zwei Google-Angestellte auf dem Siegertreppchen.
Die FTC-Jury fand dabei Kleins und Jacksons Ansatz preiswürdig, der zum Ausfiltern nervtötender Maschinenanrufe eine Technik analog zum Filtersystem vorsieht, das den Google-Dienst Gmail sauber halten soll. Hier können Nutzer die Telefonnummern der Spam-Anrufer in eine Datenbank eintragen. Darüberhinaus blockiert das System offensichtlich fälschlich vorgeschobene Anrufernummern.
Danis und Foss schlugen vor, mit Hilfe von Blacklists und Whitelists unerwünschte Anrufer zu blockieren. Dies könnte durch ein kleines Zusatzgerät am Telefon beziehungsweise eine App für Smartphones gelöst werden . Darüberhinaus sehen die prämierten Vorschläge vor, automatische Telefon-Spammer durch einen Captcha-artigen Test abzuwehren. Mit dieser Methode müssen zum Beispiel Kunden von Onlineshops beweisen, dass sie Menschen sind. Einen ähnlichen Turing-Test müssten dann auch Telefonanrufer über sich ergehen lassen.
Charles Harwood, für Verbraucherschutz bei der FTC zuständig, erklärte, die Siegerlösungen könnten eine Trendwende bei illegalen Spam-Anrufen markieren. Er hoffe, diese Konzepte würden bald zur Marktreife gelangen und Millionen geplagter Amerikaner Erleichterung verschaffen .
Mit einem Blacklist-System arbeitete auch ein 2012 abgeschlossenes Forschungsprojekt der Fachhochschule Köln, das vor allem auf die Blockierung von Spam-Anrufen über IP-Telefonie abzielte. Die Analyse der Audiodaten sollte dabei zuverlässig künstliche von menschlichen Anrufern unterscheiden. Auch in Deutschland ist unerlaubte Telefonwerbung verboten, auf den Verstoß stehen hohe Bußgelder. Das sogenannte VIAT-Verfahren der FH Köln sollte dabei helfen, auch nachträglich noch Spam-Anrufer zu identifizieren .