Robocup: Schweden überrascht, Iran enttäuscht - DER SPIEGEL
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Robocup Schweden überrascht, Iran enttäuscht

Iran erntete vor allem in der ersten Hälfte des Spieles gegen 5dpo-F2000 Portugal Kopfschütteln: Nichts wollte funktionieren. Stimmung kam erst wieder im Spiel Schweden gegen Holland auf. Beide Seiten hatten Grund zum Feiern: die schwedischen Roboter bewegten sich, und die Holländer erzielten ihr erstes Tor.
Von Robocup-Team, Amsterdam
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Nach dem ersten Treffer der Oranjes war die Sensation perfekt, die Halle tobte. Würde Holland nun doch noch den Einzug ins Viertelfinale schaffen? Für Minuten herrschte in der Hallte tosender Lärm. Die Schweden bejubelten ihre Roboter ("Sie leben! Sie leben!"), die Holländer feuerten mit lauten "Dexter, Dexter!"-Rufen ihren kleinen Star an.

Die folgenden acht Minuten beherrschte Holland das Feld, focht das Match unter sich aus: In der Regel kämpften zwei der holländischen Roboter um den Ball - und zwar gegeneinander. Der Stimmung tat das keinen Abbruch, im Gegenteil. Obwohl die Begegnung nun wirklich nicht hochklassig genannt werden kann, keimte doch noch Hoffnung auf: Hier, so schien es, marschiert das Team Oranje doch noch ins Viertelfinale! Doch bis zur Halbzeit fiel kein weiteres Tor. Würde es Holland gelingen, das Ergebnis zu halten?

Zweite Hälfte: Es ging um die Wurst

Wie ausgewechselt begannen die Holländer die erste Halbzeit. Sofort lebte die Stimmung wieder auf, als Dexter in einem schnell vorgebrachten Angriff den Ball in Richtung des schwedischen Tors beförderte - und am Pfosten scheiterte. Die Schweden hatten wenig Grund zur Freude. Zwar zeigten ihre Robots eine gewisse Grundbegabung, allerdings eher zum Ballett - mit dem Ball hatten sie anscheinend keinen Kontrakt - entsprechend ergab sich auch der Ballkontakt nur dann, wenn sie von einem holländischen Robot angespielt wurden.

Nach vier Minuten verlor die holländische Mannschaft ihre Triebkraft: Dexter musste rebootet werden und verschwand erst einmal hinter der Bande. Und trotzdem: Völlig überraschend ergab sich in der fünften Minute der zweiten Halbzeit plötzlich Bewegung im Mittelfeld: Einer der holländischen Stürmer führte den Ball in perekt gerader Linie aufs schwedische Tor zu. Da deren Torwart das Feld genauso perfekt geräumt hatte, kam es zum verdienten 2:0 für Holland - und wieder tobte die Halle!

Nun ging es Schlag auf Schlag: In einer ähnlichen Situation fiel das 3:0 - immerhin zeigte der schwedische Torhüter Bewegungsansätze. Zwei Minuten vor Spielende kehrte Dexter zurück ins Spiel. Im Interview, informierte der Hallen-Moderator das Publikum, habe Dexter vor dem Spiel seine feste Absicht erklärt, in diesem Spiel als Torjäger zu glänzen. Die Menge folgte jeder Bewegung des kleinen Stars - doch eine doppelte gelbe Karte setzte nach nur eineinhalb Minuten der zu stürmischen Ambition des hollänischen Stürmers ein vorzeitiges Ende. Wenig später der Schlusspfiff - und der Saal kocht für Sekunden: Holland schlägt Uppsala mit 3:0! Vier Tage hatten die Zuschauer auf diese Szenen warten müssen.

Iran gegen 5dpo-F2000: Der Weltmeister enttäuschte

Kopfschütteln ernteten vor allem die Iraner in ihrem Spiel gegen das portugiesische Team 5dpo. Von den Portugiesen hatte man keine große Überraschungen mehr erwartet: Zu groß die Probleme, die die Performance der protugiesischen Roboter in den ersten Spielen offenbart hatten.

Doch Iran hatte eigentlich von der ersten Spielsekunde, die sie hier in Amsterdam absolvierten, nur geglänzt. Knapp zwei Stunden vor dem Spiel gegen Portugal hatten sie noch eine durch und durch überzeugende Leistung gegen U.Minho, eines der stärksten Teams im Turnier, gezeigt. "Unbesiegbar" schienen sie dort, wie Dominik, einer der Teamer von den Ulmer Spatzen, anerkennend meinte.

Davon war vor allem in der ersten Halbzeit aber auch gar nichts mehr zu spüren. Die Iraner fanden den Ball nicht einmal, ihre Roboter kreisten unmotiviert um die eigene Achse: Ein Zeichen für massive Probleme im Bereich der optischen Sensorik. Dafür bewegte sich immerhin ein Roboter des Teams 5dpo-F2000 - wenn auch erfolglos.

Die erste Halbzeit verlief in lähmender Langeweile. 0:0 der Pausenstand. Die Portugiesen verzichteten in der Halbzeitpause weitgehend darauf, irgendetwas an ihren Robotern optimieren zu wollen: Sie schienen damit zufrieden, dass sich immerhin einer ihrer Roboter bewegte. Das durften sie auch: Immerhin war der 5dpo-Robot der einzige Spieler, der in der ersten Halbzeit überhaupt Angriffe versuchte.

Versuchte, Ausrufezeichen. Die erste Halbzeit verstrich völlig ereignislos, der Halbzeitpfiff erlöste Mannschaften und Publikum. Was war nur mit Iran los?

Doch die Iraner nutzten die kurze Pause und dokumentierten, wieviel man in zehn Minuten erreichen kann. Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit sollte sich zeigen, dass nun immerhin einer der Feldroboter zur alten Form zurückgefunden hatte. Der iranische Torwart war der einzige Spieler des Teams, der von Anfang an funktioniert hatte - freilich ohne überhaupt gefordert worden zu sein.

Jetzt stürmte Iran, dass es einem um die Portugiesen schon fast leid tun konnte. Das Spiel geriet zum Übungschießen für den einzigen funktionierenden iranischen Feldspieler: 1:0, 2:0, 3:0, 4:0, 5:0 - der Robot führte die Standardmanöver vor, die die Stärke des iranischen Teams ausmachen. Tore fielen aus dem Mittelfeld, im geradlinigen Angriff und von den Flügeln.

Das war schön - und trotzdem langweilig. Das Spiel geriet zu einer Art Slalomfahrt mit garantiertem Torschuss. 5:0 das Endergebnis, dass auf dem Papier weit klarer aussieht, als das iranische Team hier eigentlich verdiente: Hoffentlich gelingt es dem Weltmeister, die Probleme unter Kontrolle zu bekommen. Vielleicht schon im Spiel gegen die GMD aus Sankt Augustin?