Schach Patt zwischen Mensch und Maschine
Überraschung in Bahrain: Nach knapp zwei Stunden war das Endspiel, das mit Spannung erwartet wurde, schon vorbei. Fans, die auf eine weitere hochklassige Begegnung gehofft hatten, wurden enttäuscht.
Von den ersten Spielzügen an schien Kramnik eher vorsichtig. Fritz konterte ohne nenneswerte Rechenzeiten aus seiner Zugbibliothek: Ein klares Zeichen dafür, dass die Partie nie die Brisanz erreichte, die beispielsweise am Dienstag die Schachwelt in Atem gehalten hatte. Mit entsprechend hohen Erwartungen sah sich auch Kramnik konfrontiert: Die Partie Mensch gegen Maschine geriet auf gewisse Weise selbst zu einer Art Weltmeisterschafts-Wettkampf. "Dawai, dawai, igrewai Wladimir!", feuerte die achtzehnjährige Tochter des russischen Botschafters in Dubai den Weltmeister an: "Vorwärts, vorwärts, gewinne Wladimir!"
Doch Kramnik schien nicht in Hochform. In Serie platzierte er einige "Toilettenzüge", die seine Stellung nicht verbessern konnten, ihn aber auch keine Zeit kosteten: Die brauchte er gleich mehrmals, um das Spielbrett zu verlassen. Die Partie entwickelte sich derweil zu einem gegenseitigen Belauern, ohne dass einer der Kontrahenten sich hätte Vorteile erkämpfen können.
Nach dem 19. Zug analysierte Fritz die Lage als 0,0 - völlig ausgeglichen. Kramnik saß derweil da und schüttelte nur mit dem Kopf. "Offenbar teilt er Fritz' Einschätzung", kommentierte Frederic Friedel von Chessbase.
Das Hamburger Fritz-Entwicklerteam roch das kommende Remis: Schnell noch wies Friedel darauf hin, dass die 200.000 Dollar, mit denen das Team Fritz im Falle eines Remis nach Hause gehen würde, einer Stiftung zur Förderung junger Schachtalente zugute kommen würden. Zwei Minuten später konnte man den Konjunktiv streichen: Kramnik bot nach dem 21. Zug Remis an.
Aufzeichnung: das Finale von Bahrain
Auch nach der Live-Übertragung lässt sich das Flash-Fenster weiter nutzen, nun als Aufzeichnung des Spieles. Die Vor- und Zurück-"Knöpfe" rechts unter der Tabelle funktionieren wie die Bedientasten eines Recorders. Einzelne Züge lassen sich so beliebig oft wiederholen.
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Um 14 Uhr MESZ begann in Bahrain ein Spiel, das man so spannend im Vorfeld nicht erwartet hatte: Beim Punktestand von 3.5 zu 3.5 entscheidet sich der Ausgang des Turniers im Finale.
Am Brett sitzt Weltmeister Wladimir Kramnik - und muss sich seinen Gegner gewissermaßen vorstellen: Deep Fritz ist ein handelsübliches Schachprogramm, das auf einem nicht übermäßig groß dimensionierten PC läuft. Nichts macht den Fortschritt in der digitalen Technik deutlicher als das: 1998 war es mit Deep Blue immerhin noch ein "Superrechner" von IBM, dem es erstmals gelang, mit Garri Kasparov einen amtierenden Schachweltmeister zu schlagen.
Viele Beobachter hoffen auch darum auf Kramnik: Bahrain sollte dokumentieren, dass der Mensch der Maschine durchaus noch voraus ist.
Tatsächlich? Gelang es Kramnik noch, die ersten Partien des Turniers zu dominieren, sprechen die Ergebnisse der letzten drei Partien eine andere Sprache. Zwei Siege für den Rechner und ein Remis in Folge mussten vom Menschen Kramnik erst einmal verarbeitet werden. Nach dem fulminanten, am Ende jedoch von Kramnik verlorenen kräftezehrenden Spiel am Dienstag folgte am Donnerstag eine wenig aufregende Partie. Die endete im Remis und konnte am Punktegleichstand der Gegner nichts ändern.
Nun läuft die finale Partie, die alles entscheidet: Mensch oder Maschine? Die Frage allein macht klar, dass es um mehr geht, als nur um die Gewinnsumme. Kramnik wird heute Nacht vielleicht eine Million Dollar reicher sein - oder immerhin 600.000 Dollar auch dann mitnehmen, wenn er unterliegt. Verloren hätte er trotzdem - und die Chance verpasst, sich auch in der Disziplin des Computerschach von seinem ehemaligen Lehrmeister und Dauerrivalen Kasparov abzusetzen.
Doch der Trend der letzten Partien sprach für Deep Fritz: Kann es Kramnik heute gelingen, das Blatt zu wenden?
Die Kommentatoren der Liveübertragung:
Anna Dergatscheva, russische Schachmeisterin
Julian Hodgson, Schach-Großmeister, Großbritannien
Daniel King, Schach-Großmeister, Großbritannien
Nigel Short, Großmeister und ehemaliger Kasparov-Herausforderer
Frederic Friedel, ChessBase (Deep-Fritz-Entwickler)
und andere...
Die Match-Termine:
Freitag, 4. Oktober
Sonntag, 6. Oktober
Dienstag, 8. Okober
Donnerstag, 10. Oktober
Sonntag, 13. Oktober
Dienstag, 15. Oktober
Donnerstag, 17. Oktober
Samstag, 19. Oktober
Die Partien beginnen jeweils um 14 Uhr MESZ
Ort der Veranstaltung: Manama, Bahrain