Schillerjahr: Die längste Web-Adresse der Welt - DER SPIEGEL
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Schillerjahr Die längste Web-Adresse der Welt

Wir haben es geschafft. Der Verein für Deutsche Sprache hat eben jener und zudem Friedrich Schiller im Web ein Denkmal gesetzt: Die längste Web-Adresse der Welt. Das hat den Vorteil, dass die Seite dahinter Publicity erntet - und den Nachteil, dass man sich die Adresse schwer merken kann.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Roger Vailland scherzte einmal, dass die Länge der Aufführung seines Bühnenstückes Le colonel Forster plaidera coupable davon abhängig sei, wie weit nördlich und östlich es aufgeführt würde: In Paris dauere das zwei Stunden, in Berlin schon deutlich länger, in Moskau schließlich sechs Stunden. Dass er dem Russischem hier den Längenzuschlag gab, zeigt, dass er weder das Deutsche, noch das Finnische genügend kannte.

Denn weltweit scherzt man über die Länglichkeit des Ausdrucks, die Kompliziertheit des Wortaufbaus in diesen Sprachen. Völlig zu unrecht, wie wir Deutsche wissen: Wir schätzen die Möglichkeit unseres heimischen Idioms, durch die recht freie Bildung von Komposita Worte von beeindruckender Länge komponieren zu können - auch wenn deren Bedeutung, zum Beispiel im Amtsdeutsch, vielleicht nicht immer gleich zu erfassen ist.

Immerhin: Man braucht kein Joyce zu sein, um dem Deutschen Wortneuschöpfungen zukommen zu lassen. Wir sind stolz auf unsere Länglichkeiten.

Das gilt offenbar auch für unsere Sprachpfleger. Die widmeten nun Friedrich Schiller mit www.WiemenschlichMenschensindzeigtihrUmgangmitderMuttersprachefrsch.de nicht nur einfach irgendeine Webseite mit Adressen zum Schillerjahr, sondern eine ganz besondere: Die mit der längsten WWW-Adresse der Welt. Sagt zumindest der VDS, der Verein Deutsche Sprache.

Das stimmt auf jeden Fall, wenn man bedenkt, dass man keine WWW-Adresse registrieren kann, die mehr als 63 Zeichen besitzt: Geht nicht, darf man nicht, ist verboten. Sonderlich sinnvoll ist es auch nicht, denn normalerweise strebt man nach Kürze, damit man sich die Adresse auch merken kann. Es sei denn, man arbeitet für ein Amt oder - besser noch - für das Militär und denkt auch so: Dann sind Monstren wie www.first-air-cavalry-division-airmobile-in-vietnam-1965-1972.com nicht ungewöhnlich.

Sinnvoll ist so etwas dann, wenn man Aufmerksamkeit damit erregen kann und will. Eine E-Mailadresse wie beispielsweise Ich@abcdefghijklmnopqrstuvwxyzabcdefghijklmnopqrstuvwxyzabcdefghijk.com würde es ermöglichen, Visitenkarten im Panavision-Format zu rechtfertigen. Was für ein Glück, dass es diesen Mailanbieter tatsächlich zu geben scheint: www.abcdefghijklmnopqrstuvwxyzabcdefghijklmnopqrstuvwxyzabcdefghijk.com. Er nennt sich selbst "ABC... - whatever" und wirbt mit der "weltweit längsten alphabethischen E-Mailadresse". Die bekommt man sogar umsonst. Warum auch nicht?

P.S.: Kennen Sie ähnlich längliche Web-Adressen? Es zählt nur der "Raum" zwischen "www" und der Domainendung ("com", "net", "de" etc.). Wir sind gespannt auf Ihre Tipps: E-Mail genügt, Stichwort:"Long is beautiful" .