Schnüffelprogramme Software für betrogene Eheleute
Auf der Webseite der Firma Spectorsoft, einem der Hersteller der Schnüffelprogramme, sind zahlreiche Danksagungen betrogener Männer und Frauen zu lesen: "Durch ihre Software Spector kenne ich jetzt die ganze Wahrheit. Ich weiß, mit wem sie mich wann und wo betrog und wie sie mich darüber belog, was sie im Internet machte", schrieb ein Kunde. Eine Frau aus Seattle dankte enthusiastisch: "Durch Spector habe ich erfahren, was für ein perverser Kerl mein Verlobter ist. Vielen Dank, dass Sie mich davor bewahrt haben, diesen Lump zu heiraten."
In der "Washington Post" schildert der 46-jährige Greg, wie er wochenlang die Flirts seiner Frau im Internet verfolgte. Die Schnüffelsoftware zeigte ihm alle sexuellen Avancen, die sie einem Mann in Nebraska machte. Er zog die Konsequenzen und reichte nach 22 Jahren Ehe die Scheidung ein. Und auch in der "New York Times" erklärte eine Frau, wie sie mit dem Schnüffelprogramm ihrem untreuen Mann auf die Schliche kam. Sie hatte mit Hilfe der Software entdeckt, dass der Mann regelmäßig Pornoseiten im Internet besuchte und in Chatrooms damit prahlte, dass er seit 15 Jahren eine Affäre habe. Er wusste nicht, dass er am Computer belauscht wurde, bis seine Frau die Scheidung einreichte und ihm der Anwalt dutzende Seiten mit den Ausdrucken seiner Internet-Abenteuer vorlegte.
Spector und andere Schnüffelprogramme funktionieren ähnlich wie ein Videorekorder. Sie zeichnen alles auf und spielen es anschließend Bild für Bild wieder ab. Selbst Passwörter werden so entschlüsselt. Nach außen hin warnt die Herstellerfirma davor, die Software ohne das Wissen der anderen Familienmitglieder zu installieren. Gleichzeitig werden aber Tipps gegeben, wie auch Laien das Programm so einrichten können, dass selbst Experten Schwierigkeiten haben, die Software zu finden.
Viele Juristen sind sich in ihrer Haltung gegenüber Spector und anderen ähnlichen Programmen unschlüssig. Klar sei lediglich, dass die bisherigen Abhörgesetze nicht für Schnüffelsoftware ausgelegt seien. Der Anwalt Mike Goodwin erklärte, er wisse zwar nicht, ob das Ausspähen in den USA legal sei oder nicht. Er persönlich wolle aber wissen, ob ihn jemand auf seinem Computer belausche. Simson Garfinkel, der ein Buch über die Gefahren für die Privatsphäre im Internetzeitalter geschrieben hat, sprach sich für eine nationale Gesetzgebung aus. Andere Experten vertreten die Auffassung, es bedürfe keiner neuen Gesetze. Betrogene Männer und Frauen hätten seit Jahrhunderten heimlich die Tagebücher und Briefe ihrer Ehepartner gelesen und dies sei nur die moderne Version im Internetzeitalter.