Sekten: Scientology-Bug in Windows 2000? - DER SPIEGEL
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Sekten Scientology-Bug in Windows 2000?

Eine Komponente des neuen Microsoft-Betriebssystems stammt von einem Software-Unternehmen aus dem Umkreis der Scientology-Organisation. Kirchen und Behörden befürchten nun, das Programm könne durch verdeckte Funktionen seine Nutzer ausspionieren.
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Hamburg - Eine in Windows 2000 integrierte Software-Komponente stammt von der kalifornischen Firma Executive Software , die von einem Scientologen geführt wird. Das berichtet das Computer-Fachmagazin "c't" in seiner aktuellen Ausgabe. Der Chef von Executive Software, Craig Jensen, bekennt sich im Internet  offen dazu, sein Unternehmen nach den umstrittenen Methoden des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard zu führen.

Microsoft  berief sich darauf, nach rechtsstaatlichen Grundsätzen zu handeln: Sprecher Kurt Braatz sagte, man müsse die Firma Executive ungeachtet ihrer Scientology-Bindungen behandeln wie jedes andere Unternehmen. "Es gibt kein rechtskräftiges Urteil, in dem Scientology als verfassungsfeindliche Organisation eingestuft wird", sagte er. "Wir können aus religiösen, rassischen oder sonstigen Gründen ohne einen gültigen Richterspruch niemanden davon ausschließen, mit uns Geschäfte zu machen."

Kirchen und Behörden dagegen ist die Software des Scientology-Unternehmens nicht geheuer: "Das wird nicht nur die katholische Kirche interessieren, sondern auch alle Bundesländer, den Verfassungsschutz und auch die deutsche Industrie", sagte Harald Baer, einer der Beauftragten für Sekten und Weltanschauungsfragen der Deutschen Bischofskonferenz.

Nach Ursula Caberta, Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde, ist Executive Software eines der führenden Unternehmen der Scientology-Organisation WISE (World Institute of Scientology Enterprises). WISE sei der "entscheidende Arm von Scientology, um die Wirtschaft zu unterwandern und auszuspionieren". Sie verwies auf Beschlüsse in den Bundesländern Bayern und Hamburg, wonach Behörden insbesondere im Bereich Informationstechnologie keine Dienstleistungen und Produkte von Scientology-Unternehmen kaufen dürfen.

Der "Windows 2000 Disk Defragmenter", der in Windows 2000 integriert werden soll, beruht auf Executive Softwares "Diskeeper" . Dabei handelt es sich um ein Programm, mit dem die Zerstückelung von Daten auf der Festplatte ("Fragmentierung") aufgehoben werden kann. Bei der Defragmentierung werden die Daten wieder zusammenhängend auf die Platte geschrieben. Die Vollversion des Programms beinhaltet eine Funktion, mit der die Software in Netzwerkumgebungen automatisch Defragmentierungen vornehmen kann. Mit einer anderen Technologie, so wirbt das Unternehmen, könne man "unternehmenskritische Windows-NT-Systemdateien überwachen und zuverlässig vor einer unerwünschten Fragmentierung schützen".

Solche automatischen Funktionen rufen bei Datenschützern nicht gerade Vertrauen hervor. Nach Uwe Schläger, Computer-Fachmann beim Hamburgischen Datenschutzbeauftragten, besteht theoretisch die Gefahr, dass das Programm Inhalte ins Internet verschieben könnte. Bei der technischen Analyse von "Diskeeper" fanden Experten der "c't" allerdings "keine Auffälligkeiten". "Freilich lässt sich durch äußerliche Untersuchungen die Vermutung, eine Betriebssystemkomponente spioniere den Nutzer aus, nicht vollends entkräften", schreibt die Zeitschrift.

"Unsere Entwickler haben kontrolliert, ob das Programm wirklich nur die definierten Funktionen ausführt", sagte dagegen Microsoft-Sprecher Thomas Baumgärtner. Wenn eine Firma oder Organisation dem Programm trotzdem misstraue, könne ein Administrator die Diskeeper-Funktion ausschalten, was allerdings laut "c't" "ziemlich kompliziert" ist. Das Argument, den Kirchen könne nicht zugemutet werden, mit dem Kauf von Windows 2000 zur Finanzierung von Scientology beizutragen, wird von Microsoft zurückgewiesen. "Wer solche Bedenken hat, dem steht es frei, das in seiner Kaufentscheidung zum Ausdruck zu bringen", sagte Braatz.