Serien im Netz: Razzia gegen Link-Sammler - DER SPIEGEL
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Serien im Netz Razzia gegen Link-Sammler

Wer im Netz Filme oder Fernsehserien sucht, wird meist mit wenig Aufwand fündig. Seiten wie TV-Links machen die Suche noch einfacher: Sie sammeln Verweise auf die gestreamten Videodateien. Jetzt hat die britische Polizei das Angebot abgestellt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Fernseh- und Kinobranche sind ihre Kunden lieb und teuer - aber die Liebe hat ihre Grenzen. DVDs von Filmen und Fernsehserien kommen in den USA auf den Markt, sind also auch für Europäer theoretisch verfügbar - dürfen aber praktisch in Europa nicht abgespielt werden, weil hiesige DVD-Player nicht den richtigen Regionalcode aufweisen. Während jeder den neuen "Harry Potter"-Roman auch in Deutschland auf Englisch kaufen und lesen kann, sobald er erscheint, müssen Filmfans das Gesetz beugen oder brechen, um an ihren Stoff zu kommen.

Weil Not erfinderisch macht, gibt es für ungeduldige Freunde von US-Fernsehserien und Hollywood-Filmen zurzeit drei Möglichkeiten:

  • Sie können erstens einen Code-Free-Player für DVDs kaufen. Die sind aberwitzigerweise inzwischen sehr einfach zu bekommen und spielen brav auch übers Internet bestellte, in der Spezialisten-Videothek geliehene oder von Freunden mitgebrachte US-DVDs ab. Das ist umständlich, aber legal - zumindest für den Kunden. Der Verleiher dagegen macht sich des "illegalen Parallelimports" schuldig, sagt Nico Juran, Video-Fachmann der Fachzeitschrift "c't". Schlimmstenfalls droht eine Klage der hiesigen Rechteinhaber. Rebellische Videothekare handeln auf eigenes Risiko.
  • Ungeduldige Fans können zweitens einen Bittorrent- oder anderen Peer-to-Peer-Client installieren und Filme oder Serien aus der nach wie vor funktionierenden globalen Video-Nachbarschaftshilfe ziehen. Ob "Desperate Housewives" oder "Lost", "Heroes" oder "Prison Break" - US-Serien sind üblicherweise schon Stunden nach der Erstausstrahlung in den USA in Tauschbörsen zu finden, in einer Bildqualität, die der einer deutschen Fernsehausstrahlung ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen ist. Das allerdings ist illegal.
  • Drittens kann man auf Videoplattformen im Netz wie Google Video, YouTube oder Stage6 nach gestreamten Versionen von Serien und Filmen Ausschau halten - und auch die gibt es in Hülle und Fülle. Solche Videostreams, sei es von einem aktuellen Kinofilm wie "Ratatoullie" oder von der letzten Folge der aktuellen US-Staffel von "Dr. House", findet man, indem man Plattform für Plattform absucht, indem man bestimmte Befehlszeilen ins Suchfenster von Google eingibt - oder indem man sich auf eine Seite wie das eben dichtgemachte britische Angebot TV-Links begibt.

Auf TV-Links wurden aktuelle Serienfolgen und Filme samt ihrem Veröffentlichungsort in den Weiten des Netzes gesammelt. Links zu setzen - das erscheint dem Laien zunächst harmloser als das Treiben der Torrent-Piraten dieser Welt.

Aber das sieht Großbritanniens Polizei offenbar anders. Am Freitag durchsuchten die britischen Behörden die Räumlichkeiten des 26-jährigen Betreibers von tv-links.co.uk und nahmen den Mann fest.

Dabei war TV-Links nur eine Art Inhaltsverzeichnis: Links zu den aktuellen Streams von TV-Serien und Filmen, die auf irgendeiner Videoplattform standen, waren dort zu finden. Mit anderen Worten: Der Betreiber bot selbst keine illegalen Inhalte an, sondern gab nur Hinweise, wo diese zu finden waren. Wie erfolgreich die "Schließung einer großen UK-basierten Piratenseite" ("Guardian") langfristig sein wird, bleibt abzuwarten.

Denn ob das Setzen von Links allein als Akt der Piraterie gewertet werden kann, ist mehr als fraglich. Auch Suchmaschinen wie Google suchen, finden und verlinken illegale Inhalte, wenn man sie richtig bedient. Aber bei Google ist die britische Polizei bislang nicht vorstellig geworden.