Server-Sabotage: Verschwörer unter sich - DER SPIEGEL
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Server-Sabotage Verschwörer unter sich

War's die Regierung? War's ein Deutscher? Oder war's doch der Butler? Nach den jüngsten Attacken auf US-Server schießen die Spekulationen ins Kraut.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jim Warren ist sich sicher: Hinter den Server-Angriffen, die in den vergangenen Tagen die USA erschütterten, steckt die eigene Regierung. Schließlich brauche Bill Clinton gute Gründe, um seine Forderung nach einer stärkeren Überwachung und Kontrolle im Internet auch durchsetzen zu können.

Warren ist mit einer derartigen Meinung nicht allein. Im Netz jagt derzeit eine Verschwörungstheorie die andere. Wie der Internet-Dienst WiredNews  meldet, haben die Angriffe auf Yahoo, ZDNet oder Amazon die Phantasie vieler Amerikaner angeregt.

"Es ist einfach zu auffallend: Kurz nachdem die Clinton-Regierung dem Cyberterrorismus den Krieg erklärt, haben wir es plötzlich mit einer Vielzahl von Angriffen auf die populärsten Seiten zu tun", schreibt Warren. Auf einmal scheinen die Hacker viel besser, viel erfolgreicher zu sein als jemals zuvor. "Und welche Organisation hat die besten Hacker der Welt unter Vertrag?" Warrens Antwort ist einfach: der US-Geheimdienst NSA.

Futter bekommen die Verschwörungstheoretiker noch dazu durch eine CNN-Meldung. "ZDNet bestätigt gegenüber CNN", steht da, "dass das FBI das Unternehmen schon vor dem Angriff kontaktiert und die Ermittlungen aufgenommen hat." Wasser auf die Mühlen eines jeden Regierungskritikers.

Allerdings: In den meisten der unzähligen Mails mit dem CNN-Zitat wird ein weiteren Satz einfach unterschlagen. Dort steht, dass das FBI die Betreiber der großen Websites präventiv über etwaige Anschläge informieren wollte.

Die US-Behörden haben derweil ganz andere Probleme. Noch immer tappen die Ermittler im Dunkeln. Noch immer gibt es keine Hinweise, wer hinter den Attacken stecken könnte.

Eine Spur könnte allerdings nach Deutschland führen: Wie der Internet-Dienst CNet berichtet, ist das Programm "Stacheldraht", das bei den Angriffen zum Einsatz kam, von einem Computerexperten in Deutschland programmiert worden.

Andy Müller-Maguhn, Sprecher des Chaos Computer Clubs  (CCC), sieht das anders: Dem CCC lägen keine konkreten Hinweise auf eine deutsche Beteiligung an der Attacke auf die US-Web-Angebote vor.

Müller-Maguhn hält es wohl lieber mit den Verschwörungstheoretikern: Vor dem Hintergrund der Etat-Verhandlungen in den USA, bei denen es um Milliardensummen für die Bekämpfung des Cyberterrorismus gehe, sei es legitim zu fragen, wer von den Hacker-Attacken profitiere. Dem US-Kongress liege immerhin ein Haushaltsplan der Regierung vor, wonach die Ausgaben zur Bekämpfung der Cyberkriminalität beim National Infrastructure Protection Center um 37 Millionen auf 137 Millionen Dollar erhöht werden sollen.

Nach Recherchen in internationalen Hackerkreisen habe der CCC nicht den "geringsten Hinweis auf eine politisch motivierte Aktion gefunden, mit der etwa einzelne Hacker gegen die Kommerzialisierung des Internet protestieren wollen", sagte Müller-Maguhn.

Unterdessen haben die US-Behörden eine vorsorgliche Kontrolle des Computernetzwerks für Verteidigungszwecke angeordnet. Wie ein Sprecher des Pentagons in Washington mitteilte, werde das Verteidigungsministerium rund 10.000 Computer-Netzwerke unter die Lupe nehmen. "Die Überprüfung wird vorgenommen, um zu kontrollieren, ob unsere Systeme nicht unwissentlich dazu benutzt wurden, andere Rechner anzugreifen."