Sex.eu Europas begehrteste Adresse
Das Rennen um die neuen EU-Adressen ist eröffnet. Eurid, der europäische Registrar der EU-Domains, hat die Bewerbungsfrist für kommerzielle Bewerber eröffnet, und bereits am ersten Tag kam es zu einem wahren Rush auf die neuen Kürzel. Über 260.000 Bewerbungen liegen der Eurid inzwischen vor, was aber nicht gleichbedeutend mit Adressvergaben ist.
Denn "kaufen" kann man die Domains nicht. In der EU herrscht Vorfahrt für Geschäftsleute, die mit ihren Bewerbungen in mehreren Phasen zum Zuge kommen. In einer ersten Vorregistrierungsphase hatten die EU-Hüter den Inhabern von Markenrechten sowie Institutionen und Organisationen die Gelegenheit gegeben, ihr Interesse an Adressen anzumelden. Jetzt folgt auf die Großindustrie der etablierte Handel mit vermuteten "berechtigten Interessen" oder "Vorzugsrechten" an Domain-Namen.
Der Bürger kommt erst ganz zum Schluss zum Zuge: Erst ab dem 7. April darf der sich um das bewerben, was übrig bleibt, wenn "Offizielle" und Kommerzielle abgeräumt haben. Klingt ungerecht, dürfte aber zumindest das Risiko einschränken, als Privatperson von wildgewordenen Abmahn-Anwälten attackiert zu werden, die glauben, nur ihr Klient dürfte "Schneider", "Müller" oder "Meier" heißen.
In den nächsten Monaten sollen nun die Interessen der verschiedenen Bewerber gegeneinander abgewogen werden. Erst im zweiten Quartal 2006 können Bewerber mit Zu- oder Absagen rechnen - wobei es mehr abschlägige Antworten geben wird als Zusagen.
Denn viele Adressen stellen sich schon jetzt als äußerst beliebt heraus: Die rund 260.000 Bewerbungen bezogen sich auf nur 190.000 Domainnamen.
Europas populärste Adresse ist dabei - wenig überraschend - die aussagekräftige Domain "Sex.eu", für die allein in der ersten Registrierungsstunde am Dienstag 23 Anträge eingingen. Die werden die Eurid-Mitarbeiter wohl in einem Ordner mit den anderen Sex-Bewerbungen abheften, denn schon aus der Vorregistrierungsphase lagen über 200 Bewerbungen von Markeninhabern und Organisationen vor, die die Domain ebenfalls gern ihr Eigen nennen wollen.
Mit Begeisterung stürzte sich die internationale Presse dabei auf die Bewerbung der Kirchengemeinde Volle Evangelie Gemeente Rehoboth aus den Niederlanden, die ihr Interesse bereits im Dezember angemeldet hatte - wohl in der Hoffnung, über Sex.eu den Direktzugang zu sündigen Seelen zu finden. Inzwischen sollen die Evangelikalen ihre Bewerbung aber zurückgezogen haben.
Sex-Domain: Fast eine Lizenz zum Geld drucken
Übrig bleiben neben diversen Sex-Unternehmern Internet-Unternehmen, die sich für alles zu bewerben scheinen, was irgendwie aussprechbar oder unmissverständlich ist und Organisationen, die sich aus anderen Gründen mit dem Thema Sex befassen.
Kein Wunder, kann man doch getrost davon ausgehen, dass der Zuschlag bei Sex.eu jeden Lottogewinn schlagen würde: Abgesehen von der Aussicht, über eine so einprägsame Adresse prächtige Geschäfte machen zu können, dürfte der Name auch beim Verkauf Gold wert sein. Rekordverdächtig im Domainhandel war zuletzt der Preis für "Sex.com", die im Januar für die stolze Summe von 14 Millionen Dollar wieder einmal den Besitzer wechselte.
Die Gebühr, die der glückliche Sex-eu-"Gewinner" wird zahlen müssen, fällt da deutlich bescheidener aus: Eurid selbst verlangt im ersten Jahr 10 Euro, im zweiten 5 Euro. Dazu kommen die Gebühren der verschiedenen Registrare, über die Kunden die Adressen erstehen. Insgesamt sollten dabei aber keine Summen über 100 Euro im Jahr heraus kommen.
- Eurid:Europäische Registrierungsstelle für EU-Domains
- Statusreport von Eurid:Alle 15 Minuten ein Update über die Zahl der Bewerbungen
Ähnlich populär wie Sex, meldet Eurid, soll übrigens die Domain "Schumacher.eu" sein - der Name des Ex-Formel-1-Weltmeisters ist für viele offenbar immer noch eng mit "Geld verdienen" verbunden.
Dass es eine "deutsche Marke" wie Schumacher auf Platz 2 der Beliebtheitsskala schafft, ist dabei wenig überraschend. Nirgendwo war das Interesse an den EU-Adressen größer als hierzulande: 30,3 Prozent aller Bewerbungen sollen aus Deutschland kommen, gefolgt von den ebenfalls überrepräsentierten Niederlanden (16,1 Prozent) und Frankreich (10,7 Prozent). Landestypisch desinteressiert an EU-Adressen zeigten sich hingegen die Briten, die gerade 9,2 Prozent der Bewerbungen einreichten.
Frank Patalong