"Sexiest Geek Alive" Die Freak-Könige
Dot.com-Krise hin oder her, das Klischee hält sich hartnäckig. Der durchschnittliche Softwareentwickler oder Mitarbeiter eines Internet-Unternehmens kann sich nur einer eingeschränkten erotischen Ausstrahlung erfreuen. In der Boom-Ära des IT-Business konnte die Aussicht, dass der bebrillte, bärtige T-Shirt-Träger vielleicht schon morgen Millionär sein dürfte, vielleicht einiges kompensieren. Aber diese Zeiten sind auch vorbei. Also müssen sich die Technik-Freaks, die Geeks, von heute auf andere Weise interessant machen.
Wie wäre es denn zum Beispiel, sich als IT-Exzentriker mit dem Titel "Sexiest Geek Alive" schmücken zu können? Nichts leichter als das. Flugs bei www.sexiestgeekalive.com und schon geht es los. Teilnehmer aus den USA können sich auch live bei regionalen Vorausscheidungen im Rahmen von IT-Messen präsentieren. Die erste Veranstaltung fand am Dienstag in Indianapolis statt, weitere zehn in allen Teilen des Landes folgen. Das Finale findet am 21. Juni im kalifornischen San Jose statt.
18.000 Bewerbungen im vergangenen Jahr
Im vergangenen Jahr hatten sich insgesamt 18.000 Menschen um die unzweifelhafte Ehre beworben, sich "Sexiest Geek Alive" (SGA) nennen zu dürfen. Sogar aus Brasilien, Österreich und Großbritannien gab es Kandidaten. Am Ende gewann der 26-jährige Tony Northrup aus Boston. In seiner Bewerbung hatte der Programmierer und Autor von IT-Büchern klar formuliert, worum es für ihn bei dem Wettbewerb geht: "Ich will, dass alle Frauen, die mich abblitzen ließen, zu mir zurückgekrochen kommen."
Doch nicht nur Männer bewerben sich um die Krone des Freak-Königs. "Wir hatten fälschlicherweise angenommen, nur Männer wären an so einer verrückten Sache interessiert," schreiben die Veranstalter der Wahl auf ihrer Homepage. Doch siehe da, unter den sieben Finalisten des SGA-2000-Wettbewerbs waren drei Frauen.
Und auch unter den bislang 2000 Bewerbungen in diesem Jahr finden sich zahllose weibliche IT-Spezialisten. Zu ihnen zählt Ellen Spertus. Die 32-jährige College-Lehrerin aus Oakland hat sich im März online zur Wahl gestellt. Als Referenzen für ihr wahres Geek-Sein gibt sie unter anderem an, bereits in Zeitungsberichten unter der Überschrift "Frau, Computernärrin und stolz darauf" erschienen zu sein. Noch interessanter ist, was die Online-Ausgabe des Computermagazin "Wired" über Spertus zu berichten weiß. Das elektrische Auto der Techniknärrin ziert demnach ein Nummernschild mit dem Ohmschen Gesetz darauf. Wow. Doch es geht noch besser: Spertus und ihr Mann haben sich in ihrem Häuschen nämlich eine Heizung gespart. Die Lüfter der vielen Computer produzieren genug Wärme, vertraute sie "Wired" an.
Doch die Konkurrenz schläft nicht
Zum Beispiel Nehal Patel. Er schreibt in seiner Selbstanpreisung "Ich bin ein Geek. Ich bin verdammt sexy. Wenn ich Tattoos gut finden würde, denn würde ich mir 'Geek' auf meinen Hintern tätowieren lassen." Ob das beim anderen Geschlecht ankommt?
Vor allem männliche Bewerber um die SGA-Awards geben sich häufig Mühe zu betonen, dass sie trotz Technik-Begeisterung und Programmier-Fanatismus auch in der Lage sind, Gespräche mit anderen Menschen, vielleicht sogar mit Frauen zu führen. Manche leben nach eigenen Informationen sogar in einer Beziehung.
Oder um es mit Frank Papa, ebenfalls Bewerber um die Trophäe "Sexiest Geek Alive" zu sagen: "Ich bin ein Geek mit einer großartigen Frau und einem großartigen Job. Ich bin hier um zu beweisen, dass Geeks cool sein können."