"Sheep" Völlig Schaf
Ein Spiel rund ums "gemeine" Hausschaf, "Ovis ammon aries"? Mancher mag sich jetzt fragen, wie man den tumben Weidetieren einen Unterhaltungswert abgewinnen soll. Die machen doch nichts anderes als Fressen, Schlafen und manchmal blökend herumlaufen.
Aber genau auf letztere Eigenschaft baut "Sheep" von Empire Interactive. In der bizarren Mischung aus Geschicklichkeits- und Knobelspiel treibt ein Schäfer seine Herde unter Zeitdruck über einen Hindernisparcours. Die Steuerung funktioniert dabei indirekt. Während der Spieler sein Bildschirmego mit Maus, Tastatur oder Joystick dirigiert, begnügt sich das muffelnde Wild damit, vor ihm zu flüchten.
Der menschliche Hirtenhund hetzt also um seine Döner-Aspiranten herum und lenkt sie derart vorbei an den gegebenen Hürden. Hier liegt schon der erste "Schafsfuß". Denn eine falsche Mausbewegung, einmal zu lang auf der Taste geblieben und der virtuelle Hirte stolpert mitten unter seine Schützlinge. Diese stürmen daraufhin in heilloser Panik auseinander. Ein Effekt, den man in realiter nur erreicht, wenn man in einer Londoner U-Bahn den Aktenkoffer ans Ohr hebt und "It's ticking" wispert.
Beim ungeordneten Rückzug verfangen sich die drolligen Wollmonster in Elektrozäunen, geraten unter Mähdrescher, verschwinden in Fallgruben oder werden von Beil schwingenden Köchen verschlungen. Das reduziert die Herde erheblich. Ein oder zwei Fehler dieser Art und der Spieler ist schaflos in Seattle. Das entsprechende Level lässt sich nicht mehr bewältigen und muss neu gestartet werden (inklusive Trainingsparcours und Bonusetappen gibt es übrigens 30 Missionen).
Oh Toni! Die "Schafen" wir nie!
Kommt es hart auf hart, lassen sich die blökenden Quälgeister auch schultern und einzeln zum Ziel schleppen. Da in manchen Abschnitten das Zeitlimit recht großzügig ausfällt, entsteht die Möglichkeit, so auch schon mal Stück für Stück ganze Herden transportieren. Das entspricht zwar nicht dem Spielgedanken, aber es funktioniert.
Um Rückgriffe auf solche "Tricks" unnötig zu machen, existieren einige Hilfsmittel. Ghettoblaster oder Liebestränke erhöhen die Anziehungskraft des Spielers. Normalerweise gilt, dass der gute Hirte sich nie mit einem Schaf gemein macht. Nach der Beschallung respektive Drogenzufuhr kann er sich der Angebote aber einfach nicht mehr erwehren.
Seine Protegés finden ihn mit einem Schlag "völlig Schaf" und stürmen ihm penetrant nach. Diese hintendrein-tapsende-Wooly-Parade zum Zielpunkt zu lotsen, erweist sich natürlich als ein gutes Stück einfacher. Alles in allem bleiben die einzelnen Level trotzdem recht anspruchsvoll. Weniger, weil kniffelige Strategien zur Schafbeförderung nötig wären. Vielmehr entscheiden Timing und die Beherrschung der Steuerung über den eigenen Erfolg. Das kann gerade für Einsteiger zu einem frustrierenden Erlebnis werden.
Fazit: Schon spaßig, womit man sich so beschäftigen kann, bis endlich die Sonne aufgeht. Kultverdächtig!